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Nord Anlieger ärgern sich über Straßensanierung
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Anlieger ärgern sich über Straßensanierung
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12:00 04.04.2015
Von Bärbel Hilbig
Foto: Im Rehagen haben Fahrzeuge tiefe Spurrillen hinterlassen
Im Rehagen haben Fahrzeuge tiefe Spurrillen hinterlassen Quelle: Marta Krajinovic
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Hannover

Zwei Straßen im Stadtbezirk Nord will die Stadtverwaltung dieses Jahr neu in ihr Sanierungsprogramm aufnehmen: Jeweils ein Abschnitt der Straßen Auf dem Loh und Rehagen soll grunderneuert werden. In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Nord führten die Pläne zu zahlreichen Nachfragen und teils heftigen Diskussionen.

In der ersten Runde hatte das Sonderprogramm zur Straßensanierung vergangenes Jahr viel Ärger und Aufregung verursacht. Anlieger fühlten sich überrumpelt, und vor allem passte es vielen nicht, zur Finanzierung von oft 75 Prozent der Kosten herangezogen zu werden. Dieses Mal will die Verwaltung es besser machen. „Wir stellen die ausgesuchten Straßen zuerst im Bezirksrat vor. Die Anlieger bekommen gleichzeitig Informationen und die Möglichkeit, Fragen zu stellen“, erläuterte Tiefbauamtschef Andreas Bode jetzt im Bezirksrat.

Auf dem Loh: Die Straße soll von der Haltenhoffstraße bis zum Haus Nummer 6 grundsaniert werden. Aktuell bedeckt eine nur vier Zentimeter dicke Asphaltschicht Großpflaster aus Naturstein-Basalt. Auf der Fahrbahn sind Risse, Abplatzungen und Flickstellen sichtbar. Der Asphalt löse sich dort und auf dem Bürgersteig auf, erläuterte der Tiefbauamtschef. „Es fehlt auch ein Regenwasserablauf. Das funktioniert so nicht.“ Geplant ist ein neuer Aufbau der Fahrbahn, der Fußweg soll Platten ähnlich wie auf dem Engelbosteler Damm bekommen. Die Parkplätze bleiben, neue Fahrradbügel werden aufgestellt. Die Kosten sind mit 450 000 Euro veranschlagt.

„Mir kommt das übertrieben vor. Haben die Anlieger so viel davon?“, kritisierte CDU-Bezirksratsherr Bernd Huneke. Und setzte nach: „Ich frage mich, ob die Grunderneuerung kleiner Straßen deshalb gemacht wird, weil die Kosten auf die Anlieger abgewälzt werden.“ Bode erklärte, es seien gründliche Untersuchungen inklusive Bohrungen erfolgt. „Eine Deckensanierung reicht nur bei oberflächlichen Schäden. Wenn der Untergrund wie hier brüchig ist, bricht eine neue Decke schnell wieder ein.“

Zwei Anwohner berichteten verärgert, ihre Straße diene als Zulieferer für Krankenhaus, Grundschule und Bahngelände, auf dem die Bahn einen Mietservice unterhalte. Sie sehen Auf dem Loh deshalb nicht als Anliegerstraße, in der die Grundstücksbesitzer 75 Prozent der Kosten tragen müssen. Doch Bode machte mit Blick auf die kleine Straße keine Hoffnung. „Der Unterschied zu einer Innerortsstraße wie dem Schneiderberg ist deutlich.“ Die Stadt ist mit dem Grundschulgelände selbst ein größerer Anlieger und wird ebenso wie die Deutsche Bahn beteiligt, diese allerdings nur mit den Liegenschaften, die nicht Gleisanlage sind.

Rehagen: Ausschließlich die Fahrbahn der Straße Rehagen ist für eine Grunderneuerung auf dem Abschnitt zwischen Mogelkenstraße und Helmkestraße vorgesehen. „Die Straße ist alt und stark von Lkw befahren, sie sackt durch. Beim Darüberfahren spürt man deutlich Wellen“, erklärte Bode. Die dünne Asphaltdecke liegt auf Schotter. Sie weist Spurrillen und starke Unebenheiten auf. Stolze 1,17 Millionen Euro soll der Neuaufbau der recht langen und breiten Fahrbahn der Innerortsstraße kosten. CDU-Fraktionschefin Angelika Jagemann wandte ein, die Parkplätze im Rehagen seien erst vor wenigen Jahren neu angelegt worden. Bode erklärte, beim Baumprogramm seien vor rund zehn Jahren Parknischen von der Fahrbahn abgetrennt worden. „Aber an der Straße selbst ist damals nichts gemacht worden.“

Anlieger Joachim Laumer beschäftigt ein ganz anderes Problem. Lkw-Fahrer nutzten die breite Straße nachts als Stellplatz, ließen zum Heizen den Motor laufen und hinterließen Müll und Unrat. „Ich mache den Fahrern keinen Vorwurf, aber es ist wirklich laut. Und die Polizei interessiert das nicht mehr.“ Laumer und seine Nachbarn, die dort in Dienstwohnungen der Stadtwerke leben, wünschen sich deshalb, dass die Parkbuchten in Nähe der Wohnhäuser verschwinden. Bode sicherte zu, das zu prüfen.

Grünen-Fraktionschef Stefan Winter bemängelte, dass einige Grundeigentümer erst über ihre Mieter von den Plänen gehört haben. Diese hatten als Anlieger Post von der Stadt bekommen. „Die Eigentümer müssten doch direkt informiert werden.“

Der Bezirksrat kann Straßen von der Liste für das Sonderprogramm Grunderneuerung im Bestand nehmen, und andere vorschlagen. „Die prüfen wir dann“, sagte Bode. Es seien durchaus andere Straßen für das Programm geeignet. Die Fachleute aus dem Tiefbauamt hatten auch den Schneiderberg für eine Sanierung im Blick gehabt, die Idee aber zunächst verworfen.

Sonderprogramm läuft bis 2019

Mit dem Sonderprogramm Grunderneuerung im Bestand will die Stadt den Sanierungsstau in kleineren Straßen angehen. Die Grundidee ist, die Kosten gering zu halten, indem die bestehende Straßengestaltung erhalten bleibt, so dass keine aufwändige Planung notwendig wird. Außerdem werden mehrere Straßen im Paket ausgeschrieben. Straßen, in denen Parkbuchten, Fahrbahnbreite oder Radwegezuschnitt verändert werden sollen, eignen sich nicht. Für das Sonderprogramm sind in den Jahren 2015 bis 2018 jeweils zehn Millionen Euro eingeplant, für 2019 noch einmal fünf Millionen. Für 2014 waren vier Millionen Euro veranschlagt. Das Budget wird zu nicht geringen Teilen über die Straßenausbaubeiträge der Grundstücks- und Wohnungseigentümer refinanziert. In Straßen, die überwiegend von den Anliegern genutzt werden, liegt der Eigenanteil der Immobilienbesitzer bei 75 Prozent. Bei Innerortsstraßen werden sie zu 40 Prozent an Fahrbahn und Radwegen, zu 60 Prozent an Gehwegen und Grünanlagen sowie zu 70 Prozent an Parkflächen beteiligt. Die Arbeiten an den Straßen, deren Sanierung dieses Jahr beschlossen wird, laufen voraussichtlich in den Jahren 2016 und 2017. Frühestens ab 2018/19 erfolgt die Abrechnung. Dann werden die Beiträge der Anlieger fällig. Nach Auskunft von Tiefbauamtschef Bode sind die Endpreise bei bisherigen Sanierungen unter den geschätzten Kosten geblieben. Leitungsbauarbeiten müssen vor der Sanierung erledigt werden. Danach gilt für fünf Jahre ein Aufgrabeverbot. Ausnahme sind Notfälle und Arbeiten von Telekommunikationsfirmen.

03.04.2015
Michael Zgoll 05.04.2015