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Nord Jugendliche treffen sich im Bauwagen
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Jugendliche treffen sich im Bauwagen
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13:34 14.01.2010
Beliebt: Der Treff im Bauwagen. Quelle: Schwarzenberger
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Eine kleine Erfolgsgeschichte schreibt der Bauwagen im Wohngebiet Schwarze Heide im Wohngebiet Schwarzen Heide in Stöcken. Er wird als Treff immer beliebter.

Im September vergangenen Jahres ist Heiko Olbrich mit einem Bauwagen ins Wohngebiet Schwarze Heide gekommen. Olbrich ist Sozialpädagoge beim Jugendverband „Deutsche Jugend in Europa“. Dieser hatte den Auftrag erhalten, eine Anlaufstelle für junge Menschen in dem Wohngebiet jenseits der Autobahn 2 aufzubauen. Mittlerweile hat die Jugend ihren ersten überdachten Treffpunkt längst in Beschlag genommen und gemeinsam mit ihrem Betreuer und Nachbarn einen gemütlichen Aufenthaltsraum geschaffen.

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Ein kalter Wintertag, Lennard Mesenbrink, neun Jahre alt, schaut zur Holzdecke hinauf. Vor kurzem noch tropfte Wasser durch die Decke des Vorraums. Inzwischen hat eine Dachdeckerfirma aus der Nachbarschaft eine neue Teerpappe und Regenrinnen verlegt. Betreuer und Jugendliche haben den Vorbau gedämmt, in den nächsten Tagen wird eine Holzverschalung installiert. Hier ist der Lieblingsort von Lennard. „Ich bin fast jeden Tag hier“, sagt er. Zwei Sofas und ein Krökeltisch stehen auf dem grob gezimmerten Boden. Eine kleine Treppe führt ins Innere des Bauwagens, wo ein Holzofen bollert und knisternde Wärme verbreitet. Lennard und andere Kinder machen es sich auf den Sofas gemütlich. Der Holzverschlag ist in wochenlanger Arbeit entstanden; auch hier haben Freiwillige aus der Siedlung und der Jugendbetreuer mit angepackt.

Die Freunde Ercan und Michael waren ebenfalls dabei. Nun wollen die Jungen Laminat von einer Zimmerei besorgen und auf dem Boden auslegen. Auch die Außenwand des Verschlags soll frische Farbe bekommen. „Da bringt jeder Ideen mit“, sagt der 18-jährige Michael.

Ein Gemeinschaftswerk ist dieser Bauwagentreff, darauf legen die Jugendlichen großen Wert. Wer wann den Bauwagen nutzen darf – auch darüber war man sich schnell einig. „Die Jüngeren werden eher am Tag hier sein, wir gegen Abend“, sagt der 19-jährige Ercan. Einige der Jugendlichen wollen sogar eine Ausbildung zum Jugendleiter absolvieren und selbst einige Treffen leiten. Denn Olbrich ist meist nur an den Nachmittagen da, die Stadt finanziert lediglich eine halbe Stelle. Insgesamt gibt die Verwaltung rund 27.000 Euro für das Projekt aus, das vorerst bis Ende 2010 läuft.

Der Betreuer kümmert sich jede Woche um bis zu 20 Kinder und Jugendliche; er ist Ansprechpartner für sie, plant Aktivitäten, hilft bei Hausaufgaben und ist auch in der Ferienzeit da. „Es gibt hier einen sehr dringenden Bedarf für solch einen Treffpunkt“, sagt Olbrich. „Wir hatten ja vorher nichts zum Unterstellen“, ergänzt Ercan. Die Jugendzentren in Stöcken seien weit weg und würden von festen Jugendcliquen besucht. Für die jüngeren Kinder wie Lennard komme ein Alleingang in andere Stadtteile ohnehin nicht in Frage, sagt seine Mutter Claudia Mesenbrink.

Den Bauwagen betrachten der Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken und die Anwohner der Siedlung indes nur als einen gelungenen Anfang. „Wir erhoffen uns natürlich mehr“, sagt Andreas Henschel vom Förderverein für ein Mehrgenerationenhaus. Seit einigen Jahren werben die Bewohner für einen solchen Ort, an dem nicht nur die Jugend über eigene Räume verfügen soll. „Das bleibt weiter unser Ziel“, betont Bezirksbürgermeisterin Margrit Heidi Stolzenwald. Ein Arbeitskreis aus Stadtteilpolitikern und Anwohnern sowie der Bezirksmanagerin Rita Heitsch will sich in nächster Zeit treffen und Ideen entwickeln.

Von Marcel Schwarzenberger

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