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Nord Wo die weißen Kühe wohnen
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Wo die weißen Kühe wohnen
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14:03 10.06.2015
Martina Dahms (dritte v. re.) berichtet über die Geschichte der „Lehmaue“. Quelle: Benjamin Behrens
Hannover

In einiger Entfernung sind ein paar Schornsteine zu sehen, und ganz schwach dringt Straßenlärm hinter den dichten Baumreihen hervor. Wenn das nicht wäre, ließe sich glatt vergessen, dass man in der Stadt ist. An der Stelle, wo sich Westschnellweg und Stöckener Straße kreuzen, liegt die Einmündung in die Stöckener Leinemasch. Landwirt Heiko Kauke und weitere Umweltexperten führen von hier rund 20 Spaziergänger durch die Auenlandschaft.

Normalerweise hat niemand etwas abseits der Radwege auf den eingezäunten Wiesen zu suchen - aus gutem Grund. „Die Kühe haben einen relativ stark ausgeprägten Schutzinstinkt“, erklärt Kauke. Vor einer Weile liefen zwei nicht angeleinte Hunde auf die Weide und jagten um seine Kühe herum. Die ließen sich das nicht gefallen. Ein gebrochenes Hundebein war die Folge. Leider habe er auch immer wieder Menschen auf den 20 Hektar großen Weiden, berichtet der Bauer - trotz Stacheldrahtzaun. Mitunter zelteten die ungebetenen Besucher sogar. Kaukes Mutterkuhherde aus 30 Kühen, zwei Bullen und 24 Kälbern verbringt fast das ganze Jahr auf den Wiesen entlang der Leine, nur im Winter halten sie sich im Stall auf. Kälte und Schnee sind jedoch nicht der Grund. „Den Tieren würde es nichts ausmachen, draußen zu bleiben. Doch das geht hier im Überschwemmungsgebiet leider nicht“, erläutert der Landwirt. Zu viel Sonne sei eher ein Problem für Kühe, besonders bei einer Rasse, wie Kauke sie hält. „Diese hellen Tiere bekommen leicht Sonnenbrand, wie die Blonden unter uns auch.“ Charakteristisch für die aus Frankreich stammenden Charolais-Rinder ist ihr weißes bis cremefarbenes Fell und auch, dass sie schnell viel Fleisch ansetzen.

„Andere Rassen sind vielleicht qualitativ hochwertiger. Aber wir müssen einfach mit den Tieren Geld verdienen“, betont der Landwirt. Mastbetriebe kaufen die Jungtiere gern, weil die Kälber gut zulegen. Die Masse der Verbraucher frage eben billiges Rindfleisch nach und vor allem Steak, erklärt Kauke. „Das ist im Laufe der Jahre schlimmer geworden, aus meiner Generation kann ja kaum jemand Fleisch zubereiten, wenn es nicht schon fertig eingelegt ist“, sagt der 38-Jährige. „Doch jeder Verbraucher hat selbst in der Hand, was erzeugt wird.“

Neben dem regelmäßig auftretenden Hochwasser beschäftigen auch der zunehmend das Gras verdrängende Löwenzahn und das sich ausbreitende giftige Jakobskreuzkraut den Landwirt. Trotzdem könnte er sich weder einen anderen Beruf noch eine andere Weide für sein Vieh vorstellen. „Ich bin sehr froh, dass ich hier wirtschaften darf.“

Martina Dahms vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün freut sich, dass Landwirte wie Heiko Kauke diesen besonderen Lebensraum nutzen. „Das ganze Gebiet ist von Grünland geprägt, daher ist es so wichtig, dass Landwirte es pflegen“, sagt Dahms. Ohne die Kühe, die die Wiesen düngen und abgrasen, würde die Landschaft schnell dicht bewaldet sein. 300 Hektar Fläche im Besitz der Stadt Hannover werden so gepflegt, in Stöcken und auch zwischen Misburg und Anderten.

Die spezielle Naturdynamik der Stöckener Leineaue weist viele Besonderheiten auf. Fachfrau Martina Dahms erläutert die Entstehungsgeschichte dieser „Lehmaue“. Im Mittelalter wurden für den Bergbau im Harz viele Bäume zur Gewinnung von Grubenholz gefällt. So konnte der lehmhaltige Boden abgespült werden, über die Leine gelangte er nach Stöcken. Hier stellten die Menschen aus dem Lehm Ziegel her. „Alles, was sie hier an Landschaftsstrukturen sehen, beruht auf dem Tonabbau.“

Lehm wird schon längst nicht mehr gewonnen, heute ist die Leineaue in erster Linie Lebensraum für Nutztiere und auch Kaninchen, Störche, viele weitere Vogelarten sowie Biber. Diese tragen auf ihre Art zum Bestehen der Leineaue bei. „Der Biber staut Wasser auf der Fläche, er unterstützt die Wirkung der Auen, die wir in dieser Landschaft haben wollen - gut, dass er hier ist“, erklärt Tonja Mannstedt vom Naturschutzbund Laatzen. Die Spaziergänger bekommen die eifrigen, scheuen Nager selten selbst zu sehen, ihre Spuren schon. Mehrere gefällte Bäume liegen in Ufernähe, mit den typischen spitz abgenagten Enden, und immer wieder sind tief ins Wasser hängende Zweige von der Rinde befreit.

Rund zwei Stunden ist die Gruppe durchs Weideland gestapft. Annegret Pfeiffer vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün ist froh über das rege Interesse. „Es braucht bewusste Verbraucher, die diese Kulturlandschaft mit erhalten“, sagt Pfeiffer. Spaziergängerin Heike ist begeistert. Dass mitten in der Stadt Landwirtschaft betrieben wird, war absolutes Neuland für sie.

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