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Mühlenberg Expo-Kreuz muss saniert werden
Hannover Aus den Stadtteilen Mühlenberg Expo-Kreuz muss saniert werden
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14:15 22.11.2018
Ein Wahrzeichen: Das Expo-Kreuz vor dem Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg.
Ein Wahrzeichen: Das Expo-Kreuz vor dem Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Mühlenberg

Bei der Weltausstellung war es die Zierde des Christus-Pavillons. Seit 2001 steht das Expo-Kreuz vor dem Ökumenischen Kirchenzentrum – und ist seither zu einem Wahrzeichen von Mühlenberg avanciert. Jetzt jedoch ist das 27 Meter hohe Kreuz ein Sanierungsfall, und woher Geld für die Renovierung kommen soll, ist noch unklar.

„Wir haben festgestellt, dass Glasscheiben neu montiert und Halterungen erneuert werden müssen“, sagt Holger Hannemann, Pastor der evangelischen Bonhoeffer-Gemeinde. Zudem sei die Beleuchtung teils defekt. Die Arbeiten wären ein aufwendiges Unterfangen: Die rund 60 Tonnen schwere Glas-Stahl-Konstruktion, ein Entwurf des Hamburger Stararchitekten Meinhard von Gerkan, müsste komplett eingerüstet werden.

„Debatten kosten Kraft“

Bei der Gelegenheit würde Hannemann die Beleuchtung gerne gleich von Halogen- auf LED-Lampen umstellen. „Diese würden nur noch einen Bruchteil der Energie verbrauchen“, sagt er. Das Hildesheimer Lichtplanungsbüro SSP arbeitet schon an einem Konzept, das einen warmen Lichtton hervorbringen soll – und mit dem das Kreuz je nach der liturgischen Farbe des Kirchenjahres auch in rot oder violett illuminiert werden könnte. Die Sanierungskosten dürften – schon ohne Beleuchtung – schätzungsweise bei rund 200 000 Euro liegen. Zu viel für viele Gemeindemitglieder.

In der evangelischen Bonhoeffer- und der katholischen Maximilian-Kolbe-Gemeinde, die sich das Kirchenzentrum teilen, wird die Kreuz-Sanierung heiß diskutiert. „Die Debatten haben schon viel Kraft gekostet“, sagt ein Kirchenmitglied, „die Fronten sind verhärtet.“

Der evangelische Kirchenvorstand hat den Beschluss gefasst, dass das Kreuz erhalten werden soll. Der Pastoralrat der katholischen Gemeinde und das zuständige Bistum Hildesheim stehen den Sanierungsplänen jedoch eher reserviert gegenüber; die Verhandlungen sollen sich kompliziert gestalten. „Im nahen Empelde wurde die katholische Kirche geschlossen – und hier sollen Unsummen für ein Kreuz ausgegeben werfen“, sagt ein Katholik.

Finden sich Sponsoren?

Mittlerweile hat die Sanierungskommission des Programms „Soziale Stadt“ die Gemeinden aufgefordert, das Wahrzeichen zu erhalten. Ein von den Gemeinden unabhängiger Förderverein will das Vorhaben unterstützen. Im Januar soll es neue Verhandlungen geben.

„Wir suchen jetzt ergebnisoffen nach einem Weg um festzustellen, ob und wie es möglich ist, eine Sanierung des Kreuzes zu finanieren“, sagt der neue katholische Pfarrer Johannes Lim. Viel hängt davon ab, wie viel Geld das Bistum Hildesheim beisteuert, ob die Stadt ins Boot geholt werden kann – und ob sich wieder Sponsoren finden. Die Aufstellung des Leuchtkreuzes hatte E.on einst großzügig unterstützt. Ein passendes Projekt für einen Energiekonzern.

Kommentar: Die Strahlkraft des Kreuzes

Das Expo-Kreuz, das sich vor dem Ökumenischen Kirchenzentrum Mühlenberg erhebt, ist längst zu einem Wahrzeichen des Stadtteils geworden. Ein christliches Symbol, das in dem bunten Quartier jedoch als architektonische Landmarke bei Menschen jeglicher Konfession beliebt ist. Jetzt muss das Kreuz saniert werden, und die Finanzierung ist ungewiss. Das imposante Bauwerk einfach verschwinden zu lassen, wie einige Mitglieder der zuständigen Kirchengemeinden mehr oder minder offen überlegen, darf jedoch keine Option sein. Ein Bauwerk des renommierten Architekten Meinhard von Gerkan muss man erhalten – vor allem, wenn es an ein so prägendes Stück Stadtgeschichte wie die Weltausstellung erinnert.

Dass die Kirchen mit ihren Finanzen haushalten, gerade in Zeiten von Kirchenschließungen, ist aller Ehren wert – zumal es heute Konsens ist, dass Kirchen ihr Geld besser für Bedürftige als für repräsentative Bauten ausgeben sollten. Über Jahrhunderte haben Kirchen jedoch auch immer wieder große Kunstwerke geschaffen, die als Zeugnisse des Glaubens verstanden wurden. Heute gelingt ihnen so etwas nur noch selten – wie eben im Fall des Expo-Kreuzes, auf das viele im nicht eben reichen Stadtteil Mühlenberg stolz sind. Die Kirchen sollten kreativ sein und für die Sanierung nach potenten Sponsoren suchen. Vom Leuchtkreuz geht eine Strahlkraft aus, in deren Glanz sich mancher Geldgeber gerne sonnen dürfte.

Von Simon Benne