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Nord Jugendzentrum bleibt nicht in Feuerwache
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Jugendzentrum bleibt nicht in Feuerwache
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21:00 24.09.2014
Von Bärbel Hilbig
Jugendliche im Jugendzentrum Vinnhorst. Quelle: Jan Philipp Eberstein
Hannover

Die Zukunft des Jugendzentrums Feuerwache in der Nordstadt ist offen, denn die Stadt lehnt eine Sanierung des historischen Baus aus Kostengründen ab. Doch auch Abriss und Neubau an gleicher Stelle schließt die Verwaltung aus - der um 1900 als städtische Feuerwache II errichtete Fachwerkbau steht unter Denkmalschutz. „Die Sanierung wird als zu teuer angesehen. Der Fachbereich Kinder und Jugend wird nicht an dem Gebäude festhalten“, sagt Stadtbezirksmanagerin Astrid Schepers.

Doch ohne eine Antwort auf die Frage, was dann aus dem Jugendzentrum wird, stockt die Diskussion um die Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendarbeit im Stadtbezirk Nord, die nach mehrjähriger Vorarbeit jetzt eigentlich in die konkrete Phase treten soll. Dazu haben Fachleute aus allen Kinder- und Jugendeinrichtungen vor Ort in Kooperation mit der städtischen Jugendverwaltung die Situation von jungen Menschen im Stadtbezirk genau beleuchtet und einen dicken Bericht verfasst. Ihr Fazit: Manches läuft bereits gut, doch insgesamt benötigt die Kinder- und Jugendarbeit an mehreren Stellen mehr Personal und finanzielle Absicherung. Die Überlegungen sind Teil einer Gesamtstrategie der Stadt, die in allen Stadtteilen das Angebot in den Jugendzentren und -treffs auf den Prüfstand stellt.

Im Stadtbezirk Nord, in dem 30 594 Menschen leben, betrifft das immerhin 2972 junge Leute zwischen sechs und 17 Jahren. In der Nordstadt, dem deutlich größten Stadtteil, wohnen 1429 und damit die meisten Kinder und Jugendlichen. Es folgen Vinnhorst/Brink-Hafen (827) und Hainholz (716). Zudem gibt die Statistik auch Auskunft über die schulische Situation: Rund 32 Prozent der Jugendlichen im Stadtbezirk bekommen eine Hauptschulempfehlung (stadtweit 18,5 Prozent).

Sechs Kinder- und Jugendeinrichtungen gibt es im Stadtbezirk, die von der Stadt selbst betrieben werden oder von freien Trägern, die städtische Zuschüsse erhalten. Sie befinden sich in Vinnhorst (städtisches Jugendzentrum und KidsClub Spierenweg), Hainholz (Kinder- und Jugendhaus) und der Nordstadt (städtisches Jugendzentrum, Unabhängiges Jugendzentrum und Kinderhaus Spunk). Außerdem hat sich das Mädchenhaus Hannover Komm, das stadtweit agiert, in der Nordstadt angesiedelt. Ohne städtische Zuschüsse arbeiten der Vinnhorster Kindertisch und die Nordstädter Tafel. Eine besondere Stellung nimmt das Betreuungsprojekt der Naturfreundejugend in einem Gebiet mit gefördertem Wohnraum in der Nordstadt ein: Bisher wird es aus einem Sonderprogramm finanziert, das bald ausläuft.

Die Fachleute gehen davon aus, dass die drei Stadtteile mit ihrer unterschiedlichen Sozialstruktur jeweils ein eigenes Jugendzentrum brauchen - und in Quartieren mit schwieriger sozialer Lage auch eine eigene Einrichtung für Kinder. Dieser Anspruch ist erfüllt, Platz und Personal reichen jedoch nicht überall aus.

Verbesserungsbedarf in Vinnhorst: Rund 41 Prozent der Kinder und Jugendlichen haben ausländische Wurzeln (stadtweit 42 Prozent) und damit deutlich weniger als in Hainholz (71 Prozent) oder der Nordstadt (50 Prozent). Dem Jugendzentrum im Keller der Grundschule fehlt es an Platz und Außenflächen. Die Fachleute empfehlen einen Umzug in einen Neubau auf dem Gelände des BV Werder. Die Kinder im Wohnquartier Spierenweg brauchen dringend Betreuung, die der kleine KidsClub des Evangelischen Stadtjugenddienstes mit nur halber Stelle nicht ausreichend bieten kann.

Mehr Hilfe für Hainholz: Für junge Leute gibt es nur eine einzige Einrichtung im Stadtteil, das Kinder- und Jugendhaus, das Stadt und Jugendrotkreuz gemeinsam tragen. Trotz der Angebote dort bekommen viele Kinder nicht genügend Hilfe beim Lernen. Die Quote der Hauptschulempfehlungen liegt bei 35 Prozent.

Probleme in der Nordstadt: Das Betreuungsprojekt der Naturfreundejugend am Möhringsberg ist in dem Quartier dringend erforderlich, braucht jedoch festes Personal und eine gesicherte Finanzierung. Die Experten empfehlen ein Zusammengehen mit dem Jugendzentrum Feuerwache. „Wir könnten ein Gebäude zu unterschiedlichen Zeiten nutzen“, sagt Viola Lies von der Naturfreunde­jugend. Das Gemeinschaftshaus, das die Wohnungsgesellschaft GBH dem Projekt aktuell kostenfrei zur Verfügung stellt, sei dafür allerdings zu klein. „Wir brauchen dringend weiter ein Jugendzentrum in der Nordstadt, auch wenn die Feuerwache aufgegeben wird“, betont Yasin Herar, SPD-Fraktionschef im Bezirksrat Nord. Sein Vorgänger Detlev Schmidt-Lamontain fürchtet jedoch, dass es schwierig werden wird, geeignete Räume zu finden. Das Jugendzentrum in der Feuerwache öffnete 1973 und ist damit eine der ältesten Einrichtungen dieser Art in Hannover. Die Stadtverwaltung betont, dass das Gebäude weiterhin als Jugendzentrum dient, solange kein alternativer Standort gefunden ist. Ein Verkauf sei aktuell nicht geplant.

Die Expertenrunde empfiehlt außerdem, die Arbeit des Kinderhauses Spunk fortzusetzen. Vorgeschlagen wird, das Unabhängige Jugendzentrum Kornstraße als stadtweite Einrichtung zu begreifen - und das Personal entsprechend aufzustocken.

Bewertung der Jugendlichen: 447 Schüler sind zu ihrer Meinung befragt worden. Sehr viele berichteten, selbst keine Hilfe bei den Hausaufgaben zu bekommen. Ein Drittel der Jugendlichen muss auf kleinere Geschwister aufpassen und wünscht sich deshalb Einrichtungen auch für die Kinder. Etliche der Befragten erzählten von Gewalt und Kriminalität in ihrem Umfeld. Auf ihrer Wunschliste standen mehr Freizeitmöglichkeiten, Sauberkeit und ein friedlicher und sozialerer Stadtteil ganz weit oben.

Die sieben Kinder- und Jugendeinrichtungen im Stadtbezirk Nord haben ?unterschiedliche Ausrichtungen. Jugendzentrum Vinnhorst Träger: Landeshauptstadt Hannover Zielgruppe: Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren, etwa 40 Prozent Mädchen Pädagogische Schwerpunkte: Lernförderung, offene Angebote (Kochen, Medien, Rockmobil), Einzelfallhilfe, aufsuchende Arbeit Personal: zwei Sozialpädagogen in Vollzeit KidsClub Spierenweg Träger: Evangelischer Stadtjugendring Zielgruppe: Kinder zwischen 6 und 13 Jahren aus dem Quartier Spierenweg Pädagogische Schwerpunkte: Essen, ?Malen und Basteln, PC, Wii Personal: eine Diakonin mit 19,25 Wochenstunden Kinder- und Jugendhaus Hainholz Träger: Jugendrotkreuz im DRK-Region und Landeshauptstadt Hannover Zielgruppe: Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren im Jugendtreff und Kinder zwischen 9 und 14 Jahren im Lückekindertreff Pädagogische Schwerpunkte: Hausaufgabenhilfe, Werken, Kochen, Backen, Sport, Spielen, PC Personal: eine Sozialpädagogin sowie zwei Erzieherinnen in Teilzeit, mehrere Honorarkräfte Jugendzentrum Feuerwache Träger: Landeshauptstadt Hannover Zielgruppe: Jugendliche zwischen 10 und 27 Jahren Pädagogische Schwerpunkte: Berufsfindung, Bewerbungstraining, Kunst, Werken, Medien, Mitternachtssport Personal: einen Sozialpädagogen und einen Erzieher in Vollzeit Unabhängiges Jugendzentrum Kornstraße Träger: Verein zur Förderung politischer Jugendkulturen Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene aus der ganzen Stadt Pädagogische Schwerpunkte: Förderung des selbstbestimmten gesellschaftlichen und politischen Engagements Personal: Geschäftsführer und Sozialpädagogin in Teilzeit Spunk, das Tollhaus Träger: Verein für Sport, Kultur und soziale Arbeit (Spokusa) Zielgruppe: Kinder zwischen 6 und 14 Jahren Pädagogische Schwerpunkte: Kunst, Kreativität, Sport, Mädchen- und Jungenarbeit, Ökologie, gesunde Ernährung Personal: eine Kulturpädagogin, eine Sozialpädagogin in Teilzeit, eine FSJ-Stelle Sport, Honorarkräfte Betreuungsprojekt der Naturfreundejugend am Möhringsberg Träger: Kinder- und Jugendwerk der Naturfreunde Hannover Zielgruppe: Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren aus dem Wohnumfeld Pädagogische Schwerpunkte: Sport, Basteln, Backen. Kochen Personal: zwei Honorarkräfte mit je sechs Wochenstunden, eine FSJ-Stelle Ökologie, Ehrenamtliche

Mädchenzentrum kommt nicht mehr

Die Feuerwache am Kleinen Felde stand bereits einmal zur Diskussion. Die Stadt wollte in dem bisherigen Gebäude des Jugendzentrums Nordstadt ein Mädchenjugendzentrum mit stadtweiter Ausstrahlung einrichten. Dort sollten der Verein Mädchenhaus Hannover Komm und die Beratungsstelle Zwei13 gemeinsam arbeiten. Nach genauerer Prüfung nahm die Stadt jetzt Abstand. Für eine neue Nutzung hätte das Gebäude saniert und behindertengerecht umgebaut werden müssen. Das wurde angesichts des Zustands der Feuerwache verworfen. Auch die beiden Vereine ließen sich nicht unter einen Hut bringen.

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