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Nord Na Schrott sei Dank
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Na Schrott sei Dank
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00:15 25.12.2014
Im Carcenter Hannover werden Autos ausgeschlachtet und wieder hergerichtet. Quelle: Christian Link
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Hannover

Hannovers Straßen werden immer voller: Seit 2008 steigt die Zahl der zugelassenen Autos beständig an. Gleichzeitig floriert das Geschäft mit der Autoverschrottung, weil die Wagen im Schnitt immer älter sind. In der Landeshauptstadt gibt es eine Handvoll zertifizierter Autoverwerter, die sich den Markt aufteilen. Der Kampf um Marktanteile beschränkt sich in der Regel auf nervende Kundenwerbung mit Visitenkarten, die in ganz Hannover hinter die Scheibenwischer gesteckt werden. Allein im Carcenter Hannover in Vahrenwald werden monatlich fast 100 Autos ausgeschlachtet oder wieder hergerichtet. Das Geschäft mit den schrottreifen Autos lohnt sich.

Hannovers Straßen werden immer voller: Seit 2008 steigt die Zahl der zugelassenen Autos beständig an. Allein im Carcenter Hannover in Vahrenwald werden monatlich fast 100 Autos ausgeschlachtet oder wieder hergerichtet. Das Geschäft mit den schrottreifen Autos lohnt sich.

„Wir können hier am Tag fünf bis acht Fahrzeuge wiederverwerten“, sagt Carcenter-Mitarbeiter Bilal Badran. Er ist einer von vier Angestellten, die sich in dem Betrieb um die schrottreifen Fahrzeuge kümmern. Etwa jedes dritte Auto sei nicht mehr nutzbar, die anderen würden hergerichtet und wieder verkauft. „Wenn man ein Auto verkauft, bringt das immer mehr Geld, als wenn man es verwertet“, sagt Badran. Nicht alle Fahrzeuge finden aber einen Abnehmer.  „Kleine Autos wie ein Golf II oder ein Renault Twingo müssen verwertet werden, die können wir nicht verkaufen.“

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„Das ist nur noch Schrott“

In der Werkstatt schlachtet das Team an diesem Tag gerade einen 16 Jahre alten VW Golf IV mit mehr als 200.000 Kilometern auf dem Tacho und Unfallschaden aus. „Der hätte beim TÜV bestimmt eine Mängelliste von zwei Seiten“, sagt Badran. Trotzdem wird das Fahrzeug nicht verschrottet, sondern wieder hergerichtet. Nach einem Zahnriemenschaden müssen alle Ventile ausgetauscht werden. Außerdem werden die Zylinderköpfe erneuert. Danach soll das verkehrstüchtige Auto nach Osteuropa verkauft werden. „Solche Fahrzeuge sind nichts fürs Inland, dort verkaufen wir die Autos nur, wenn sie TÜV haben.“

Die moderne Art des Schrottplatzes liegt im Internet

Für einen Opel Astra F mit Baujahr 1999 sieht der Autoverwerter allerdings keine Zukunft mehr. „Das ist nur noch Schrott“, lautet Badrans eindeutiges Urteil. Das Auto wird auf der Hebebühne Schritt für Schritt ausgeschlachtet. Alle Einzelteile, die noch gut verwertbar sind, werden gereinigt, beschriftet, im Computersystem erfasst und warten dann im Lager auf den Weiterverkauf. Die meisten Teile werden mittlerweile online verkauft, nur noch selten schauen sich Kunden vor Ort nach Ersatzteilen um. „Die moderne Art des Schrottplatzes liegt im Internet“, sagt Bürokraft Ricarda Mechler. Sie fügt im Ebay-Shop des Carcenters jeden Tag etliche Angebote hinzu, die durchschnittlich 80 Prozent billiger als die Originalteile des Herstellers seien – sofern diese überhaupt noch erhältlich sind. „Es gibt für alle Ersatzteile einen Markt, in der jetzigen Jahreszeit sind vor allem Gebläse sehr beliebt“, sagt Mechler. Gerade Teile, die häufig benutzt werden oder leicht abbrechen, würden am häufigsten gekauft: Heckklappengriffe, Schalter für die Innenbeleuchtung und Tankklappendeckel.

Eine Tonne Schrott bringt bis zu 800 Euro

Wenn ausgeschlachtete Autos das Firmengelände verlassen, ist die Karosse noch weitgehend in Ordnung. Zu Metallblöcken werden die Fahrzeuge erst beim Recyclingunternehmen Interseroh Jade-Stahl gepresst, das sich auf Entsorgung und Rohstoffhandel spezialisiert hat. Das bundesweit operierende Unternehmen betreibt am Lindener Hafen zwei Schrottpressen. Für das Altmetall zahlt die Firma wie branchenüblich die geltenden Tagespreise: Je nach Wertigkeit bringt eine Tonne Schrott derzeit zwischen 800 Euro (Zink oder Stahl) bis 4100 Euro (Kupfer).

Ohne den Verkauf von Autos und Einzelteilen wäre das Geschäft wenig lukrativ

Mit dem Altmetall machen die Autoverwerter zwar Gewinn, doch ohne den Verkauf von Autos und Einzelteilen wäre das Geschäft wenig lukrativ. „Allein würde sich das Verschrotten nicht lohnen“, sagt Badran. „Ein Auto besteht ja nicht nur aus Zink, Altblei oder Kupfer.“ Die Entsorgung von Autoreifen, Altöl, Bremsflüssigkeit und Frostschutzmittel schmälert den Gewinn. Der Kunststoff sowie Front- und Heckscheibe landen auch gleich auf dem Müll, dafür entstehen der Firma aber keine Extrakosten. Die Airbags müssen sogar gesprengt werden. „Die werden in eine Gitterbox gepackt, mit einer Zwölf-Volt-Batterie unter Strom gesetzt und gehen dann in die Luft“, erklärt Badran.

Hunde bewachen das Gelände

Wie es sich für einen echten Schrottplatz gehört, wird das Gelände nachts von Hunden bewacht. Nach Betriebsschluss werden die beiden Schäferhunde Patty und Max sowie Rottweiler Rocky aus dem Zwinger gelassen, um Diebe fernzuhalten. Gegenüber den Mitarbeitern sind die drei Vierbeiner ziemlich verschmust, bei Eindringlingen sollen sie aber nicht so zutraulich sein. Die Abschreckung scheint zu funktionieren, bisher hat sich noch kein Metalldieb - und davon gibt es einige - auf das Gelände gewagt.

Von Christian Link