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Mittelfeld In Mittelfeld sollen bald 1000 Flüchtlinge wohnen
Hannover Aus den Stadtteilen Mittelfeld In Mittelfeld sollen bald 1000 Flüchtlinge wohnen
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00:15 28.02.2016
Von Michael Zgoll
Die neue Flüchtlingsunterkunft in der Karlsruher Straße, die zwischen zwei Supermärkten liegt, ist fast fertig.
Die neue Flüchtlingsunterkunft in der Karlsruher Straße, die zwischen zwei Supermärkten liegt, ist fast fertig.  Quelle: Zgoll
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Hannover

Derzeit sind in der Stadt Hannover knapp 4400 Flüchtlinge untergebracht - doch bis Ende März dieses Jahres kommen noch einmal gut 6400 hinzu. Diese Zahlen präsentierte Stadtbezirksmanagerin Birte Groenigk in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel. Besonders deutlich spüren wird dies im Bezirk der Stadtteil Mittelfeld. Ein von vielen Anwohnern und Lokalpolitikern abgelehnter Standort ist aber laut Groenigk vom Tisch: Auf dem Parkplatz des Seelhorster Friedhofs an der Garkenburgstraße wird es keine Flüchtlingsunterkunft geben. Derzeit sind in Hannover 61 Prozent der Flüchtlinge in Notunterkünften untergebracht, 25 Prozent in Wohnheimen, 10 Prozent in Wohnungen und 4 Prozent in Wohnprojekten.

Seit wenigen Tagen gilt der Deutsche Pavillon auf dem Expo-Gelände nicht mehr als Erstaufnahmeeinrichtung des Landes, sondern als Notunterkunft der Stadt; hier können bis zu 430 Personen untergebracht werden. Die farbenfrohe Containersiedlung an der Karlsruher Straße - zwischen zwei Supermärkten - wird nach Auskunft von Groenigk ab Mitte April bezogen und bietet 124 Personen eine Heimstatt. Im nahe gelegenen Hotel Gold Springs Am Mittelfelde 65-67 sollen 130 Plätze zur Verfügung stehen; dem Vernehmen nach hat die Stadt dies für zehn Jahre für 3,8 Millionen Euro angemietet. Zudem plant die Verwaltung an fünf Standorten in Hannover, Leichtbauhallen zu errichten; allein an der Chicago Lane nahe dem Ikea-Möbelhaus sollen bis zu 400 Menschen wohnen. Eine einzelne Leichtbauhalle misst 25 mal 12,5 Meter und bietet 40 Personen Platz. Nach den Worten der Stadtbezirksmanagerin ist solch eine Konstruktion in zwei bis drei Wochen aufgebaut; die Hallen seien gut isoliert und beheizbar. „Wenn alle Unterkünfte in Mittelfeld belegt sind“, gab Grünen-Bezirksratsherr Björn Johnson zu bedenken, „komme ich auf eine Zahl von mehr als 1000 Flüchtlingen.“ Dies sei sehr viel für diesen relativ kleinen Stadtteil; die Statistik weist für Mittelfeld derzeit eine Einwohnerzahl von knapp 9200 auf.

Doch auch in anderen Stadtteilen im Bezirk gehen die Planungen zur Unterbringung von Flüchtlingen weiter. Das ehemalige Wichernstift in der Grazer Straße wird wahrscheinlich ab Mitte April bezogen, in dieser Notunterkunft werden 80 bis 90 Menschen leben. Für eine Unterkunft in der Döhrener Thurnithistraße, die der Bezirksrat schon mehrfach angemahnt hatte, arbeitet die Stadt nach Auskunft der Stadtbezirksmanagerin derzeit an einer Ausschreibung - nun aber für 100 Flüchtlinge, nicht mehr wie ehemals gedacht für 50.

Auf dem Kärntner Platz in Waldhausen soll keine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden. Quelle: Zgoll

Lange diskutiert wurde in der Sitzung des Bezirksrats über einen Antrag der CDU, den Kärntner Platz in Waldhausen nicht zu bebauen. Fraktionschefin Gabriele Jakob wies darauf hin, dass es einen Vertrag von 1914 gebe, wonach der Platz der Stadt von privat übertragen wurde. Bestandteil dieser Vereinbarung sei gewesen, das Areal als Freifläche zu erhalten. Ihr Parteifreund Gerd Sommerkamp erinnerte sich, dass die Verwaltung vor etlichen Jahren schon einmal erwogen hatte, das Areal zu bebauen, dann aber doch Abstand davon nahm.

Im Dezember 2015 hatte die Stadt auf eine Bezirksratsanfrage geantwortet, dass der Kärntner Platz als öffentliche Grünfläche und Schmuckplatz ausgewiesen und der Bau einer Flüchtlingsunterkunft von daher nicht möglich sei. Man prüfe allerdings, ob man hier eine Sondergenehmigung erteilen könne. Bezirksbürgermeisterin Antje Kellner machte jetzt darauf aufmerksam, dass die Verwaltung diese Prüfung nicht aus freien Stücken vornimmt, sondern auf Antrag des Bezirksrats aktiv geworden ist. Nunmehr aber scheinen auch etliche SPD-Bezirksratsmitglieder Gefallen daran zu finden, die baumbestandene Wiese in Gänze zu erhalten. So sprachen sich Sunnhild Reinckens wie auch Nicole Heidorn dafür aus, den Kärntner Platz zu einem Kontakt- und Integrationsplatz werden zu lassen. Immerhin würden in der nahen Grazer Straße bald 90 Flüchtlinge wohnen, und mit denen könne man auf diesem Gelände Feste feiern oder einen Spiel- und Bolzplatz anlegen. Abgestimmt wurde über den CDU-Antrag schlussendlich aber nicht, da die Grünen noch Beratungsbedarf anmeldeten.