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Nord Förderschüler werden integriert
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Förderschüler werden integriert
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08:00 11.11.2010
Von Kristian Teetz
Das Leitungsteam der IGS Stöcken: Philipp Ruppert (v.l.), Anja Backhaus und Rolf Doelle. In einem Pilotprojekt unterichtet die IGS Stöcken lernbehinderte Kinder in regulären Klassen.
Das Leitungsteam der IGS Stöcken: Philipp Ruppert (v.l.), Anja Backhaus und Rolf Doelle. Quelle: Kristian Teetz
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„Bei uns läuft ein Pilotprojekt“, erläutert der neue Schulleiter Rolf Doelle. Der fünfte Jahrgang arbeite intensiv mit der Paul-Dohrmann-Schule aus dem Stadtteil Burg zusammen. In jeder Klasse lernen auch vier bis fünf Förderschüler. Lehrer der Paul-Dohrmann-Schule, die vorwiegend von lernbehinderten Kindern besucht wird, unterrichten gemeinsam mit den IGS-Lehrern.

Um Schlussfolgerungen für die Arbeit an anderen Schulen ziehen zu können, begleitet die hannoversche Leibniz Universität das Projekt. „Die Arbeit wird unter Federführung von Professor Rolf Werning wissenschaftlich begleitet“, sagt Doelle. Ein entsprechendes Fortbildungsseminar leitet Werning gemeinsam mit dem Schulleiter der Paul-Dohrmann-Schule, Dirk Reiche.

Nicht nur wegen der Zusammenarbeit mit Förderschülern betont die didaktische Leiterin der Gesamtschule, Anja Backhaus, die Wichtigkeit der sogenannten inneren Differenzierung. Dieser Begriff beschreibt die individuelle Förderung einzelner Schüler in Lerngruppen. So werden beispielsweise Schüler aus dem laufenden Unterricht herausgenommen, um ihnen in einem anderen Raum einen kleinen Crashkurs zu einem Thema anzubieten. Dabei bekommen nicht nur Förderschüler besondere Hilfestellung, sondern alle, die es brauchen. „Die Herausforderung liegt darin, den Unterricht so zu differenzieren, dass er den unterschiedlichen Ansprüchen der Schüler gerecht wird“, sagt Backhaus. „Zum einen setzen wir auf individuelles Lernen, zum anderen auf die Kooperation der Kinder untereinander.“

Einen weiteren Schwerpunkt setzt das neue IGS-Leitungsteam, dem neben Doelle und Backhaus auch der stellvertretende Schulleiter Philipp Ruppert angehört, bei einem angemessenen Ganztagsangebot. Lieber heute als morgen solle die Gesamtschule laut Doelle eine „gebundene Ganztagsschule“ werden. In dieser Form der Ganztagsschule sind die Schüler verpflichtet, an drei Tagen pro Woche am Nachmittagsprogramm teilzunehmen. „Unseren ersten Antrag hat das Land Niedersachsen abgelehnt“, klagt der Schulleiter, der zuvor 25 Jahre an der IGS Garbsen gearbeitet hat. „Wir haben aber gleich wieder den nächsten Antrag gestellt.“

Bis dahin laufen aber bereits verschiedene Angebote der Schule am Nachmittag. „Wir haben eine Technik-AG und eine Schach-AG“, sagt Philipp Ruppert. „Aber das größte Angebot bietet der Sport.“ Außerdem werden in den sogenannten Forder- und Förderkursen Schüler individuell von Fachlehrern unterstützt. „Vor allem in einem Stadtteil wie Stöcken ist es wichtig, dass die Schüler auch am Nachmittag die Hilfe erfahren, die sie zu Hause nicht unbedingt erwarten können“, sagt Ruppert. „Deswegen dringen wir darauf, dass uns das Land möglichst bald die Genehmigung zur Einrichtung einer gebundenen Ganztagsschule erteilt“, ergänzt Doelle.