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Nord Kritik an geplantem Corvinuskirchenabriss
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Kritik an geplantem Corvinuskirchenabriss
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09:10 22.05.2014
Von Kristian Teetz
Die Corvinuskirche.
Die Corvinuskirche. Quelle: Alexander Körner
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Sahlkamp

Gegen die Pläne, die Kirchengemeinde Ledeburg-Stöcken zurück nach Stöcken zu verlegen, regt sich vereinzelt Kritik. Vor allem der geplante Abriss der Corvinuskirche stößt bei einzelnen Gemeindemitglieder auf Ablehnung. Die Gemeinde will nach Aussage ihres Pastors Lüder Meyer-Stiens von Ledeburg zurück auf das Gelände in Stöcken ziehen, auf dem das Gotteshaus steht – sie will allerdings anstelle der Kirche ein neues Gemeindezentrum bauen (der Stadt-Anzeiger berichtete).

„Die von Pastor Meyer-Stiens angebrachten Argumente für die ,Rolle rückwärts’ nach Stöcken sind an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten“, sagt der ehemalige Kirchenvorsteher Wolfgang Börner. „Natürlich ist es schwierig, den Rückgang auf das alte Gemeindegelände zu erklären, wenn man die wahren Gründe, nämlich die leichtsinnige und verantwortungslose Entwidmung der Corvinuskirche, nicht nennen oder wahrhaben will.“ Das Gotteshaus war 2012 entwidmet worden. Börner zweifelt zudem eine zentrale Begründung für den Abriss – bauliche Mängel im Kirchengebäude – an: „Die Bausubstanz ist vollkommen in Ordnung, es gibt keine Feuchtigkeit oder andere gravierende Mängel.“ Er wisse, wovon er spreche, „ich war 36 Jahre im Kirchenvorstand der Gemeinde als Kirchenvorsteher, die letzten Jahrzehnte auch als Baubeauftragter“, sagt Börner.

Auch Till Schröder bezweifelt, dass sich die Corvinuskirche in einem schlechten Zustand befindet. „Der hervorragende Erhaltungszustand von Kirche und Turm ist vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in seinem Bescheid über die Unterschutzstellung 2011 bestätigt worden“, sagt er. „Dass jetzt Niederschlagswasser an den Fassaden herabläuft, weil die Dachrinnen seit zwei Jahren nicht mehr gereinigt wurden, ist dem Gemeindepastoren anzulasten, der die Kirche leer stehen lässt.“

Statt den Denkmalschutz als Chance zu sehen, den Bestand gemäß des aktuellen Nutzungsbedarfs weiter zu entwickeln, habe der Pastor Vorbehalte gegenüber dem Denkmalschutz, sagt Schröder. „Solange aber der Bau in seinem architektonischen Gestaltkonzept erkennbar bleibt, hat kein Denkmalamt Einwände gegen eine teilweise oder völlige Änderung der Bestuhlung“, so Schröder weiter. „Auch Ein- und Anbauten sind durchaus denkbar, wenn dafür architektonische Fachkompetenz – möglichst im Rahmen eines öffentlichen Wettbewerbs – herangezogen wird.“ Außerdem öffneten sich damit Quellen öffentlicher Zuschüsse des Denkmalamts und der Stiftung Denkmalschutz. Auch städtische Hilfe im Rahmen der Stadtteilaufwertung sei denkbar, und nicht zuletzt würde eine Spendenkampagne womöglich weit über den Kreis der Gemeindemitglieder hinaus auf Resonanz stoßen. Schröder fordert von Pastor Meyer-Stiens, „in der aktuell entstandenen Situation auf das Denkmalamt zuzugehen und seiner Gemeinde einen baugeschichtlich bedeutsamen Sakralbau der frühen Nachkriegsmoderne zu erhalten“.

Ob die Pläne, ein neues Gemeindezentrum an der Hogrefestraße zu errichten, verwirklicht werden, hängt von der noch ausstehenden Entscheidung des Kirchenvorstands ab.

22.05.2014
16.05.2014