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Mitte DNA-Tests im Mordfall Annika B.
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte DNA-Tests im Mordfall Annika B.
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06:16 31.03.2012
Die Studentin Annika B. (20) wurde in der Kohlrauschstraße auf offener Straße von einem Unbekannten erstochen. Quelle: Martin Steiner
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Hannover

Im Fall der auf offener Straße erstochenen Annika B. ist die Polizei beim Bearbeiten der Hinweise ein gutes Stück voran gekommen. Rund vier Monate nachdem die junge Frau vor ihrer Wohnung in der Kohlrauschstraße (Mitte) überfallen wurde, haben die Beamten der Mordkommission 420 Speichelproben genommen und 700 Personen überprüft. Dabei handelt es sich nach Auskunft der Staatsanwaltschaft um Menschen, die entweder der Polizei nach dem Fahndungsaufruf per Facebook einen Hinweise gegeben haben oder aus dem Umfeld der Getöteten stammen. Die Ermittler wollen in den kommenden Wochen rund 300 weitere Personen kontaktieren.

Die Kripo hatte alle Männer unter den bislang überprüften 700 Personen um eine freiwillige Abgabe von genetischem Material (DNA) gebeten. 420 von ihnen willigten ein. „Am Tatort wurde zwar kein genetisches Material des mutmaßlichen Täters sichergestellt, das man mit den Proben vergleichen könnte - es ist aber nicht ausgeschlossen, dass wir noch etwas finden, zum Beispiel an der Kleidung der Getöteten“, sagt Oberstaatsanwältin Irene Silinger.

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Dass es sich bei dem Mörder der alleinerziehenden Mutter Annika B. mit großer Wahrscheinlichkeit um einen jungen Mann handelt, stand bereits kurz nach der Bluttat am Abend des ersten Adventssonntages 2011 fest. Drei Zeugen hatten kurz nach der Tat einen etwa 20 bis 30 Jahre alten Mann weglaufen sehen. Er flüchtete von der Kohlrauschstraße über die Celler Straße Richtung Hauptbahnhof. Anhand der Angaben fertigte die Polizei eine ungewöhnlich präzise Phantomskizze des Messerstechers: Der mutmaßliche Täter ist etwa 1,80 Meter groß, schlank und sportlich. Er hat kurze blonde Haare, trägt eine viereckige Brille und wirkt unscheinbar.

Der Täter muss seinem Opfer vor dem Haus regelrecht aufgelauert haben. Die 20-Jährige hatte an dem Abend ihre Wohnung um kurz nach 19 Uhr verlassen. Sie ging zu einem nahegelegenen Kiosk, um sich Zigaretten zu kaufen. Dabei telefonierte sie mit einer guten Freundin. Auf dem Rückweg fiel der Täter von hinten über die junge Mutter her und stieß ihr sein Messer mehrfach in den Oberkörper. Annika B.s Freundin hörte die Hilfeschreie der Studentin am Telefon mit.

Die akribische Arbeit der Mordkommission und das Überprüfen der 700 Personen scheinen trotzdem nur wenige Hinweise auf die Identität des Gesuchten erbracht zu haben. Einen dringend Tatverdächtigen gibt es nicht.

Ebenso ungeklärt ist die Frage nach den Hintergründen der tödlichen Messerattacke. Annika B. galt als fröhliche junge Frau. Sie verfügte über einen großen Freundeskreis und war auch an der Fachhochschule, an der sie gerade ihr Studium begonnen hatte, beliebt. Zudem engagierte sich die junge Mutter in der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in der Walderseestraße. Die Hinterbliebenen, besonders die Eltern der jungen Frau, die von Rechtsanwalt Matthias Waldraff vertreten werden, wollen sich bislang nicht öffentlich zu dem Fall äußern. Sie vertrauten auf die gute Arbeit der Polizei und wollten diese nicht behindern, ließen sie mehrfach mitteilen.

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