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Nord Moa Theater: „Alles, was wir gerne tun, ist unmoralisch“
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Moa Theater: „Alles, was wir gerne tun, ist unmoralisch“
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16:17 07.09.2018
Warten in der Todeszelle: Häftling Alec Motil (Marcel Przybylski) im „Jailhouse Blues“. Quelle: Nele Schröder
List/Linden

Auf der kleinen Bühne des Theaters in der List herrscht Chaos: Eine Leiche liegt im Wohnzimmer, ständig klingelt das Telefon, und was die Charaktere wollen, ist uneindeutig. Diese Ausschnitte stammen aus einem der beiden neuen Stücke, die die Theatergruppe Moa Theater in diesem Jahr zum Besten gibt. „Der wahre Inspektor Hound“ und „Jailhouse Blues“ heißen sie, beide sind schwarzhumorige, satirische, teils regelrecht böse Stücke. Das Publikum ist begeistert. „Wir haben uns dieses Jahr entschieden, nicht ein langes, sondern zwei kürzere Stücke aufzuführen“, sagen Nicolai Saris und Rüdiger Jantzen, die Regisseure von „Der wahre Inspektor Hound“, am Anfang des Stücks. Das Ergebnis sind die beiden Stücke, beide mit unterschiedlicher Besetzung.

Saris und Jantzen gehen kurz auf die Schauspieler ein: „Wir sind ein Laientheater, und wir bekennen uns dazu, nicht fachkundig zu sein.“ Dennoch wirkt das Moa Theater wie viel mehr als „nur“ ein Laientheater.

Das Moa Theater präsentiert zwei neue Stücke: „Der wahre Inspektor Hound“ und „Jailhouse Blues“ werden im Theater in der List, im Theater am Küchengarten, beim Platz Projekt sowie im Atelier Block 16 aufgeführt.

Die Parodie einer klassischen Kriminalgeschiche

„Der wahre Inspektor Hound“ von Tom Stoppard ist eine Parodie auf den klassischen englischen Kriminalroman und auf die Theaterkritik. Für das Kammerspiel finden zwei Stücke gleichzeitig statt: eins auf der Bühne, das den Krimi darstellt, und eins direkt daneben, in dem zwei Theaterkritiker den Krimi anschauen. Dabei wird niemand verschont. Der Krimi beginnt mit einer Exposition am Telefon. „Wer ruft denn an, an diesem leicht nebeligen Morgen?“, ruft die Bedienstete der Adligenfamilie Muldoon in den Hörer. Während sich auf der Bühne der Krimi abspielt, sitzen neben der Bühne die beiden Kritiker Moon und Birdboot, die mit ihrem eigenen Leben mehr beschäftigt sind als mit der Auflösung des Falls.

Auch die Regisseure sind Teil des Stücks und rufen den Schauspielern im Krimi Anweisungen zu: „Simon geht auf und ab. Er ist jetzt überoffensichtlich nervös!“ Tim Julian Wilhelmi, der die Rolle des Simon Gascoyne spielt, seufzt und schaut die Regisseure vorwurfsvoll an. Dann beginnt er, auf und ab zu laufen, und wischt sich mit seinem Ärmel über die Stirn – offensichtlich nervös. Die Aufführung des wahren Inspektor Hound ist eine gelungene Satire, in der Realität und Theater miteinander verschmelzen.

Anders geht es zu bei „Jailhouse Blues“ von Jörg Graser (Regie: Stephan Holtz). Auch dabei handelt es sich um ein Kammerspiel. Schauplatz: der Zellenblock des Kleinkriminellen Alec Motil. Dieser hat noch knapp zwei Stunden zu leben, bevor er auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet werden soll. Was sich nach nicht viel Handlung anhört, überrascht jedoch mit Tiefsinn. Denn die überspitzten Charaktere im Stück haben alle noch das ein oder andere zu erledigen. Sei es der Gefängsniswärter, der es auf die Henkersmahlzeit abgesehen hat. Oder die trinkende Pflichtverteidigerin, die sich in den Kopf gesetzt hat, Motil das Recht an seiner eigenen Geschichte abzukaufen. Das alles, während Motil auf seine Unschuld besteht. „Ich bin genauso unschuldig wie Ihre Mundharmonika“, sagt er zum Wärter.

Ein sympatischer Verlierer in der Todeszelle

Das Ergebnis dieser chaotischen Voraussetzungen ist ein Stück, das schwarzhumorig über das amerikanische Gesetz herzieht. Teils sind die Witze geschickt gesetzt, sodass das Publikum herzlich darüber lachen kann. Achtet man jedoch auf den Timer im Hintergrund, der langsam gen null tickt, bleibt das Lachen schnell aus. „Jailhouse Blues“ ist ein Stück, das einen zum Nachdenken anregt. Dabei überzeugt besonders Marcel Przybylski, der den Häftling Alec Motil als sympathischen Verlierer darstellt, der den größten Teil seines Lebens zur falschen Zeit am falschen Ort war.

Beide Stücke haben in all ihrer Unterschiedlichkeit jedoch eines gemeinsam: Sie laden Zuschauer ein, für zwei Stunden der Realität zu entfliehen und sich dem gewollten Chaos hinzugeben. Die Stücke überzeugen. Sei es durch ein minimalistisch wirkendes Bühnenbild, das doch mehr Details beinhaltet als gedacht – oder durch gekonntes Overacting. Das Moa Theater besteht aus einer Gruppe kreativer Menschen, die offensichtlich Spaß an dem haben, was sie tun.

Weitere Aufführungen

Beide Stücke laufen im September. „Der wahre Inspektor Hound“ wird am 8. und 9. September auf dem Platzprojekt Open Space in der Fössestraße Linden gespielt und die letzte Aufführung von „Jailhouse Blues“ findet am 7. September im Atelier Block 16 statt. Tickets gibt es vor Ort und unter www.moatheater.de

Von Nele Schröder

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