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Nord Anwohner sind ihrem Stadtteil treu
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Anwohner sind ihrem Stadtteil treu
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10:56 25.02.2010
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Wie gern leben die Menschen eigentlich in Stöcken? Das ließ die Stadtverwaltung im Herbst 2009 von einem Dortmunder Institut herausfinden. Die Wissenschaftler telefonierten mit 266 Bürgern und stellten ihnen noch etliche Fragen mehr. Etwa 10.000 Euro ließ sich die Stadt die Analyse der Befindlichkeiten im Sanierungsgebiet kosten. Die Ergebnisse stellte Heinz Balzer, bei der Verwaltung für soziale Stadtteilentwicklung verantwortlich, in der jüngsten Sitzung der Sanierungskommission Stöcken vor. Ein Fazit: Gut ein Drittel der Befragten ist unzufrieden mit Stöcken; nur 1,5 Prozent vergab die Note „sehr gut“.

Die Umfrage gab die Stadtverwaltung bewusst zu Beginn des auf zehn Jahre angelegten Förderprogramms „Soziale Stadt“ in Auftrag. Es gehe darum, die bereits 2008 festgelegten Sanierungsziele auf ihre Richtigkeit zu prüfen. „Und es wird in einigen Jahren eine Wiederholung geben“, sagte Balzer. „Dann wollen wir feststellen, was die Sanierung denn gebracht hat.“

Trotz aller Kritik – die Mehrheit der Stöckener ist dem Stadtteil eng verbunden. „66 Prozent der Befragten leben 20 Jahre oder länger dort“, sagte Balzer. Nur 16 Befragte äußerten konkrete Umzugspläne. Zwei Drittel gaben an, mit ihren Wohnungen zufrieden zu sein. Und 93 Prozent loben den Anschluss ans öffentliche Nahverkehrsnetz. Was vielen Bürgern aber fehlt, ist ein größeres Einzelhandelsangebot. „Ein weiterer Supermarkt, Fachhändler, Fleischer – das sind Dinge, die sich viele wünschen“, sagte Balzer. Dennoch hätten immerhin 54 Prozent angegeben, sie seien mit den vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten zufrieden.

„Sehr kritisch“ werde das soziale Umfeld gesehen, sagte Balzer. „Hier äußerte sich nur ein Viertel zufrieden.“ Den einen mangele es an Kultur- und Freizeitangeboten, andere fühlten sich zuweilen unsicher im eigenen Viertel. Nur ein Drittel der Befragten gab an, sich rundum sicher zu fühlen. „Allerdings sagt die Umfrage nicht aus, was im Detail fehlt“, räumte Balzer ein. Rund 40 Prozent der Stöckener haben einen Migrationshintergrund. Etliche Befragte hätten auf die Frage nach konkreten Störfaktoren mit „hoher Ausländeranteil“ geantwortet, sagte Balzer. Dem stünde aber ein anderes Ergebnis gegenüber: Immerhin 70 Prozent sagten aus, dass die Menschen verschiedener Nationen in Stöcken gut miteinander auskämen. „Das klingt wie ein Widerspruch. Aber das ist auch ein positives Ergebnis.“

Sieht auch so mancher Bürger über Mängel in seinem Stadtteil hinweg, so ist das Image Stöckens in anderen Stadtteilen keineswegs gut. Eine Frage lautete: „Wie reagieren Dritte, wenn sie hören, dass Sie in Stöcken leben?“. Nur sechs Prozent gaben an, dass die Menschen „erfreut“ reagierten; 40 Prozent umschrieben die Reaktionen eher mit „sind entsetzt“. Für Gereon Visse, dem städtischen Koordinator für das Sanierungsgebiet, bedeuten die Umfrageergebnisse zunächst eine Bestätigung für die Sanierungsziele. „Wir werden die vorgesehene Mischung also vorerst beibehalten“, sagte er. Das Förderprogramm sieht unter anderem den Ausbau familiengerechter Wohnungen sowie Investitionen in soziale und Qualifizierungsangebote vor. Der Einzelhandel soll zudem durch Gewerbeberater unterstützt werden.

Marcel Schwarzenberger