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Nord Musiker ehren Blues-Panist „Champion Jack“ Dupree
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Musiker ehren Blues-Panist „Champion Jack“ Dupree
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00:22 06.03.2018
Remember-Konzert für Champion Jack Dupree im Kulturbunker
Remember-Konzert für Champion Jack Dupree im Kulturbunker Quelle: Fotos: Fischer (3)
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Hainholz

Die Bühne im Gemeinschaftsraum das Kulturbunker wird immer voller. Ein Keyboard, Ein E-Piano, eine Snaredrum, hinten in der Ecke liegt ein Waschbrett, drei oder vier Verstärker, und daneben, in Ecken verstaut, diverse Gitarren und sogar eine Tuba. Und die Musiker, die zusammenkommen um den 1992 in Hannover verstorbenen Bluesmusiker „Champion Jack“ Dupree zu ehren, schleppen immer mehr davon die Treppe hoch.

Der legendäre Blues-Pianist „Champion Jack“ Dupree aus News Orleans erkor 1976 Hannover zu seiner Wahlheimat – und lebte bis zu seinem Tod 1992 in der Stadt, in einer Wohnung im Bredero-Hochhaus. Die Memory Night für den legendären Pianisten, der unter anderem auch mit Eric Clapton aufnahm, fand am Wochenende bereits zum 26. Mal statt. Bis zur Schließung der Oststadt-Kneipe „Pupille“ 2012 in der Dupree auch selbst regelmäßig auftrat, fanden die Memory Nights dort statt. Seitdem haben die Memory Nights keinen festen Ort mehr. Am Samstag fand die Veranstaltung zum dritten Mal im Gemeinschaftsraum des Kulturbunkers in Hainholz statt, der das kombinierte Wohn- und Veranstaltungszimmer der Bewohner des Bunkers ist. 

Den Anfang der Veranstaltung macht die mit ihrem Gospel-Chor Big Mama & The Golden Six international erfolgreiche rumänische Sängerin Big Mama (bürgerlich: Paunita Ionescu). In dem kurzen, vielleicht halbdstündigen Set drückt sie nur mit Keyboardbegleitung Klassiker wie „He‘s got the whole world in his hands“ durch ihre voluminöse und dunkle Stimme, die locker den Raum ausfüllt. Als zweite Band jagen Brandy & Friends in Bandbesetzung (Klavier, Gitarre, Snare, Mundharmonika) Boogie-Blues durch den Raum. Auch hier gibt es wieder Klassiker wie „Sweet Home Chicago“. Schon bei Big Mama, die – in schönster Gospeltradition – das Publikum zum Mitklatschen und Mitsingen animiert, beginnt es, zur Musik mitzuwogen. Brandy & Friends bringen es dann endgültig zum Tanzen. Aber auch hier wird wieder nur ein kurzes Set gespielt. Denn das eigentliche Herzstück der Veranstaltung ist die Improvisations-Session danach: Wer sich den Blues zutraut, ist auf der Bühne willkommen. Selbstverständlich kennt man sich unter den Musikern – den sich immer wieder neu kombinierenden Kombos geht Händeschütteln voraus, Umarmungen, und dann kommt wieder jemand neues auf die Bühne, das Waschbrett und die Tuba kommen zum Einsatz, genau wie die zahlreichen Gitarren und selbstverständlich auch ein bunter Reigen aus Sängern. Das dürfte auf jeden Fall im Sinne des in der Memoy Night geehrten Dupree sein, der selbst einen sehr reduzierten und einen Blues pflegte, und bis zu seinem Tod auch immer gerne zu Sessions auftauchte – vor allem eben in der „Pupille“. 

So ist die Memory Night keine traurige Veranstaltung, auf der um einen Verstorbenen getrauert wird. Es ist Musik unter Freunden und Bekannten, die gemeinsam eben nicht um einen verstorbenen Musiker trauern, sondern seine Musik und sein Genre ehren. Mit guter Laune, viel Spaß, Bier und bis spät in die Nacht.

Von Jan Fischer

03.03.2018
28.02.2018