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Nord Ein Straßenzug ist abgehängt
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Ein Straßenzug ist abgehängt
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06:15 27.10.2012
Von Christian Link
Kein Ort zum Bummeln: Rund um die Stadtbahnhaltestelle An der Strangriede gibt es kaum noch Laufkundschaft. Quelle: Dimi Anastassakis
Nordstadt

Wer an der Stadtbahnhaltestelle An der Strangriede in der Nordstadt aussteigt, kommt eher nicht zum Bummeln hierher. Im nördlichen Teil des Engelbosteler Damms gibt es fast nur noch Kioske, Dönerbuden und Spielkasinos - die meisten Einzelhändler haben ihre Läden schon vor vielen Jahren aufgegeben. Und die, die noch verblieben sind, wagen auf Laufkundschaft kaum zu hoffen.

Martin Peter etwa betreibt sein „Elektrohaus“ seit 1992 am E-Damm nahe der Bodestraße. Früher verdiente er sein Geld damit, dass er dort Lampen verkaufte. Mittlerweile nutzt er die 80 Quadratmeter seines Ladens vor allem als Büro für seinen Handwerksbetrieb. Statt Leuchtern verkauft er nur noch einzelne Batterien oder Glühbirnen. „Wir leben nur noch davon, dass wir Elektroinstallationen machen“, sagt er.

Mangels Laufkundschaft arbeitet er nur selten für Privatpersonen. Stattdessen ist er für den öffentlichen Dienst, Veranstaltungen und die Straßenbeleuchtung im Einsatz. Auf die Frage, wann der Niedergang des nördlichen E-Damms begonnen habe, gibt Martin eine klare Antwort: „Seitdem der Hochbahnsteig gebaut wurde, ist es hier bergab gegangen.“ Mit dem Baubeginn 1998 habe auch der Verfall des Straßenzugs begonnen. Der Bereich sei abgehängt worden, weil er für Autos nicht mehr passierbar ist. Außerdem seien alteingesessene Läden verdrängt worden. Deutlich werde der Niedergang auch bei den Grundstückswerten. Damals sei sein Haus auf 600.000 Euro geschätzt worden, jetzt sei es nur noch 400.000 Euro wert. „Wenn mir morgen einer ein vernünftiges Angebot macht, bin ich hier weg“, sagt der 63-Jährige.

Davon geht Martin aber nicht aus. Darum setzt er sich dafür ein, den Straßenzug wieder „aufzupeppen“, wie er sagt. Er ist seit Anfang des Jahres Mitglied eines Stadtteildialogs mit dem nördlichen Teil des E-Damms. Die Runde besteht aus Anwohnern, Geschäftsleuten, Eigentümern sowie Mitgliedern von Bezirksrat und Stadtverwaltung. Ins Leben gerufen haben die Runde die Stadtplanerin Edda Raabe und der Stadtbezirksmanager Andreas Gebert, nachdem ein solches Projekt 2011 für den südlichen Teil des E-Damms durchgeführt wurde.

„Es ist eine einseitige Anhäufung von Kasinos, Sportcafés und Internettelefonie entstanden“, sagt Gebert. Zusammen mit der Dialogrunde möchte er den Gewerbemix und die Sauberkeit verbessern. Erste Ergebnisse und eine Kurzstudie zum Thema Sauberkeit auf dem nördlichen E-Damm will er in der Sitzung des Stadtbezirks Nord am 26. November präsentieren. Bis dahin wird sich die bis zu 30 Teilnehmer starke Runde vier Mal getroffen haben. Details aus der Kurzstudie wollte Gebert aber noch nicht nennen.

Neben der Sauberkeit beschäftigt die Teilnehmer der Stadtteilrunde aber auch das Thema Sicherheit. „Als Kind konnte ich nach 19 Uhr noch raus, jetzt als erwachsene Frau habe ich Angst“, sagt Aksu Senay, die in der Nordstadt ihre Kindheit verbrachte, aber vor zehn Jahren nach Ronnenberg gezogen ist. Ihre beiden Kinder wollte sie in der Nordstadt nicht aufziehen.

Aus beruflichen Gründen kehrte die 31-Jährige vor einigen Jahren in ihr altes Viertel zurück und leitet nun die Filiale der Bäckerei Bernhardt an der Ecke Engelbosteler Damm / Am Kläperberg. Als Geschäftsfrau nimmt sie nun ebenfalls am Stadtteildialog teil, denn am E-Damm ist nicht alles schlecht. „Uns macht unsere Arbeit Spaß und die Eröffnung des Ladens hat sich gelohnt“, sagt sie. In der Bäckerei habe es noch nie Ärger gegeben.

Den gibt es nach Aussagen von Anwohnern allerdings immer wieder draußen auf dem Engelbosteler Damm. „Der Frauenhandel und der Drogenverkauf finden auf der offenen Straße statt“, sagt eine Anwohnerin. Sie habe schon mehrere illegale Handel beobachten können und entsprechende Handygespräche auf der Straße mitgehört. Ihren Namen will sie aus Angst vor Racheaktionen nicht in der Zeitung lesen. Von Bandenkriminalität und Prostitution berichten im vertraulichen Gespräch auch andere Nordstädter. Die Polizei kann allerdings keine besonders hohe Kriminalitätsrate feststellen. „Es liegt kein Brennpunkt vor“, sagt Polizeisprecherin Jacobe Heers. Bordellbetriebe seien den Beamten dort nicht bekannt und die Glücksspielstätten würden „immer mal wieder kontrolliert“ - bisher ohne Ergebnis. Weil die Polizei dort keine überdurchschnittliche hohe Kriminalität festgestellt hat, ist sie auch nicht besonders präsent. „Das ist kein Bereich, der schwerpunktmäßig kontrolliert wird“, sagt Heers. Die Anwohner würden sich das jedoch wünschen. „Die Polizei kommt hier nur auf dem Heimweg vorbei“, bemängelt dann auch einer der Anwohner.

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