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Nord Ein eigener Laden auf Probe
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Ein eigener Laden auf Probe
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16:36 15.03.2014
Auf zwölf Quadratmetern verkaufen die Schülerinnen der Berufsbildenden Schule 7 (BBS) in ihrem „Anna-Shop“ Produkte, die sie im Unterricht selbst angefertigt haben. Quelle: Surrey
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Hannover

Wer den Laden mit den hübschen bunten Dingen gegenüber der Lutherkirche betritt, trifft dort nicht auf Verkäuferinnen mit jahrelanger Erfahrung, sondern auf zwei Schülerinnen der Anna-Siemsen-Schule. Schließlich handelt es sich um kein alltägliches Geschäft: Auf zwölf Quadratmetern verkaufen die Schülerinnen der Berufsbildenden Schule 7 (BBS) in ihrem „Anna-Shop“ Produkte, die sie im Unterricht selbst angefertigt haben. Die Hauswirtschaftsabteilung stellt für den Laden Marmelade her, die Maßschneiderinnen nähen Nadelkissen, Röcke und Blazer. Auf den ersten Blick würde wohl niemand vermuten, dass die Schülerinnen ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen haben. Und auch beim Bedienen ihrer Kunden wirken sie fast schon wie Profis.

Im „Anna-Shop“ lernen die Schülerinnen, Verantwortung zu übernehmen und mit den Kunden zu kommunizieren. Diese Fähigkeiten werden sie später im Beruf benötigen - ob nun als Maßschneiderin oder Pflegeassistentin. Außerdem erhalten die jungen Frauen durch das Projekt die Möglichkeit, ihre eigenen schulischen Arbeiten der Öffentlichkeit zu präsentieren. „Im Unterricht können wir selbst entscheiden, ob wir einen Bleistiftrock oder einen ausgestellten Rock machen möchten und auch die Kragenform der Blazer bestimmen“, sagt die 20-jährige Gwen Saleh, die im zweiten Jahr eine Ausbildung zur Maßschneiderin macht. Interessant ist es dann zu sehen, wie das bei den Kunden ankommt. Ein- bis zweimal im Jahr muss jeder an der BBS 7 einen Dienst im Shop übernehmen.

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Auch diejenigen, die an der BBS im Dienstleistungsbereich eine Ausbildung machen, bezieht die Schule mit ein. Statt Röcke oder Honig zu produzieren, nehmen etwa die Pflegeassistenten im Shop gegenüber der Lutherkirche hin und wieder Blutdruckmessungen vor. „Als die Kosmetikerinnen hier Augenbrauenzupfen für einen Euro angeboten haben, war der Laden voll“, sagt Heide Preschke, Lehrerin im textilen Bereich und Betreuerin des Schulprojekts.

Die meisten in der Ausbildung genähten Kleidungsstücke behalten die Schülerinnen selbst. Einige Stücke geben sie aber immer gern an den „Anna-Shop“ ab. Bei Gwen Saleh, der 19-jährigen Mai-Chi Trinh und der gleichaltrigen Nicole Wolter waren das bis jetzt etwa Etuis für Stifte, Leinenhosen oder Nikolausstiefel in der Adventszeit. Geld bekommen die jungen Frauen dafür nicht - aber Erfahrung. Der „Anna-Shop“ darf keinen Gewinn machen, lediglich Miete und Materialkosten werden durch den Verkauf gedeckt. Deswegen gilt der Laden bei vielen auch als Geheimtipp mit günstigen Preisen.

Im Stadtteil ist der Shop schon längst etabliert. „Wir werden sehr gut angenommen im Viertel“, sagt Preschke. Es gebe viele Stammkunden. „Als Cardigans im Laden waren, war das gleich im Gespräch“, meint Schülerin Gwen. Die Strickjacken seien schnell verkauft worden. Doch die Lehrer und Schüler kommen ja immer wieder auf neue Ideen. Schulleiterin Renate Lippel gefallen zum Beispiel die „Sorgenfresser“ besonders gut. Die Stofftiere haben einen Reißverschluss, in den man Zettel hineinsteckt, auf denen die persönlichen Sorgen stehen. Preschke ist von den Kissen begeistert, die aus alten Herrenhemden hergestellt sind. Der absolute Renner ist aber die selbstgemachte Marmelade.

Damit alles richtig funktioniert, kümmert sich ein vierköpfiges Lehrerteam um den Shop und die Einteilung der Schichten. „Nicht alle Stücke sind 150-prozentig“, sagt Preschke, die seit acht Jahren dabei ist. „Aber das sind sie bei Primark auch nicht.“ Vielmehr seien die Arbeiten kleine Schritte zum späteren Beruf. Sie freue sich besonders, dass einige Schülerinnen durch die Verkaufserfahrung im „Anna-Shop“ sogar schon Ausbildungsstellen bekommen hätten.

Der Anna-Shop, Schaufelderstraße 1, hat montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr geöffnet. In den Ferien ist geschlossen.

Stefanie Kaune 14.03.2014
14.03.2014