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Nord Der Hoferbe starb viel zu früh
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Der Hoferbe starb viel zu früh
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14:25 10.10.2013
Heinrich Friedrich Conrad Voltmer, mit Rufnamen Conrad, wurde 1816 geboren und kam ursprünglich aus Lenthe. Quelle: Gerda Valentin
Hainholz

Gräber können viele Geschichten erzählen – auch auf dem Hainhölzer Friedhof, den die hiesige Kirchengemeinde betreibt. Nahe dem nordwestlichen Eingang am Moorkamp verbirgt sich hinter dichtem Grün die Grabanlage der Familie Voltmer. Ihr Urahn, an den auch die Voltmerstraße erinnert, war im 19 Jahrhundert einer der größten Bauern des Dorfes Hainholz. Mit Hilfe von Angehörigen ließ sich nun Näheres über seine Lebensumstände und die alte Grabstelle erfahren.

Heinrich Friedrich Conrad Voltmer, mit Rufnamen Conrad, wurde 1816 geboren und kam ursprünglich aus Lenthe. In Hainholz erwarb er nach 1850 ein stattliches Anwesen und weitläufige Acker- und Wiesenflächen. Einen Teil aber widmete er dem Gemeinwesen: Zusammen mit anderen Bauern aus den Nachbardörfern List und Vahrenwald stellte Voltmer das Land zur Verfügung, auf dem die Hainhölzer Kirche St. Marien 1859 ihren Friedhof eröffnete.

Auf dem Gelände ließen Voltmer und seine Ehefrau Engel Sophie Caroline 1863 eine Familiengruft anlegen. Als Erstes wurde dort ein Kindersarg hinabgesenkt, denn noch im gleichen Jahr starb dem Bauernpaar das erst zweijährige Töchterchen Caroline. 1867 verloren die Eltern auch ihre zweite Tochter: In der Belegungsliste für die Grabstätte ist vermerkt, dass Sophie Voltmer als Kind aus der Schaukel fiel, seitdem gelähmt war und nur 14 Jahre alt wurde.

Mitbegründer der „Centrale für Electrizität“

Stolz mag Conrad Voltmer indes auf seinen Sohn Ludwig gewesen sein, der am Leibniz-Gymnasium das Abitur bestand. In Hannover war Ludwig Voltmer 1886 Mitbegründer einer mit Dampfkraft betriebenen „Centrale für Electrizität“. Der 21-jährige Bauernsohn aus Hainholz trug damals dazu bei, dass zahlreiche Läden der Innenstadt im Glanze des neuartigen, elektrischen Lichts erstrahlten und machte später seinen Weg als Doktor der Naturwissenschaften.

Sein Vater war allmählich in die Jahre gekommen und übergab darum seinen Hof an den älteren Sohn Heinrich Voltmer. Doch bei der Arbeit verletzte sich der Hoferbe an der Hand und starb 1887 mit 32 Jahren an einer Blutvergiftung. Für kurze Zeit griff Conrad Voltmer selbst wieder zum Pflug. Aber nicht nur der erneute Schicksalsschlag machte dem altgewordenen Bauern klar, dass er eine Entscheidung treffen musste.

Mit Firmen wie der Vereinigten Schmirgel- und Maschinenfabrik, der Glashütte und der Gießerei von Knoevenagel hatte die Industrie auch in Hainholz ihren Einzug gehalten und begann, das Leben in dem Bauerndorf zu verändern. Conrad Voltmer ahnte, dass die Landwirtschaft langfristig auf dem Rückzug war. Und so verkaufte er seine Felder recht einträglich als Siedlungsgelände und zog in sein Altenteilerhaus. 1905 fand er seine letzte Ruhe in der Gruft auf dem Hainhölzer Friedhof, gefolgt 1909 von seiner Witwe.

Der Bauernhof von Conrad Voltmer befand sich einst in dem Eck zwischen Voltmer- und Bömelburgstraße. Die Hofgebäude wurden in den fünfziger oder sechziger Jahren abgerissen. Das Altenteilerhaus an der Voltmerstraße 28 aber blieb erhalten. Nachdem es bis 1977 bewohnt war, zog um 1980 das Restaurant „Mamma Raffaele“ ein. Seit 2009 beherbergt das denkmalgeschützte Fachwerkhaus aus dem Jahr 1835 ein Projekt der städtischen Jugendhilfe.

Doch auch die Voltmer-Gruft kündet weiterhin von der alten Bauernfamilie. Seit 150 Jahren hat die Grabstätte Bestand und wird von den heutigen Nachfahren sorgfältig erhalten. Sie ließen zum Beispiel das Gemäuer der Gruft erneuern, das durch das Wurzelwerk benachbarten Bäume teilweise „gesprengt“ worden war. „Über Jahrzehnte haben hier Angehörige dem Vergessen entgegenwirkt und damit verhindert, dass jemand eines Tages anonym verschwindet“, sagt Pastorin Sabine Deisenroth-Rogge.

Verantwortlich für das Familiengrab ist inzwischen Stefan Ernst aus Duisburg. „Eine Tante von mir, Fridel Jäger, reiste bis in ihr hohes Alter jeden Monat einmal von Duisburg nach Hannover, um sich persönlich darum zu kümmern“, erzählt Stefan Ernst. Neben der Gruft und zwei weiteren Einzelgräbern wurde schließlich auch die emsige alte Dame bei ihrem Urahn, dem einst so mächtigen Bauern Conrad Voltmer, in Hainholz beigesetzt.

Gerda Valentin

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