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Nord Bunker am Herrenhäuser Markt kommt weg
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Bunker am Herrenhäuser Markt kommt weg
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12:00 03.07.2014
In die Jahre gekommen: Am Bunker in der Herrenhäuser Straße zeigt ein Plakat bereits die Zukunft. Quelle: Moers
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Hannover

Sogar einen Atomkrieg hätte man in dem Betonkoloss am Herrenhäuser Markt wohl zeitweise überleben können. Jetzt wird Hannovers größte ehemalige Zivilschutzanlage abgerissen. Im Oktober startet der Abbruch. Um dann die Nerven der Anwohner und die Statik der umliegenden Gebäude am Markt nicht übermäßig zu strapazieren, sollen die Bauarbeiten so schonend wie möglich ablaufen. Damit das klappt, kommen Diamanten zum Einsatz.

Vertreter der Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH) stellten die Abrisspläne jetzt dem Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken vor. Sechs bis acht Monate wird die Demontage dauern. Vor allem im ersten Monat wird es dabei laut am Marktplatz. „Das wollen wir nicht schönreden“, sagt Michael Jedamski. Der Vorstandsvorsitzende der WGH zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass sich die Belastungen für die Anwohner in Grenzen halten. Der Abriss geschieht in vier Etappen. Zuerst wird das zweieinhalb Meter dicke Dach entfernt. Danach finden einige Lockerungssprengungen statt, die Beton und Stahlträger trennen. Anschließend wird es ruhiger. Diamantenbesetzte Seilsägen schneiden dann jeweils 30 Tonnen schwere Stücke aus dem Hochbunker. Die werden von Tiefladern direkt abtransportiert. Um Lärm zu vermeiden, findet die Zerkleinerung der Teile erst auf einem Bauhof in Lehrte statt. Mit der Diamanten-Seilsägetechnik habe man sich nach reiflicher Überlegung für das teuerste Verfahren entschieden, sagt Jedamski. Im Vergleich zu anderen Methoden wie Sprengung sei das Verfahren effektiver und schonender. Lediglich „ein permanentes Summen“ sei während der Sägearbeiten zu hören, erklärt der WGH-Chef. Gegen Ende der Bauarbeiten wird es dann noch einmal laut. Der Abbruch der Sohle wird außerdem erhebliche Erschütterungen verursachen.

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In der Bezirksratsitzung versicherten die WGH-Vertreter mehrfach, dass alles getan werde, um die Belastungen der Anwohner gering zu halten. Für die Dauer der Bauarbeiten wird in dem ehemaligen Ladengeschäft von „Optik Winzer“ an der Ecke Herrenhäuser Straße/Münterstraße ein Infocenter eingerichtet. Dort bekommen Bürger alle Fragen rund um die Großbaustelle beantwortet. Ein Ansprechpartner der WGH wird auch auf Beschwerden reagieren, wenn es etwa zu laut wird. Während der Abbrucharbeiten messen Sensoren permanent den Schallpegel und die Erschütterungen um den Bunker. Ein Gutachter der Region überwacht die Einhaltung der zulässigen Grenzwerte.

Das Ärztehaus an der Herrenhäuser Straße 76 wird für diese Zeit entmietet. Ein anliegender Bäcker zieht in einen Container um. Auf der Herrenhäuser Straße kommt es vermutlich zu kurzzeitigen Teilsperrungen. Für die Dauer der Bauarbeiten wird die Verkehrsader teilweise zur Einbahnstraße. Abgerissen wird nur unterhalb der Woche zwischen 7 und 17 Uhr. An Wochenenden ruht der Abbruch. WGH-Chef Jedamski bat vor allem die Anwohner um Verständnis.„Wir sind auf gutem Weg, diesen Schandfleck zu beseitigen.“

Der Weltkriegsbunker ist die größte Zivilschutzanlage in Hannover. In den sechziger Jahren wurde die Anlage im Rahmen eines Instandsetzungsprogramms des Bundes zu einem Atomschutzbunker ausgebaut. 2700 Personen sollten dort nach den Planungen des Zivilschutzes zwei Wochen lang überleben können. Nach dem Ende der Bedrohung durch den Kalten Krieg wurde die Anlage außer Betrieb gestellt und geräumt. Im Zuge der Neugestaltung des Herrenhäuser Marktes verpflichtete sich die WGH gegenüber der Stadt zum Abriss. 1,5 Millionen Euro werden von der WGH dafür veranschlagt. Ab Sommer 2015 soll an der Stelle ein vier- bis fünfstöckiges Gebäude entstehen, das voraussichtlich 2017 bezugsfertig ist. Im Verbund mit den bereits 2013 fertiggestellten Gebäuden des „Forums“ bildet der Neubau dann Herrenhausens „Neue Mitte“. In dem Haus entstehen bis zu 25 Wohnungen. In das Erdgeschoss sollen Einzelhandel und Gastronomie einziehen.

Abschied mit Fest: Im September veranstaltet die WGH eine „Bunkerabrissparty“. Ein Infoblatt und die Internetseite der WGH informieren ab September regelmäßig über den Fortschritt der Bauarbeiten.

Mario Moers

Historie

Erinnerung an die Geschichte

Mahnmal geplant: Für viele Herrenhäuser ist der Bunker ein Schandfleck. Mit dem Abriss des größten Weltkriegsbunkers der Stadt verschwindet allerdings auch ein imposantes Mahnmal. Im neuen „Forum Herrenhausen“ soll deshalb ein kleines Mahnmal an die Geschichte des Ortes erinnern. Außerdem kündigte die WGH an, dass es kleine Betonscheiben zu kaufen geben wird. Sie werden während der Abrissarbeiten aus den Wänden geschnitten, der Erlös soll einem guten Zweck dienen.

Projekt in Ricklingen: Um auch in Zukunft an die Geschichte des Zivilschutzes in Hannover zu erinnern, entwickeln Hobby-Historiker des Vereins „Vorbei e.V.“ seit zwei Jahren einen Bunker in Ricklingen zu einem Zivilschutz-Museum. Der Bunker Wallensteinstraße ist vom gleichen Typ wie die Anlage in Herrenhausen. Allerdings ist er noch fast vollständig im Originalzustand der sechziger Jahre. Sogar alte Lagerbestände findet man dort. Auch die technischen Anlagen sind weitgehend funktionsfähig. Nach Anmeldung kann die riesige Zeitkapsel in kleinen Gruppen besichtigt werden. Weitere Informationen gibt es im Internet.

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