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Nord Kunstwerk an Sporthalle muss neuer Fassade weichen
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Kunstwerk an Sporthalle muss neuer Fassade weichen
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14:15 12.05.2011
Die verblassten Farbreste an der Fassade der Sporthalle werden nun von der Stadt vermessen und fotografiert. Die Signatur des Künstlers ist noch gut erhalten. Quelle: Zottl

Uwe Bärwaldt scheint die Aufregung, die er ausgelöst hat, einen Moment unangenehm zu sein. „Ich wollte nur einen Anstoß geben“, sagt der 64-Jährige. Dass dieser Anstoß in der vergangenen Woche einen Baustopp bei den Fassadenarbeiten an der Sporthalle der Lutherschule ausgelöst hat, verblüfft ihn. „Ich bin verwundert, dass ich offenbar auf etwas Neues gestoßen bin – denn egal, wen ich angesprochen habe, niemand wusste davon.“

Bärwaldt spricht von dem verblassten Wandbild, das seit Jahrzehnten an der vorderen Hallenfassade an der Asternstraße prangt. Zu sehen ist nicht mehr allzu viel: Überreste himmelblauer Streifen, die sich über die gesamte Gebäudelänge ziehen, eine grafische Anordnung bunter Farben, die an Regenbögen erinnern. Noch sehr gut lesbar aber ist die Signatur des Erschaffers. „W. Beuermann“ steht dort – ein Werk des bekannten hannoverschen Grafikers und Künstlers Wilhelm Beuermann, der vor viereinhalb Jahren gestorben ist. Für Bärwaldt, ein großer Anhänger von Kunst im öffentlichen Raum, ist sein Fund ein Glücksgriff. „Es war reiner Zufall, dass ich es entdeckt habe“, sagt er und lächelt stolz.

Schon seit geraumer Zeit radelt der Rentner zu bekannten Kunststätten in der Region, fotografiert sie, recherchiert drumherum – ein Hobby. „Aber ich fahre auch in mir noch unbekannte Straßen, wenn ich denke, dort könnte noch etwas sein. Meistens hinterlassen die Künstler ein Signum – das suche ich. Und dabei habe ich auch dieses Bild entdeckt“, erläutert Bärwaldt. Für den Kunstfreund gab es keinen Zweifel, dass es sich um ein Werk Wilhelm Beuermanns handelt. „Ich hatte ihn wegen seines Werks am Laatzener Postgebäude im Gedächtnis. Außerdem habe ich Bilderausstellungen von ihm gesehen. Er hat einen sehr klaren Farbduktus“, erläutert er.

Entdeckt hatte der Letteraner an der Asternstraße aber auch das Bauschild, auf dem die Stadt für die bereits laufende Sanierung des Gebäudes wirbt – und die Skizze darauf, die zeigt, was sich am Gebäude verändern wird: Die Dreifeld-Sporthalle, ein fensterloser 70er-Jahre-Bau ohne natürliches Licht und natürliche Lüftung, soll über jedem Spielfeld Fensterbänder bekommen – und das genau auf Höhe von Beuermanns Farbenwerk. Besorgt um das Vermächtnis des toten Künstlers, rief Bärwaldt die Stadt an. „Ich maße mir keine Werkbeurteilung an“, sagt er. „Aber was mich stört, ist, dass keiner Kenntnis davon hatte.“

Stadtsprecher Klaus Helmer bestätigte, dass am vorvergangenen Mittwoch ein Baustopp aufgrund des Hinweises eines Bürgers erlassen wurde. „Wir müssen jetzt prüfen, ob das Bild erhalten werden kann“, sagte er noch am vergangenen Donnerstag auf Anfrage des Stadt-Anzeigers.

Auch der emeritierte Professor und Künstler Siegfried Neuenhausen zeigt sich über die Entdeckung des Beuermann-Bilds überrascht. „Ich wusste gar nicht, dass dort etwas von ihm ist“, sagte er. Von den wenigen Farbresten des Werks ist er enttäuscht. „Man kann ja kaum noch etwas erkennen“, sagte er. Trotzdem machte er sich für den verstorbenen Kollegen stark. „Wilhelm Beuermann war ein renommierter Künstler, ein Stück hannoverscher Geschichte. Mein Plädoyer lautet natürlich, alle Mittel in Bewegung zu setzen, um das Werk zu erhalten.“ Aber dann, sagte Neuenhausen, müsse es auch nach alten Vorlagen des Künstlers restauriert werden. „Auch Kunst muss hin und wieder saniert werden – es ist wie bei den Nanas.“

Diese Lösung kommt seit Wochenbeginn für die Stadt nicht mehr in Frage. „Das alte Gemälde verschwindet, die Fassadenplatten müssen erneuert werden“, sagte Helmer nach der Prüfung durch die Stadt. Am Sonntag sei eine Fotodokumentation des Wandbilds erstellt worden, am Dienstag habe ein Restaurator auf der Baustelle 13 Farbproben genommen. Zudem werde das Kunstwerk vermessen. Später solle das Beuermann-Bild maßstabsgerecht verkleinert auf bis zu vier neuen Fassadenplatten reproduziert werden. Dies sei mit der Witwe Beuermanns abgestimmt.

Auf die Frage, wie Beuermanns Kunstwerk so offenkundig übersehen werden konnte, kann Helmer nur unsicher antworten. „Es ist vermutlich eine Auftragsarbeit der Stadt Hannover gewesen, die wohl auch in einer Akte vermerkt wurde. Aber das ist 30 Jahre her, die Mitarbeiter sind nicht mehr hier. Wir werden nun bei weiteren Sanierungsarbeiten unser Augenmerk darauf richten, dass so etwas nicht mehr passiert.“

Petra Zottl

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