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Nord Feierabendbier mit Familienanschluss
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Feierabendbier mit Familienanschluss
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00:19 23.05.2015
Von Isabel Christian
Im Spandau treffen sich Stadtteilbewohner jeden Alters. Quelle: Nancy Heusel
Hannover

Der Name passt irgendwie. „Große Welt“ nennt sich einer der neueren Kneipenzugänge, die die Nordstadt bekommen hat. Wer das Lokal am Engelbosteler Damm 87, Höhe Strangriede, betritt, ist erst einmal überrascht, wie groß und luftig der Raum wirkt. Nichts mit verräuchertem Schankraum und holzvertäfelten Sitzecken. Stattdessen stehen Barhocker um Bistrotische herumgruppiert, die Wand hinter der Theke ist mit Spiegeln besetzt, und eine Bühne lässt Gedankenspielereien über Livebands zu. Doch Evelyn und Thomas Krüger sind nicht die einzigen, die den Begriff Kneipe in der Nordstadt neu interpretieren. Seit ein paar Jahren machen immer wieder Bars auf, die ein modernes Verständnis von Kneipenkultur in den Stadtteil bringen wollen. Bei den Bewohnern kommen sie damit gut an.

„Einige Paare haben sich in unserer Obhut schon gefunden“

Evelyn und Thomas Krüger wollen in erster Linie einen Ort zum Entspannen schaffen. „Zu uns kommen meist Berufstätige, die nach einem langen Tag bei einem Glas Wein oder einem Bier abschalten wollen“, sagt Thomas Krüger. Oder sich ihren Kummer von der Seele reden. „Oft hören wir den Gästen mal eine halbe Stunde zu, geben einen Rat und manchmal auch ein flüssiges Trostpflaster“, sagt seine Frau Evelyn. Sie sorgten dafür, dass sich niemand einsam fühle. Ein guter Wirt sei eben auch ein bisschen Psychologe. Und manchmal auch Kuppler. „Einige Paare haben sich in unserer Obhut schon gefunden“, ergänzt Evelyn mit einem Augenzwinkern.

Seit gut einem Jahr hat die Große Welt an der Strangriede geöffnet, zuvor lag sie ein knappes Jahr am Weidendamm. „Wir waren sehr froh, als wir die neuen Räume gefunden hatten“, sagt Evelyn Krüger. Die Eingangstür war früher der Hintereingang in die Lager- und Kühlräume der Supermarktkette Nahkauf. Als die Krügers die Räume umbauen ließen, entdeckten sie jedoch, wozu sie ursprünglich gedient hatten. „Das hier war der Vorführraum des alten Kinos ,Theater am Damm’“, erzählt Thomas Krüger mit leuchtenden Augen, „Als wir die Decke aufgebrochen hatten, kam die Hängevorrichtung der Leinwand wieder zum Vorschein.“ Das brachte die beiden gleich auf eine Idee für die Wanddekoration. „Wir suchen noch Fotos von dem alten Kino aus den siebziger Jahren“, sagt Thomas.

Ein bisschen kuscheliger und alternativer geht es in der bisherigen Nordstadtbraut zu, die jetzt wegen personeller Veränderungen aber einen neuen Namen sucht. Die Kneipe in der Hahnenstraße 12 ist Bar und Kunstgalerie zugleich. Denn Gründerin und bisherige Mitbetreiberin Renate Marek zeigte hier bis vor Kurzem ihre Schallplattensammlung. Und die ist alles andere als gewöhnlich. Die zierliche Frau mit dem Künstlernamen Nordstadtbraut hat die schwarzen Vinylscheiben mit Portraits von bekannten Musikern und Burlesque-Tänzerinnen bemalt. Sie zierten sechs Jahre lang die Wände in der ehemaligen Cocktailbar - mit wechselnden Motiven. Denn oft gefiel einem Gast ein Portrait so gut, dass er es vom Fleck weg kaufte.

Die Thekencrew wird mit Handschlag begrüßt

Es sei nicht das typische Eckkneipenpublikum, das in ihre Bar komme, sagen die Mitarbeiter mit Nachdruck. „Bei uns treffen sich zum Beispiel Freunde, die sich lange nicht gesehen haben, oder WGs, die zu Hause kein richtiges Wohnzimmer haben.“ Aber sie können auch auf ein großes Stammpublikum setzen. Gerade geht wieder die Tür auf und eine Gruppe junger Studenten kommt herein. Jeden begrüßt die Thekencrew mindestens mit Handschlag. „Schau mal, wir haben euch auch was von drüben mitgebracht“, sagt einer der Männer und packt mit Essen gefüllte Plastikboxen aus. Drüben, das ist das Restaurant Extrakt auf der anderen Straßenseite. Die familiäre, wohnzimmermäßige Atmosphäre sei es, die Betreiber und Mitarbeiter an ihrer Kneipe so liebten. Viele Gäste begrüßen sie längst mit Namen. Aber es kommen auch immer wieder neue Besucher. „Das ist ja gerade das Schöne an der Nordstadt, dass hier so eine hohe Fluktuation herrscht.“

Auch die Santana-Bar an der Rehbockstraße 38 ist für manch einen Nordstädter Studenten längst zum zweiten Wohnzimmer geworden. Seit knapp sechs Jahren steht Inhaber Peso Vural hier hinter und vor der Theke und ist immer für einen Schnack zu haben. „Bei vielen meiner Gäste kenne ich nicht nur den Lieblingscocktail, sondern weiß auch, was sie beruflich machen“, erzählt er. Die meisten, die einmal in seiner Bar einen Drink genommen haben, sind bislang wiedergekommen. „Manche reisen sogar aus der Region an, nur um bei mir Cocktails zu trinken.“

Begonnen hat der Trend der modernen Kneipen in der Nordstadt vor gut zehn Jahren, als das Spandau am Engelbosteler Damm 30 eröffnete. Und schon bald soll es die nächste Kneipe mit Konzept geben. Noch ist die Streif Bar am Weidendamm 8 nur zu den Öffnungszeiten des benachbarten Klubs geöffnet. Doch bald soll es auch an anderen Abenden in den bunt gestalteten Räumen Kunst und Cocktails geben.

Santana

Wer kommt her?
Studenten, Freundeskreise aus der ganzen Stadt, Pärchen aus der Nachbarschaft. Wie ist die Stimmung? Unter der Plastikpalme mit einem Pina Colada in der Hand kommen Urlaubsgefühle auf.

Was bestellt man an der Bar?
Den Barkeeper-Spezialcocktail. Eine fruchtige Mischung aus Wodka, Mandarinen- und Pfirsichlikör sowie Likör 43, aufgefüllt mit Ananas- und Orangensaft mit einem Schuss Grenadinesirup.

Weshalb muss man mal dagewesen sein?
Um den Inhaber Peso kennenzulernen, der für ein Foto mit seinen Stammgästen auch mal Heldenposen auf einem Stuhl einnimmt.

Das Santana bietet fruchtige Cocktails. Quelle: von Ditfurth

Große Welt

Wer kommt her?
Berufstätige, Singles, Pärchen im mittleren Alter Wie ist die Stimmung? Entspannt geht es in der Bar mit der hohen Decke zu. Entweder man sitzt am Tresen und philosophiert mit dem Nachbarn über Gott und die Welt oder man nutzt die kleine Bühne für ein Tänzchen zu Soul- und Rockklassikern.

Was bestellt man an der Bar?
Einen Gin Tonic. Den servieren die Inhaber Thomas und Evelyn Krüger wie im Originalrezept mit einem Gurkenschnitz.

Weshalb muss man mal dagewesen sein?
Um bei einem guten Song auch mal vom Barhocker rutschen und spontan dazu tanzen zu können. Platz gibt es genug.

In der großen Welt bestellt man am besten einen Gin Tonic. Quelle: von Ditfurth

(Ex-)Nordstadtbraut

Wer kommt her?
Junge Bewohner aus dem Viertel, Alternative, Kunstfans Wie ist die Stimmung? Hat man es sich auf den Ledersofas bequem gemacht, fühlt es sich an wie im WG-Wohnzimmer von Freunden.

Was bestellt man an der Bar?
Einen Apfelstrudel. Die Shotkreation hat die bisherige Mitinhaberin Renate Marek erfunden. Sie schwört darauf, dass der Mix aus Wodka, einem Schuss Apfelsaft und Zimt wirklich wie das Gebäck schmeckt.

Weshalb muss man mal dagewesen sein? Um in der besonderen Atmosphäre zwischen alternativem Jugendzentrum und Eckkneipe zu versinken.

Bier und "Apfelstrudel" schmecken in der Nordstadtbraut Quelle: von Ditfurth

Spandau

Wer kommt her?
Stadtteilbewohner jeden Alters, Neugierige und Stammgäste aus ganz Hannover, Fans von Livemusik.

Wie ist die Stimmung?
 Wer gemütlich bei einem Glas Wein plaudern oder nachmittags bei einem Kaffee das Publikum auf dem E-Damm beobachten will, ist hier richtig.

Was bestellt man an der Bar?
Einen der hausgemachten Eistees. Zum Beispiel Pfefferminz mit Minzeblättchen und ohne Zucker. Nicht nur bei heißen Temperaturen erfrischend. Weshalb muss man mal dagewesen sein? Wegen der hörenswerten Singer-Songwriter, die hin und wieder im Kellerraum des Restaurants auftreten.

Das Spandau lockt mit leckeren Eistees. Quelle: Heusel

Streifbar

Wer kommt her?
Klubgänger, Kunstfans Wie ist die Stimmung? Bislang noch vor allem durch die Vorfreude auf die Partynacht im Klub nebenan geprägt.

Was bestellt man an der Bar?
Einen Bombay East Buck. Der Longdrink besteht aus Bombay Saphire Gin, gemischt mit Ginger Ale, Limettensaft und Zitronengras.

Weshalb muss man mal dagewesen sein?
Um später sagen zu können, man kenne die Bar schon von Anfang an.

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