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Nord Eine Werft mitten im Wohngebiet von Hannover
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Eine Werft mitten im Wohngebiet von Hannover
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20:17 23.02.2011
Von Juliane Kaune
Sven Trost (links) und Jochen Lohmann werkeln an dem Segelboot: Über 200 Arbeitsstunden werden sie insgesamt investieren, um das Schiff für die neue Saison fit zu machen. Quelle: Kris Finn

Maritimes Flair hat die Nordstadt nun wirklich nicht vorzuweisen. Selbst der Maschsee ist ein ganzes Stück entfernt. Doch das stört Sven Trost und seine Kollegen nicht. Während auf dem Engelbosteler Damm die Autofahrer Gas geben, widmen sich die drei Männer ganz ihren Segelbooten. Zwar gehören die gut sieben Meter langen Prachtstücke nicht ihnen, doch sie behandeln die Boote so behutsam, als wären sie ihr Eigentum. Fachkundig schleifen sie den alten Lack ab, bringen eine neue Grundierung auf und suchen nach schadhaften Stellen. Dass die Werkhalle, die zu einer kleinen Werft umfunktioniert wurde, mitten in der Nordstadt steht, ist nicht die einzige Besonderheit: Trost und seine Kollegen arbeiten in den Behindertenwerkstätten der Caritas.

Im dritten Jahr gibt es die Bootsreparatur an der Straße Vordere Schöneworth, die vom Engelbosteler Damm abzweigt. Mit dem vierköpfigen Team ist der Betrieb die kleinste Einrichtung innerhalb der Caritas-Werkstätten Hannover (Niels-Stensen-Haus), in denen rund 500 behinderte Menschen in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig sind – von der Buchbinderei über Großwäscherei und Näherei bis zur Garten- und Landschaftspflege. In der Miniwerft werden vornehmlich Segelboote, die ihre Besitzer auf dem Steinhuder Meer zu Wasser lassen, auf Vordermann gebracht. Und die Auftragsbücher sind voll: „Bis zum Beginn der Saison Ende April sind wir praktisch ausgebucht“, sagt Jochen Lohmann. Den Stolz darüber kann er nicht verhehlen.

Der Malermeister mit sonderpädagogischer Ausbildung leitet die Werft, die auf seine Idee zurückgeht. Denn Lohmann, seit 25 Jahren im Dienst der Caritas, ist auch leidenschaftlicher Segler. Als er von einem Gleichgesinnten gefragt wurde, ob im Malereibetrieb der Behindertenwerkstätten nicht auch mal ein Boot ausgebessert werden könnte, sagte er zu. Weil das so gut klappte, sollte es nicht bei einem Mal bleiben. Er hörte sich um, besuchte diverse Werften und Bootsmessen und ließ die Caritas-Werkhalle schließlich so ausstaffieren, dass dort vier Segelboote mit Maßen bis zu neun Metern Länge und 2,60 Metern Breite gleichzeitig in Angriff genommen werden können. Zum Service zählen alle Reinigungs-, Lackier- und Reparaturarbeiten an Rumpf und Deck; die Technik im Bootsinneren gehört nicht dazu.

Eine vergleichbare Einrichtung gebe es im ganzen Stadtgebiet von Hannover nicht, sagt Lohmann: „Wir sind in eine Marktlücke vorgestoßen.“ Die nächstgelegenen Werften sind in Seelze, Mardorf und Steinhude. Dass die Bootseigner trotzdem bis in die Nordstadt fahren und sogar aus Celle, Alfeld oder Wolfenbüttel kommen, liege zum einen daran, dass die etablierten Werften gerade vor Saisonbeginn chronisch ausgelastet seien. „Außerdem bieten wir sehr gute Qualität zu vergleichsweise günstigen Preisen – und wir haben eine beheizte Werkhalle, das mögen die Boote“, sagt Lohmann, der auch selbst die wohligen Temperaturen mag und im weiß-blau geringelten T-Shirt auf seine Weise zu dem maritimen Ambiente beiträgt.

Unter seiner Anleitung bearbeitet Sven Trost mit den Kollegen Axel Krüger und Hans Gawenat ein siebeneinhalb Meter langes Holzboot. „Man braucht viel Geduld dafür, aber es macht auch viel Spaß“, sagt der 31-jährige Trost, während er vorsichtig das Schleifgerät ansetzt. Eine Woche sind die drei schon zu Gange, weitere zwei Wochen wird es dauern, bis alle zehn Anstriche aufgetragen sind – die Trockenzeiten eingerechnet. „Jeden Tag fangen wir schon um acht Uhr an“, berichtet Trost. Um die 200 Arbeitsstunden werden am Ende in dem Exemplar stecken, das laut Lohmann zur „Formel 1“ der Segelboote gehört. Eigentümer, sagt er, sei ein Professor aus Hannover. Anwälte oder hohe Verwaltungsbeamte gehören ebenfalls zu den Kunden der Caritas-Werft. Das macht ihn stolz. „Es zeigt, dass die Leute uns vertrauen.“

Und er vertraut seinem Team. „Meine Mitarbeiter leisten ganz Besonderes“, lobt Lohmann, der sie regelmäßig zu Bootsmessen oder Yachthafentouren mitnimmt – ob in Bremen, Berlin, Rostock oder Düsseldorf. Er weiß schon jetzt, dass ihm etwas fehlen wird, wenn er bald in Rente geht und ein Nachfolger die kleine Werft übernimmt. Doch bevor es so weit ist, will er noch einmal ein immer wieder aufgeschobenen Projekt in die Tat umsetzen – mit seiner kleinen Belegschaft auf dem eigenen Boot über das Steinhuder Meer segeln.

Die Caritas-Werft in der Vordere Schöneworth/Ecke Engelbosteler Damm ist unter Telefon 0511-70820 erreichbar, Informationen gibt es auch im Internet unter www.c-w-hannover.de.

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