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Nord ADFC fordert getrennte Ampelschaltung an Unfallkreuzung
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Brink-Hafen/Vahrenheide: ADFC fordert getrennte Ampelschaltung an Unfallkreuzung

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00:15 12.06.2019
Im April 2018 starb an der Vahrenwalder Straße Ecke Industrieweg ein Junge nach einem Unfall. Quelle: Rainer Dröse/Archiv
Brink-Hafen/Vahrenheide

Eine getrennte Ampelschaltung an der Vahrenwalder Straße/Industrieweg fordert der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). An der Kreuzung starb im April 2018 ein elfjähriges Kind, weil ein rechtsabbiegender Lkw-Fahrer den Jungen auf seinem Fahrrad übersah. Die Stadt Hannover hatte sich Ende 2018 gegen eine Trennung der Grünphasen von Radfahrern und Fußgängern, die geradeaus unterwegs sind, vom rechtsabbiegenden Pkw- und Lkw-Verkehr ausgesprochen. Sie berief sich dabei auf einen selbst beauftragten Gutachter.

ADFC interpretiert Gutachten anders als die Stadt

Der ADFC hat das Gutachten inzwischen genauer geprüft und kommt zu einem ganz anderen Schluss als die Stadt. „Die komplette Trennung des rechtsabbiegenden Verkehrs von den geradeaus fahrenden Radfahrern hätte so gut wie keine Auswirkungen auf die Wartezeiten und wird auch von dem Gutachten als möglich bewertet“, erläutert ADFC-Sprecher Eberhard Röhrig-van der Meer. Das Ingenieurbüro halte die getrennte Ampelschaltung für vereinbar mit dem Verkehrsaufkommen.

Er verweist darauf, dass zahlreiche Lkw aus Richtung Norden von der Vahrenwalder Straße nach rechts in den Industrieweg einbiegen, da die Straße die Hauptroute von der Autobahn zum Gewerbegebiet darstellt. „Die Trennung der Ampelschaltung wäre daher ein unmittelbarer Schutz für Radfahrer, die auf der Vahrenwalder Straße stadteinwärts unterwegs sind“, betont Röhrig-van der Meer. Die Verwaltung setze die falschen Prioritäten. „Der schwere Unfall im vergangenen Jahr hat deutlich gezeigt, dass hier für die Sicherheit der Radfahrer Handlungsbedarf besteht.“ Der ADFC fordert deshalb, die Ampelschaltung an der Kreuzung Vahrenwalder Straße/Industrieweg zu verändern und die rechtsabbiegenden Fahrzeuge aus der allgemeinen Grünphase herauszunehmen.

Die Stadtverwaltung betont auf Nachfrage, das Gutachten bestätige grundsätzlich, dass die Kreuzung den geltenden Richtlinien entspricht und keine Sicherheitsdefizite aufweist. Sie sieht sich auf einer Linie mit dem Gutachter. Neben der Leistungsfähigkeit des Knotenpunkts seien für die Bewertung weitere Kriterien wichtig, vor allem die Einheitlichkeit der Regelungen an der Kreuzung und an der Strecke.

Auch Unfallkommission empfahl getrennte Grünphasen

 Vergangenes Jahr hatte auch die Unfallkommission empfohlen, eine eigene Grünphase für Fußgänger und Radler einzuführen. Die Stadt richtete jedoch, wie ebenfalls von der Kommission vorgeschlagen, nahezu an allen Kreuzungen der Vahrenwalder Straße rote Fahrradfurten ein. Die Verwaltung betonte damals aber, die Umgestaltung sei „unabhängig vom Unfall“ erfolgt.

Auch der Bezirksrat Nord votierte für getrennte Ampelphasen. An den Oberbürgermeister ging eine Unterschriftenliste mit der gleichen Forderung. Mit einer Petition im Internet sammelten außerdem zwei Hannoveraner 2722 Unterschriften von Bürgern ein, die den Stadtrat zu einer Änderung der Ampelschaltung aufforderten. Die beiden Männer überreichten die Petition vor Kurzem an Bürgermeisterin Regine Kramarek, die das Anliegen an den Rat übermitteln soll.

Kommentar: Mut zum Versuch

Wenn ein Kind bei einem Verkehrsunfall stirbt, ist das schrecklich. Wohl jedem geht so etwas besonders nahe. Die Betroffenheit ist größer, weil ein Leben so früh endet, und die Forderungen nach einer Veränderung der Straßensituation werden umso dringlicher erhoben. Dennoch ist nichts falsch an diesen Forderungen. An der Vahrenwalder Straße ist vor einem Jahr etwas passiert, was tatsächlich häufig vorkommt. Nicht unbedingt an dieser Stelle, aber an sehr vielen Kreuzungen in vielen Städten. Ein Fahrer eines Autos oder Lkw biegt rechts ab und übersieht einen Radfahrer. Mehr Technik und weitere Spiegel an Lastkraftwagen sollen helfen.

Doch Spiegel allein sind keine Versicherung gegen Unfälle, zu unübersichtlich ist oft dennoch die Situation beim Abbiegen. Vor unkonzentrierten und eiligen Fahrern schützen Spiegel erst recht nicht. Die meisten Fahrer, die Radlern die Vorfahrt nehmen, sitzen sowieso im Pkw. Bis elektronische Abbiegeassistenten eines Tages für alle Lkw in der Europäischen Union verbindlich vorgeschrieben sind, wird allerdings noch viel Zeit vergehen. Deshalb stellt sich die Frage, ob die Stadtverwaltung nicht doch andere Mittel finden kann, um Radfahrer und Fußgänger besser zu schützen. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club steht nicht allein mit seiner Forderung, die Grünphasen für Rechtsabbieger und Radfahrer zu trennen. Gerade an Stellen in der Stadt mit viel Lastwagenverkehr wäre es einen Versuch wert.

Von Bärbel Hilbig

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