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Nord Mehr als ein T-Shirt
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Mehr als ein T-Shirt
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13:29 22.03.2015
Von Susanna Bauch
An der Fachhochschule für Mode und Design ist Eric Wodegnal der jüngste Student. Foto: Krajinovic
Hannover

An der Fachhochschule für Mode und Design ist er der Jüngste. Mit 16 Jahren ausgezogen gen Großstadt, mit eigener Wohnung und eigenen Ideen - das hat in seiner Familie noch niemand vollbracht. Und als T-Shirt-Designer mit eigenem Label gehört er zu den Küken der Branche. „Ich habe aber wirklich keine Lust, auf mein Alter reduziert zu werden“, sagt Eric Wodegnal selbstbewusst. Inzwischen ist er 17 Jahre alt und hat ein Semester Pause im Studium eingelegt, um mehr Raum für neue, kreative Ideen zu haben.

Eric trinkt gerne Kaffee, viel Kaffee, und er mag Äpfel. Mit seinen Eltern hat er in Salzgitter gelebt, bevor er - ziemlich spontan - nach Hannover in die Nordstadt zog. „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, und im Moment läuft es“, sagt Eric und strahlt. Der junge Mann redet viel, er redet schnell, schließlich hat er noch viel vor. Das Label, das ihn derzeit vor allem in der Rap-Szene um Caspar, Sierra Kidd oder Erdeka bekannt gemacht hat, basiert auf einem T-Shirt. „MTATS - more than a T-Shirt“ ist sein Markenzeichen.

Auch darauf hat er nicht hingearbeitet, war gar nicht so sehr an Mode interessiert. „Ich wollte ein schwarzes T-Shirt kaufen mit weißer Brusttasche und habe es nirgends gefunden.“ Da hat er sich überlegt, es einfach selber zu machen. „Kein großer Akt“, winkt der schlanke Teenager ab. Das fertige Shirt hat er dann im Netz gepostet und fand schnell eine Fangemeinde, die das Teil bestellte. Gewissermaßen aus dem Bauch heraus hat er weitere Motive kreiert, einen Spruch gegen Homophobie etwa. „Die Leute haben geordert wie verrückt.“ Viele Motive sind persönlich, eine Rose mit Strick ist in der Zeit entstanden, als seine Freundin sich von ihm gelöst hat.

Nun ist es so, dass Eric Wodegnal, der aus Russland stammt, keinen professionellen Vertrieb für seine Shirts hat. „Verpacken und Verschicken ist dann so eine zehnstündige Freunde-Aktion“, sagt der 17-Jährige. Man treffe sich in der Nordstadt und beginne gemeinsam Kartons zu falten, mit Konfetti zu versehen und die Kleidungsstücke darin zu versenken. Adressen werden per Hand geschrieben, und in jedem bestellten Karton liegt ein Zettel mit dem Vermerk „Danke für dein Geld“. Dafür warten die jungen Kunden dann gerne auch mal zwei bis drei Wochen auf das begehrte Stück, in Zeiten des blühenden Versandhandels normalerweise eine Zumutung.

Seit einiger Zeit entwirft Designer Eric auch T-Shirt-Drucke für Rapper Sierra Kidd, der mittlerweile sein Freund ist. „Wir sind beide jung und haben ein bisschen Erfolg, das passt doch.“ Ein wenig wirkt es, als habe der Modemacher schon einiges an Erfahrung hinter sich, trotz seines jugendlichen Alters. „Ich habe ein halbes Jahr keinen Alkohol getrunken, ernähre mich sehr gesund und jogge.“ Seine eigenen T-Shirts trägt er übrigens nicht selber. „Ich gestalte sie ja nur, nehme als Basic übliche Handelsware. Und die gibt es selten in meiner Größe“, sagt Wodegnal, der es gewohnt ist, sich bei jedem Gang durch eine Tür zu bücken.

Plattformen wie Twitter und Facebook haben ihm den Erfolg erleichtert, jetzt sitzt Eric bereits an seiner dritten Kollektion. „Die Nachfrage ist ziemlich groß, nicht nur bei Teenies. An meinem Stand, den ich in Berlin bei einem Konzert aufgebaut hatte, kamen auch viele Familienväter vorbei, die ein Shirt wollten.“ Eric ist selbstbewusst, hat die Bodenhaftung aber offensichtlich noch nicht verloren. „Obwohl aus der Einzimmerwohnung mal eine Zweizimmerwohnung werden könnte, allein schon wegen der Versandarien“, sagt der schlaksige Jungunternehmer.

Er sei schnell erwachsen geworden, meint Wodegnal, aber manchmal könne man sich das halt nicht aussuchen. Bald wird er 18, volljährig. „Ich bin sicher, dass da nichts anders wird.“ Abgesehen davon, dass er den nächsten Mietvertrag selber unterschreiben kann. Und nicht mehr überall der Jüngste ist.

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