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Nord Explosion in der Leibniz-Uni
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Explosion in der Leibniz-Uni
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22:57 21.05.2012
Von Vivien-Marie Drews
Foto: Die Feuerwehr kam in Schutzmontur, um das Gebäude zu reinigen.
Die Feuerwehr kam in Schutzmontur, um das Gebäude zu reinigen. Quelle: Dröse
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Nordstadt

Die Feuerwehr ist am Montag zu einem Großeinsatz auf dem Gelände der Leibniz Universität ausgerückt. Der Grund war eine Explosion im Institut für Technische Chemie in der Callinstraße. Während eines Experiments, das ein Professor mit seinen Studenten durchführte, war ein Kolben zerborsten, aus dem eine giftige Chemikalie austrat, die sich im Raum verteilte. Die betroffenen Personen wurden zunächst im Klinikum Nordstadt versorgt und dann zur Beobachtung in andere Krankenhäuser überwiesen.

Mit ihrem Professor hatten die Studenten gegen 15 Uhr mit dem Stoff Oxalyl Fluorid hantiert. Dabei reichte nach Angaben der Feuerwehr vermutlich die Kühlung in dem für Experimente abgetrennten Bereich des Labors nicht aus. Einer der beiden Kolben zersprang, die gefährliche Chemikalie trat aus. „In Verbindung mit der Luftfeuchtigkeit kam es zur Bildung von Flusssäure“, sagt Feuerwehrsprecher Andreas Hamann. Dieser Stoff ist hochgradig ätzend. Im flüssigen Zustand führe die Säure bei der kleinsten Berührung zu schlimmsten Verletzungen: „Sie gilt als der reinste Knochenfresser – Gliedmaßen, die damit in Berührung kommen, sind häufig nicht mehr zu retten.“ In dem Laborraum verteilte sich der Stoff allerdings in der gasförmigen Variante – in dem Fall kann er schwere Verletzungen an den Atemwegen herbeiführen.

Die sechs Anwesenden konnten den Raum umgehend selbständig verlassen und sich in Sicherheit bringen. Sie begaben sich noch vor Eintreffen der Rettungskräfte ins Klinikum Nordstadt. Dort stellten die Ärzte keine Verletzungen fest, entschieden aber, die Betroffenen sicherheitshalber in andere Kliniken zu überweisen. Erst 24 Stunden nach dem Vorfall könne sicher gesagt werden, ob sie den Unfall im Chemiesaal unbeschadet überstanden haben, sagt Hamann.

Die Feuerwehr rückte in Schutzmontur an, um den Lehrsaal lüften und reinigen zu können. Zuvor wurden etwa 15 Personen aufgefordert, das Gebäude zu verlassen, die Polizei sperrte den Bereich weiträumig ab. „In dem Labor haben wir letztlich nur eine sehr geringe Menge des Schadstoffs feststellen können. Die Konzentration lag weit unter dem zugelassen Höchstwert“, sagt Hamann. Der Großteil der Flusssäure sei über den festinstallierten Abzug des Labors nach draußen abgeleitet worden. Vorsichtshalber reinigte die Feuerwehr die Räume mit Calcium-Fluorid. Der Stoff verbindet sich mit der Flusssäure zu unschädlichen Salzen. Erst gegen 19 Uhr war der Einsatz beendet. Bis dahin war die Durchfahrt an vielen Kreuzungen rund um das Institut nicht möglich.