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Nord Grölende Trinker vergraulen die Kunden
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Grölende Trinker vergraulen die Kunden
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00:16 20.04.2015
Von Bärbel Hilbig
Betonstumpen ohne Sitzfläche, bekritzelte Bänke und Müll: Der kleine Platz an der Haltestelle Christuskirche sieht alles andere als einladend aus. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Der Beginn des Engelbosteler Damms an der Christuskirche gilt vielen als das Entree in die Nordstadt. Doch der Stadtteil präsentiert sich an dieser Stelle in desolatem Zustand. Bis vor einiger Zeit standen vier im Halbrund angeordnete Holzbänke ohne Lehne nahe dem U-Bahn-Aufgang. Die Stadtverwaltung ließ die kaputten Sitzflächen abbauen und zwei Bänke mit Rückenlehne anmontieren. Auch ihr Aussehen lässt allerdings zu wünschen übrig, das Holz ist bereits verwittert und bekritzelt. Von den beiden anderen Bänken blieben nur die wenig ansehnlichen Betonbeine übrig.

Im Bezirksrat Nord entspann sich deshalb ein Disput darüber, was an dieser Stelle geschehen soll. SPD und Grüne forderten zunächst, die Sitzgruppe wieder auf vier Bänke im bewährten Halbkreis zu ergänzen. Die Sitzgelegenheiten an dem kleinen Platz sollten eine kostenlose Aufenthaltsmöglichkeit auch für Gruppen bieten. Vorher hätten sich oft Jugendliche oder Stadtbahn-Kunden in dem kommunikativen Halbrund niedergelassen.

„Da sitzen nur Trinker“

Doch die Geschäftsleute und Nachbarn im Umfeld haben gänzlich andere Erfahrungen gemacht. „Da sitzen nur Trinker, und die prügeln sich auch“, berichtet eine Anwohnerin. Leere Flaschen und Glasscherben landeten oft neben dem Mülleimer. „Natürlich wäre das in der Nähe der Eisdiele auch ein schöner Platz für Eltern mit Kindern, aber die setzen sich hier nicht hin.“ Eine Geschäftsinhaberin bestätigt die Beobachtungen ihrer Kundin. „Aber es machen auch regelmäßig ältere Damen und Herren auf den Bänken eine Pause.“ Dennoch wünscht sie sich die Sitzgruppe eigentlich weg - der Stress mit der Trinkergruppe überwiegt.

„Keiner will die Bänke hier haben“, sagt Dietrich Bergmann, Inhaber des benachbarten Reparaturservices für Kaffeemaschinen. Seine Frau Renate Dechow-Bergmann verkauft nebenan in ihrem Geschäft „Kaffee7“ Bohnen, Zubereitungsmaschinen und alles drumherum. Das Paar berichtet von Pöbeleien gegenüber Passanten und von Urinlachen in den Geschäftseingängen. Über Monate sei mehrmals am Tag die Polizei angerückt, geändert habe sich nichts. „Bei schönem Wetter hat man ja Lust rauszugehen. Aber das kann man hier komplett vergessen“, beklagt Bergmann.

Mitarbeiter werden angeschnorrt

Vedat Özel, Inhaber der Fahrschule Metropol, hat vergangenen Sommer nebenan einen kleinen Eisverkauf, den „Eispol“, eröffnet. Jetzt steht die Genehmigung für eine Außengastronomie kurz bevor. „Doch es setzt sich keiner hin, wenn die Trinker da grölen. Einige sind richtig aggressiv.“ Auch Özel berichtet von Polizeieinsätzen und Rettungswagen, weil die Betrunkenen sich gegenseitig verletzt hätten. Seine Mitarbeiterin sei mehrfach angeschnorrt und beleidigt worden, wenn sie vor der Tür geraucht habe.

Die CDU-Fraktion im Bezirksrat regte jüngst nun an, nur zwei neue Bänke an der kritischen Stelle zu platzieren, zwei weitere dagegen auf dem Platz an der Kirche. „Es sitzen da meistens nur Leute mit Bierflaschen“, betont CDU-Bezirksratsherr Wolfgang Tonn, der auch das Gespräch mit den Ladeninhabern gesucht hat. SPD und Grüne sind deshalb von ihrem ersten Vorschlag abgerückt. „In der jetzigen Form hat das keinen Zweck. Da hat die CDU recht“, sagt SPD-Fraktionschef Yasin Herar.

„Wir wollen den Platz für alle öffnen“

In einem gemeinsamen Antrag mit FDP, Piraten und Linken haben SPD und Grüne jetzt die Verwaltung zu einer Neugestaltung des kleinen Platzes am U-Bahn-Aufgang aufgefordert. Als Beispiel sind farbig gestaltete Bänke und Begrünung genannt. Anlieger könnten sich in einer Patenschaft um die Stelle kümmern. „Wir wollen den Platz für alle Bürger öffnen. Das können wir nur über die Platzgestaltung versuchen“, sagt Herar. Die Stadtverwaltung plante bisher nur, die Betonbeine noch zu entfernen. Für eine Bewertung des Vorschlags aus dem Bezirksrat hat sie nun drei Monate Zeit.

Özel glaubt nicht daran, dass eine schönere Gestaltung die Situation entspannen könnte. „Es ist doch widersinnig, wenn die Stadt von mir Geld für Außengastronomie bekommt und dann wieder Bänke für Trinker daneben stellt.“ Falls das so kommt, will er einen Anwalt einschalten.

Die Nordstadt verwandelte sich vergangenen Donnerstag in eine Märchenbühne, als 75 Kinder gemeinsam mit hannoverschen Künstlern „Zwerg Nase“ aufführten. Über hundert Eltern und Schaulustige folgten dem zauberhaften Straßentheater von der Lutherkirche zur Bürgerschule.

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