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Mitte Massenandrang zur Eröffnung von Primark
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte Massenandrang zur Eröffnung von Primark
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13:11 16.05.2013
Von Hannah Suppa
Massendandrang bei der Eröffnung des Primark-Ladens in der hannoverschen Innenstadt.
Massendandrang bei der Eröffnung des Primark-Ladens in der hannoverschen Innenstadt. Quelle: Simon Peters
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Hannover

Als sich die Glastüren um 11 Uhr öffnen, rennen sie einfach nur. Die 16-jährige Johanna Fiebag und ihre 14-jährige Schwester Antonia schnappen sich drei der grauen XXL-Einkaufsbeutel, die wie bei Ikea am Eingang liegen, und stopfen alles hinein, was sie finden können: Fünf Paar Schuhe, Schlauchschals aus Strick in Gelb, Rot und Schwarz, Dutzende Ringe, eine Tasche. Antonias Hände zittern, Johannas Wangen sind gerötet. „Die Preise sind ja 'n Witz“, sagen beide.

Die beiden Schülerinnen der KGS Hemmingen gehören zu den ersten Kunden, die am Donnerstag unter triumphierenden Jubelschreien das neue Primark-Geschäft in der Osterstraße betreten haben. Zwei Stunden standen sie zuvor in der Kälte, hatten sich zwischen Absperrbänder eingereiht, wie im Freizeitpark. Nur Mathematikstudent Marco Arendt war früher da – bereits um 4 Uhr morgens stand er vor der Tür des Modegeschäftes, er kam direkt von einer Party dorthin. „Ich wollte einfach auch mal der Erste sein“, sagt er. Und Primark? Na klar, das kenne er schon. So wie fast alle, die am Donnerstagmorgen den Stress auf sich nehmen, sich durch das überfüllte Geschäft zu drängen.

Etwa 5000 Kunden wühlen sich bereits in der ersten Stunde nach Öffnung durch T-Shirts für 3 Euro, Jeans für 9, Mäntel für 30 und Schuhe für 13 Euro. Die Warteschlangen am Haupteingang zogen sich die Osterstraße entlang bis zum Modehaus Zara, der Nebeneingang in der Kleinen Packhofstraße ist ebenso frequentiert, den ganzen Tag lang. Vor dem Ansturm am Morgen mussten die Rolltreppen im Geschäft schon nach wenigen Minuten kapitulieren: Zu viele Menschen auf einmal, der Strom fiel im Geschäft für fünf Minuten aus. Dabei hatte sich das Modehaus in Absprache mit Stadt, Polizei und Feuerwehr ein Sicherheitskonzept zur Eröffnung zurechtgelegt: Der Einlass wird kontrolliert, sind zu viele Kunden im Geschäft, ist Stopp. Auch an Rolltreppen und Lifts stehen Sicherheitsbeamte, das Chaos soll zumindest ein wenig geregelt werden.

Viele Modefans haben auf diesen Moment gewartet: Im Herbst 2011 öffnete die britische Modehauskette Primark ihr Geschäft in der hannoverschen Innenstadt. Vorher warteten zahlreiche Modefans in einer langen Schlange auf die Öffnung.

Das irische Modelabel ist Kult: Mit Preisen wie auf dem Flohmarkt und trendigen Schnitten hat sich der Konzern bei den vornehmlich jungen Kundinnen etabliert – und hatte bis vor Kurzem Seltenheitswert. Erst seit 2009 gibt es Primark überhaupt in Deutschland. Dass die Qualität nicht unbedingt immer die beste ist, stört die Kunden wenig. Da färbt eine schwarze Jeans schon mal die Beine dunkel oder reißen Henkel von der Tasche ab. „Aber das ist doch bei dem Preis egal“, meint Schülerin Anna-Katharina. Schließlich sei es billig.

Günstig könne es sein, sagt Primark-Nordeuropa-Chef Wolfgang Krogmann, weil der Konzern in großen Stückzahlen einkaufe und auf Werbekampagnen verzichte. Das Unternehmen bemüht sich trotz anhaltender Kritik redlich um ein sauberes, faires Image: „Wir sind ein Unternehmen mit starken ethischen Prinzipien“, hob Breege O’Donoghue, Mitglied des Primark-Vorstandes, am Donnerstag in ihrer Eröffnungsrede hervor, der auch Bürgermeister Bernd Strauch und zahlreiche hannoversche Geschäftsleute lauschten.

Hannover ist die fünfte und bisher größte deutsche Filiale des irischen Konzerns: 8800 Quadratmeter, vier Etagen, 67 Umkleidekabinen, 63 Kassen, 780 Arbeitsplätze. Die Iren haben das ehemalige SinnLeffers-Gebäude gekauft und kernsaniert, die Investitionssumme betrage einen „zweistelligen Millionenbetrag“, sagt Filialleiter Jürgen Klaukien. Der benachbarten Handel freut sich über Primark: „Davon werden wir auch etwas haben, das wird die Ecke hier wieder ein bisschen beleben und ist für Hannover eine Bereicherung“, sagt Carmen Jagielski von FairKauf. Das Sozialkaufhaus startete zum Primark-Eröffnungstag eine eigene Aktion: 20 Prozent Rabatt gab es auf alle Produkte – und einen Apfel mit der Aufschrift „Wir begrüßen Primark“ geschenkt.

Der Primark-Ansturm ist für Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft, bisher ohne Beispiel: „So etwas habe ich in Hannover noch nicht erlebt“, sagt er. Filialleiter Klaukien ist am Ende des Tages „überwältigt“: „Ich habe das Gefühl, dass halb Hannover hier war“, sagt er. Für Sonnabend erwartet Klaukien noch mehr Kundschaft als am Eröffnungstag: Dann kämen viele mit dem Niedersachsen-Ticket angereist, prophezeit er. Am Freitag und Sonnabend hat Primark daher die Öffnungszeiten verlängert: Von 9 bis 22 Uhr kann eingekauft werden.

Antonia und Johanna haben „durchgeshoppt“, wie sie sagen. Zwei Stunden haben sie eingekauft und für Unmengen an Schuhen und Accessoires 100 Euro bezahlt. Nur die Füße taten nach dem Shoppingtag weh.

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