Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Mitte Mutmaßliches Prügelopfer erhebt Vorwürfe
Hannover Aus den Stadtteilen Mitte Mutmaßliches Prügelopfer erhebt Vorwürfe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 29.06.2014
Dieses private Foto zeigt den Polizeieinsatz von Ende April.
Dieses private Foto zeigt den Polizeieinsatz von Ende April. Quelle: privat
Anzeige
Hannover

Der 28-jährige Diskobesucher, der vor zwei Monaten in der Innenstadt von den Beamten durch Schläge und Tritte verletzt worden war, erhebt massive Vorwürfe gegen die eingesetzten Beamten. „Sie haben mich nach dem Vorfall etwa 90 Minuten lang blutend in einer Zelle sitzen lassen und erst dann ins Krankenhaus gebracht“, sagt er im Gespräch mit der HAZ. Der 28-Jährige, der als Polsterer tätig ist, hatte sich bei dem mutmaßlichen Übergriff einen Nasenbeinbruch, eine Schädelfraktur und eine Prellung an der Hand zugezogen. Eine Woche lang war er aufgrund der Verletzungen krank geschrieben.

Die Polizei widerspricht dieser Darstellung vehement. „Die Beamten haben unmittelbar nach der Festnahme des Betroffenen einen Rettungswagen angefordert“, sagt Behördensprecher André Puiu. Aufgrund verkehrstechnischer Probleme wegen des Marathons seien die Einsatzkräfte mit dem Festgenommenen zunächst zur Wache in der Herschelstraße gefahren und hätten den Krankenwagen dorthin umgebucht. „Dort haben ihn die Sanitäter wenig später versorgt und ein Arzt hat ihm eine Blutprobe entnommen“, sagt Puiu. Dabei habe sich der 28-Jährige jedoch so stark gewährt, dass dieser nach richterlicher Anordnung vollständig fixiert und unter Polizeibegleitung in eine Klinik gebracht wurde.

Auch bei den Geschehnissen, die zur Festnahme am 27. April führten, gehen die Erinnerungen auseinander. Das Opfer berichtet, es sei zuvor im Technoklub „Underground“ in der Georgstraße feiern gewesen – weit in den nächsten Tag hinein. Gegen 12.30 Uhr verließ er die Disko und machte sich auf den Heimweg. „Als ich um die Straßenecke bog, standen plötzlich die Polizisten vor mir“, sagt der Polsterer. Sie verlangten den Ausweis des Nachtschwärmers. Als dieser sich weigerte, soll einer der Beamten unvermittelt zugeschlagen haben.
Die Polizei stellt den Vorfall anders dar. Demnach hatte der 28-Jährige zunächst wüste Beleidigungen gegen die Beamten ausgestoßen und anschließend versucht, einen Polizisten zu schlagen. „Ich habe den Beamten Sachen an den Kopf geworfen, aber erst, als ich bereits gefesselt mit dem Bauch auf dem Boden lag und mehrere Polizisten auf mir knieten“, sagt der Diskobesucher.

Er hat sich einen Anwalt genommen und möchte gegen die Polizisten gerichtlich vorgehen. Aus diesem Grund hat er vor Kurzem Post erhalten. Als Zeuge in der Angelegenheit sollte er bei der Polizei seine Sicht der Dinge zu Protokoll geben. „Ich gehe doch nicht zu denjenigen, die mich schwer verletzt haben und mache dort eine Aussage“, sagt er.

So wie das mutmaßliche Opfer denken offenbar auch viele Passanten, die den Vorfall damals beobachtet haben. „Immer wieder erfahren wir von Zeugen, die aber keine Aussagen machen wollen“, sagt Oberstaatsanwalt Thomas Klinge. Selbst wenn man sie identifiziere und anschreibe, wie die Passanten, die das Geschehen am 27. April mit ihrem Handy filmten und auf Youtube stellten. Die Sorge, genau bei den Polizisten eine Aussage machen zu müssen, die an dem Vorfall beteiligt waren, sei aber unbegründet. „Die Beamten gehören einer speziellen Abteilung an, die solche Ermittlungen durchführt“, sagt der Oberstaatsanwalt. „Es würde uns sehr helfen, wenn sich noch mehr Personen melden, die den Vorfall beobachtet haben.“

Von Tobias Morchner 
und Jörn Kießler