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Nord Vielfalt ist Trumpf bei der 13. Benefizgala in Hannover
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Vielfalt ist Trumpf bei der 13. Benefizgala in Hannover
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00:17 08.04.2019
Sangen die größten Hits von Udo Jürgens: Das Duo-Tante Woo und Roman Who. Quelle: Fotos: Mario Moers (3)
Vahrenwald

Braucht Hannover noch eine Aids-Hilfe, wo HIV als weitgehend besiegt gilt? Was bedeutet diese Entwicklung für eine Spendengala, die viele Jahre vor allem als Benefizveranstaltung zugunsten der Hannöversche Aids-Hilfe bekannt war? Bei der 13. Benefizgala im katholischen Forum St. Joseph zeigt sich am Freitag, wie der Fortschritt im Kampf gegen die Epidemie auch den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema verändert.

Zwei Vereine erhalten Spenden

„Wir haben uns schon bei der letzten Gala entschieden, die Spenden auf unterschiedliche Gruppen zu verteilen“, sagt Lutz Rädecker. Die Situation der Menschen, die mit der HIV-Infektion leben, habe sich deutlich verändert – das Virus bedeutet kein Todesurteil mehr. Der Betreiber der Kleinkunstbühne und des Gaypeople-Zelts auf dem Schützenfest ist einer der Gründer und Organisatoren der Veranstaltung. Am Sonnabend überreicht er, gemeinsam mit dem Mitgründer und Pastor der St.-Joseph-Gemeinde, Heiner Plochg, einen symbolischen Scheck über 1200 Euro an den stellvertretenden Vorsitzenden der Hannöverschen Aids-Hilfe, Bernd Weste. Der gleiche Betrag geht an den Verein Leere Wiege, der sich um Eltern kümmert, deren Kinder früh verstorben sind. „Der Kindstod ist ein Thema, über das keiner gerne spricht“, sagt dessen Mitarbeiterin Sandra Peek. Die Benefizgala ist für die ehrenamtlichen Trauerbegleiter eine gute Plattform, um auf ihre Arbeit aufmerksam zu machen. „Als Verein sind wir natürlich auch auf Spenden angewiesen“, sagt sie. 2017 gingen die Einnahmen der Benefizgala an den Verein Leckerhaus. Die Einrichtung betreut Kinder aus Brennpunktvierteln in Stöcken. „Wir wollen auch in Zukunft verschiedene Vereine unterstützen. Mir ist es deshalb auch wichtig, beide Vereine zu nennen“, sagt Rädecker. Dass die Benefizgala auch mit dem geänderten Spendenziel eine Institution bleibt, ist sich Pfarrer Plochg sicher. „Die Leute fragen uns immer schon, wann die nächste stattfindet, sie wollen die Gala“, sagt er.

Travestie, Humor und Spenden für zwei gute Zwecke. Die Benefizgala im Forum St. Joseph war prominent besetzt, auf der Bühne und im Publikum.

„Wir brauchen diese Stellen“

Unter den 150 Gästen sind prominente Vertreter der Politik und Stadtgesellschaft. Der Vorsitzende des Freundeskreises Hannover, Matthias Görn, ist gekommen, Bildungs- und Familiendezernentin Rita Maria Rzyski hat die Schirmherrschaft übernommen, und auch SPD-Stadtrat Angelo Alter und Szene-Urgestein Heiner Gerstner verfolgen das überzeugende Varieté aus Travestie, Comedy und Musik. Schirmherrin Rzyski spricht in ihrem Grußwort nicht über HIV, sondern die nachhaltige Herausforderung, die sexuell übertragbare Krankheiten darstellen. „Auch in der Stadtverwaltung redet man nicht gerne über dieses Thema“, sagt sie. Mit Blick auf die Hannöversche Aids-Hilfe betont sie die Bedeutung professioneller Ansprechpartner für Erkrankte. „Wir sind alle unglaublich aufgeklärt, aber wenn es ernst wird, wissen wir gar nichts. Deshalb brauchen wir diese Stellen“, so Rzyski.

HIV-Check in 10 Minuten

Nur 10 Minuten dauert ein moderner HIV-Schnelltest bei der Hannöverschein Aidshilfe. Wer möchte, kann bei dem Verein in der Langen Laube 14 sogar einen Selbsttest zum Mitnehmen kaufen. Die Tests kosten 10 und 20 Euro und verschaffen schnelle Sicherheit – etwa nach dem Sex mit einem fremden Partner. Auf Wunsch bieten die Experten im persönlichen Gespräch eine anonyme und vertrauliche Risikoanalyse in Bezug auf HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen. Termine für den schnellen Check sind jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat, jeweils von 18 bis 20 Uhr. Eine vorherige Anmeldung unter Telefon (05 11) 3 60 69 60 ist hilfreich.

Für den Geschäftsführer der Aidshilfe, Jürgen Maaß, sind diese Worte eine hilfreiche Bestätigung. „Wir müssen inzwischen ständig argumentieren, warum es uns noch gibt“, sagt er. In der Region Hannover haben sich 2017 rund 50 Menschen neu mit HIV infiziert – in Niedersachsen 223 Personen. Zu dem Höhepunkt der Epidemie, Mitte der Achzigerjahre, waren es etwa doppelt so viele. Insgesamt leben heute zwischen 4000 und 5000 Menschen mit dem Virus in Niedersachsen. Auch wenn inzwischen Medikamente dafür sorgen, dass die Epidemie eingedämmt ist, ist sie noch nicht besiegt. Die Sängerin Ikenna appelliert deshalb nicht nur an die Galabesucher: „Alle, die negativ sind: Bleibt es!“

Die Hannöversche Aids-Hilfe wird in diesem Jahr 35 Jahre alt. Zu diesem Anlass findet am 1. Dezember eine große Gala zugunsten der Aids-Hilfe in der Staatsoper statt.

„Leere Wiege“ betreut Eltern nach Kindstod

Der Tod des eigenen Kindes, ob bereits auf der Welt oder ungeboren, ist ein traumatisches Erlebnis. Seit 2011 hilft der Verein Leere Wiege in Hannover jährlich etwa 40 Eltern bei der Trauerbewältigung. Siebenmal so viele suchen den Kontakt und Informationen bei den ehrenamtlichen Helfern. Neben regelmäßigen Gruppentreffen organisiert der Verein auch Einzelbetreuungen, etwa von Müttern, die sich nach einer Fehlgeburt erneut auf ein Kind freuen. „Ein Leben mit Trauer muss kein trauriges Leben sein“, lautet eine Losung des Vereins, der inzwischen über 500 Mitglieder zählt. Die Gründerin der Leeren Wiege, die Hebamme Heidi Blohmann, wurde für ihr Engagement 2016 bei der Wahl der Freiwilligen des Jahres von den HAZ-Lesern auf den ersten Platz gewählt und mit dem „Leinestern“ ausgezeichnet. Weitere Informationen, Ansprechpartner und eine Spendenmöglichkeit finden Sie im Internet unter https://www.leere-wiege-hannover.de.

Von Mario Moers

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