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Nord Kinder klagen über Kopfschmerzen
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Kinder klagen über Kopfschmerzen
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14:45 09.08.2009
Mittellandkanal Silgan Mecklenheide Kinderwald Hüttenes-Albertus Alsa Aluminium-Salzschlacke-Aufbereitungs-GmbH
Neben dem Neubaugebiet Grashöfe / Godshorner Damm gibt es einen Streifen Brachland, der seit Jahren nicht bebaut wird Quelle: Michael Zgoll
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Uwe Bärwaldt ist leidenschaftlicher Radfahrer. Sehr häufig ist er auf dem Radweg am Mittellandkanal unterwegs und genießt die frische Luft, die ihm bisweilen kräftig um die Nase weht. Doch am nördlichen Rand der Mecklenheide in Höhe des Gewerbegebietes Hansastraße in Nordhafen wird ihm hin und wieder fast schlecht.

„Da stinkt es gewaltig, das ist richtig eklig“, berichtet der Mann aus Letter. Den Geruch zu beschreiben, fällt ihm schwer – eklig halt. In der vergangenen Woche hat Bärwaldt nach eigenen Angaben sogar eine blassblaue Dunstwolke in Höhe des Verpackungs-Herstellers Silgan White Cap bemerkt und beschlossen, diese Strecke bis auf Weiteres zu meiden.

Fast zeitgleich klagten im Kinderwald Mecklenheide etliche Kinder einer Projektgruppe über unerträglichen Gestank und über starke Kopfschmerzen. „Das war so unangenehm wie schon lange nicht mehr“, sagt Projektleiterin Astrid Hölzer. Es sei ihr klar gewesen, dass da wieder aus irgendeinem Werk etwas „hinausgepustet“ worden sei.

Abgasgeruch von der nahe gelegenen Autobahn sei es in jedem Fall nicht gewesen, das steht für die Landschaftsplanerin fest. Schließlich ist sie seit Jahren oft im Kinderwald unterwegs und kennt die umherziehenden Gerüche bestens. Früher habe sie sich häufig an offizieller Stelle im Gewerbeaufsichtsamt beschwert, in den vergangenen Monaten allerdings nicht mehr. Im Gewerbeaufsichtsamt gehen seit einiger Zeit nur noch wenige Beschwerden ein; früher waren es deutlich mehr.

Viele der Betriebe hätten in den vergangenen Jahren enorm viel getan, um entstehende Gerüche zu vermindern, sagt Thomas Kunze, Abteilungsleiter im staatlichen Gewerbeaufsichtsamt Hannover. Silgan White Cap etwa habe bereits vor Jahren einen Thermoreaktor auf dem Dach installiert, mit dem die Geruchsemissionen deutlich reduziert worden seien. Die genehmigungspflichtigen technischen Neuerungen werden vom Gewerbeaufsichtsamt genau überwacht. „Das ist eine ständige Aufgabe“, betont Kunze.

Schwieriger ist die Lage bei der breiten Palette an kleineren Firmen, die keine genehmigungspflichtigen Anlagen betreiben. Diese werden nur im Rahmen von Schwerpunktaktionen und nach Bedarf kontrolliert. Nachweise darüber, dass eine Emission aus einem bestimmten Gewerbebetrieb stamme, seien aber sehr schlecht zu führen. Auch die großen Unternehmen in Vinnhorst und Nordhafen sprechen von einer insgesamt entspannten Lage und einem guten nachbarschaftlichen Verhältnis zwischen Gewerbe- und Wohngebieten.

Frank Kohler, Betriebsleiter der Aluminium-Salzschlacke-Aufbereitungs-GmbH (Alsa), weiß von ein bis zwei Beschwerden pro Jahr und einem lockeren, jährlich stattfindenden Zusammentreffen mit den Anwohnern. Jörn Küper, Werksleiter des Chemiewerks Hüttenes-Albertus, erklärt, dass in seinem Werk inzwischen alles modernisiert worden sei. „Von uns gehen keine Emissionen aus“, sagt er.

Eine jahrzehntealte Produktionsanlage für Kunstharz aus sei abgerissen worden; der Ersatz, technisch auf dem neuesten Stand, gehe bald in Betrieb. Die Metallschmelzwerke Karl Konzelmann verwenden nach Angaben von Betriebsleiter Bernward Höppner nur Schrotte, die sich „auch vernünftig verarbeiten lassen“. Er habe im vergangenen Jahr sogar Lob aus der Nachbarschaft bekommen. Den guten nachbarschaftlichen Dialog kann Heinz Schmiedel bestätigen. Er ist seit vielen Jahren Vorsitzender des Kleingartenvereins Eichenkamp, dessen 82 Parzellen seit fast 50 Jahren in der Nähe der Hansastraße liegen.

Früher habe es wirklich Schwierigkeiten gegeben. Aber: „In diesem Jahr haben wir noch keine Probleme gehabt.“ Doch offenbar sehen das nicht alle Bürger so entspannt. Zurzeit lägen zwei Beschwerden über Geruchsbelästigungen beim Gewerbeaufsichtsamt vor und beide stammten aus Vinnhorst, berichtet Thomas Kunze. Diese nehme man durchaus ernst.

Noch in dieser Woche werde das Amt „aus gegebenem Anlass“ mit einem der ortsansässigen Unternehmen ein Gespräch führen und prüfen, ob dort technisch nachgerüstet werden muss – den Namen des Betriebs wollte Kunze allerdings nicht nennen.

von Sigrid Krings

Neubauten liegen auf Eis

Westlich des Vinnhorster Neubaugebiets im Dreieck Godshorner Damm / Fischteichweg / Grashöfe gibt es einen Streifen Brachland, auf dem laut dem Schild eines Bauunternehmens zwar immer noch freie Bauplätze zu haben sind, der aber immer noch nicht für eine Bebauung freigegeben ist.

Der schmale Streifen Land, der im Laufe der Jahre mit einem dichten Birkenwäldchen zugewachsen ist, gehört der Stadt. Doch 2004 hatte die Kommune Pläne für eine weitere Bebauung mit 36 Häusern in der Schublade verschwinden lassen, weil etliche Betriebe aus den Gewerbegebieten von Vinnhorst und Nordhafen die Beschwerden der potentiellen neuen Anwohner wegen möglicher Geruchsbelästigungen fürchteten.

Auch das Gewerbeaufsichtsamt und die Industrie- und Handelskammer warnten damals vor einer Ausweitung des Baugebiets. Im Jahre 2009, so hatte eine Stadt-Sprecherin erklärt, solle die Situation neu geprüft werden, da die Betriebe die Geruchsentwicklung bis dahin reduzieren wollten.

Stadtplanerin Ulrike Roth erklärte jetzt, dass die Verwaltung eine mögliche Wohnbebauung tatsächlich noch in diesem Jahr erörtern werde – allerdings erst im Herbst.

miz

Michael Zgoll 09.08.2009
Michael Zgoll 05.08.2009