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Nord Großes Theater mit Zwerg Nase
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Großes Theater mit Zwerg Nase
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02:15 19.04.2015
Viel los in der Nordstadt: Schauspieler Justus Henke verblüfft als Zwerg Nase sein junges Publikum. Quelle: Mario Moers
Hannover

Man kann wirklich Mitleid haben mit dem armen Jakob. Wie er bucklig und mit einer Riesennase durch die Nordstadt hinkt. Die Kinder spotten im Chor und rufen ihm Schmähliches hinterher. „Du bist ein hässlicher Zwerg“, klingt es durch die Hahnenstraße. Eben hat Jakob noch auf dem Bauernmarkt an der Lutherkirche mit seiner Mutter Gemüse verkauft, nun ist er ein unansehnlicher Zwerg, den seine eigenen Eltern nicht wiedererkennen.

Die Nordstadt verwandelte sich vergangenen Donnerstag in eine Märchenbühne, als 75 Kinder gemeinsam mit hannoverschen Künstlern „Zwerg Nase“ aufführten. Über hundert Eltern und Schaulustige folgten dem zauberhaften Straßentheater von der Lutherkirche zur Bürgerschule.

Eine Darstellerin rückt ihre krumme Nase aus Pappmaschee zurecht. „Ich bin die Ersatz-Hexe, die erste Hexe ist krank geworden“, lächelt Ulla Nentwig, freischaffende Malerin und Bildhauerin. Gemeinsam hat sie sich mit sieben anderen Künstlern und zehn Pädagogen an dem Kinderferienprojekt beteiligt, das der Verein Spokusa in Kooperation mit der Awo und der Nordstädter Kirchengemeinde auf die Beine gestellt hat. Als Fee Kräuterweiß lockt sie den Schusterjungen Jakob - großartig gespielt von Nachwuchs-Schauspieler Justus Henke - in ihre Wohnung und verzaubert ihn in ein Eichhörnchen. An zehn Nachmittagen in den Osterferien entstand im Spunk-Kinderhaus und der Kita Mäuseburg die vermutlich schönste Inszenierung des „Zwerg Nase“, die Hannover je gesehen hat. In vier Workshop-Gruppen konnten sich die Kinder unter künstlerischer Anleitung kreativ austoben. In der Bewegungsgruppe wurden das Balancieren auf einer Slackline und weitere Kunststückchen geübt.

Die Bastel- und Kostümgruppe werkelte an liebevoll zusammengestellten Requisiten, wie der Perücke des Herzogs, die ganz aus Weinkorken besteht, oder der „Schlossküche“, zu der kurzerhand ein Spielhaus im Sandkasten vor dem Bürgerhaus umfunktioniert wurde. Außerdem gab es eine Schauspiel- und eine Musikgruppe. „Zum Konzept gehört es, freie Künstler mit den Kindern zusammenzubringen“, erzählt Spokusa-Mitarbeiterin Dörte Redman. Die Beauftragte für interkulturelle Zusammenarbeit holte außerdem die Eltern ins Boot. Die beiden Stadtteilmütter Mahiyar Onayli und Atika Khaldi bereiteten jeden Tag verschiedene Snacks für die kleinen und großen Theaterleute zu. „Natürlich alles frisch und bio“, berichtet Onayli. Zur Premiere gab es neben Kaffee und Kuchen passend zum Stück eine deftige Kartoffel-Kohl-Suppe aus dem Riesentopf. Als Ritual sangen alle Beteiligten jeden Tag zu Beginn gemeinsam das Zwergenlied. „Zwerg Nase, Nase Zwerg, kocht für den Herzog einen Berg, voll Suppe und Pastete“, klingt zum Abschluss der Aufführung der Kindergesang über das Sprengel-Gelände.

„Hilmi ist ja schon berühmt“, lächelt Nezir Sali stolz. Seine beiden Söhne Hilmi und Muzaffer haben bereits im Vorjahr an der Osterferienaktion teilgenommen. „Seit meine Söhne klein sind, interessieren sie sich für Theater, von Fußball haben sie keine Ahnung“, schmunzelt Sali und blinzelt den beiden zu. In ihren schwarzen Anzügen und mit aufgemalten Schnauzbärten sehen die beiden aus wie ein orientalisches Gitarren-Duo, nur putziger. „Die beiden haben mir zu Beginn etwas vorgespielt und gleich Feuer gefangen“, erzählt Theatermusiker Sebastian Kunas. Kurzerhand schuf er eine kleine Solo-Szene für die Brüder. Auf dem Weg zwischen zwei Stationen spielen sie ein Stück auf Gitarre und Xylofon, das sie allein zu Hause erarbeitet haben. „Die Kinder sollten zuerst selbst Instrumente erkunden und ausprobieren, was man damit machen kann“, erklärt Kunas die offene Herangehensweise, die das außergewöhnliche Projekt erst möglich macht. Die gelungene Aufführung ist für Dörte Redmann ein Beleg für die wichtige Mittlerrolle, die freie Künstler im Bildungsbereich einnehmen können. „Sie sind wichtige Träger multikultureller Arbeit. Mit ihnen können solche Arbeiten auf eine experimentelle Ebene gelangen, abseits der festgetretenen Wege“, sagt Redmann. In diesem Fall war das Experiment, die Straßen der Nordstadt zur Bühne zu machen, ein voller Erfolg.

Mario Moers

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