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Nord Soziale Kunst, wie sie im Buche steht
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Soziale Kunst, wie sie im Buche steht
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13:46 23.01.2014
Von Kristian Teetz
Der Hainhölzer Künstler Siegfried Neuenhausen hat mit zwei zehn Meter hohen Stelen an der Schulenburger Landstraße seine Hainhölzer Sklupturen-Trilogie abgeschlossen.
Der Hainhölzer Künstler Siegfried Neuenhausen hat mit zwei zehn Meter hohen Stelen an der Schulenburger Landstraße seine Hainhölzer Sklupturen-Trilogie abgeschlossen. Quelle: dpa
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Hainholz

Der Stadtteil begrüßt seine Besucher farbenfroh: Wer aus der Nordstadt über die Schulenburger Landstraße nach Hainholz kommt, fährt an zwei bunten Keramikskulpturen vorbei. Entworfen und geschaffen hat sie die Künstler Siegfried Neuenhausen, der in den vergangenen zehn Jahren das Stadtbild von Hainholz mit drei Kunstwerken ästhetisch erobert hat und dieses seitdem prägt. Über Geschichte und Hintergründe dieser Kunstprojekte erzählt das jüngst erschienene Buch „Skulpturen für Hainholz“.

Stadtoberhaupt Stefan Schostok richtete in der vergangenen Woche bei der Präsentation des 153-Seiten-Werks im Rathaus warme Worte an den 82-Jährigen: „Als Oberbürgermeister bin ich froh, dass du unser Mitbürger bist.“ Besonders hob Schostok das soziale Element in Neuenhausens Kunstprozessen hervor. Der ehemalige Braunschweiger Kunstprofessor, der sein Atelier in der ehemaligen Kornbrennerei in der Bertramstraße eingerichtet hat, arbeitete bei allen drei Projekten mit Hainhölzer Bürgern zusammen. „Siegfried Neuenhausen führt Menschen an Prozesse des künstlerischen Schaffens heran, die sonst keine Möglichkeit zur Teilhabe finden“, sagte Schostok in seiner sehr persönlichen Ansprache.

Wie sehr der soziale Gedanke Neuenhausens Kunstschaffen prägt, dokumentiert das Buch „Skulpturen für Hainholz“ (Kerber-Verlag, 35 Euro). Es vereint zahlreiche Fotos und verschiedene Texte über die drei Keramikkunstwerke „Hainholz-Stele“ an der Fenskestraße, die erwähnten Figurinen „Dame und König“ sowie die Straßenbahnskulpturen am Hochbahnsteig Hainhölzer Markt, die in diesem Jahr der Öffentlichkeit übergeben wurden. „Als Hainholz zum Sanierungsgebiet erklärt wurde, habe ich mich gefragt, wo die Kunst bleibt“, sagte Neuenhausen während der Buchvorstellung. Ein erster Blick auf die Planungen habe gezeigt, dass die Kunst gar nicht vorkomme. „Für mich, der sich mittlerweile als Hainhölzer fühlt, war der Gedanke an ein Sanierungsgebiet ohne Kunst nicht zu ertragen.“

Neuenhausen erwähnte auch die ganzen Mühen, die ihn das Stadtteilkunstprojekt kostete. „Ich musste mich darum kümmern, die finanziellen Mittel zu besorgen, Anträge stellen, mit der Verwaltung sprechen, Briefe schreiben - und das anfangs alles allein“, erinnerte er sich. Später kamen Helfer dazu, denen er in seiner Rede allen dankte. „Die eigentliche künstlerische Arbeit ist immer der geringste Anteil an einem solchen Projekt.“ Er habe sich dann aber einfach die gedankliche Brücke gebaut, dass „dies einfach der schmerzliche Teil einer großen künstlerischen Performance ist“.

Wo die Kunst im Sanierungsgebiet bleibt, hat sich Neuenhausen in zehnjähriger Arbeit selbst beantwortet. Sie prägt heute das Stadtbild und ein Stück weit auch die Identität von Hainholz. „Wenn sich heute junge Leute in Hainholz treffen, dann treffen sie sich ,an der Stele‘“, sagte Siegfried Neuenhausen mit ein wenig Stolz in der Stimme. Das schönste Kompliment aber bekam der Künstler, als die Zeremonie im Rathaus fast schon beendet war. „Jeder Mensch hat ein Talent, aber Sie haben mir mit Ihrer Kunst geholfen, meines zu entdecken,“ sagte eine Frau, die bei Neuenhausens sozialen Kunstarbeiten mitgewirkt hatte. Als Dankeschön drückte sie ihm einen dicken Kuss auf die Wange.

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