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Nord Mitgliederladen für Bio-Produkte geplant
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Mitgliederladen für Bio-Produkte geplant
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07:15 13.09.2012
Den Mitgliederladen der Wendland Kooperative in Linden gibt es schon lange. Quelle: Surrey
Nordstadt

Hanna-Katrein Zinnser weiß nicht mehr so recht, wo sie einkaufen gehen soll. Noch bis vor wenigen Monaten hat sie ihre Lebensmittel in der „Grünen Tomate“ in der Nordstadt gekauft. Der Einkauf ließ sich prima mit ihrer Halbtagsstelle verbinden, die sie in dem Bioladen auf dem Engelbosteler Damm hatte. Doch dann schloss das Geschäft. Präventiv, wie es hieß. Denn kurz danach eröffnete eine große Biokette auf dem E-Damm im Juni eine Filiale. Der kleine inhabergeführte Laden glaubte, nicht mehr konkurrenzfähig zu sein. Und zog die Konsequenzen daraus. „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, habe ihre Chefin damals gesagt und das Geschäft mit einer Abschlussfeier offiziell geschlossen.

Die Entscheidung der Chefin ließ die studierte Metalldesignerin, die seit über 15 Jahren nebenberuflich im Naturkostbereich tätig ist, ein wenig ratlos zurück. Sie verlor nicht nur ihren Job und wusste fortan nicht mehr, wo sie einkaufen sollte - für die 39-Jährige schloss sich auch eine weitere, viel grundlegendere Frage an: Sind inhabergeführte Bioläden, wie die „Grüne Tomate“ es war, neben Bio-Discountern nicht mehr überlebensfähig?

Eine Antwort auf diese Frage hat Hanna-Katrein Zinnser nicht gefunden. Aber eines stand für sie fest: „Ich wollte etwas machen, aktiv werden und nicht tatenlos zusehen, wie Discounter kleine Läden verdrängen.“ Gemeinsam mit vier Mitstreitern will sie in der Nordstadt nun eine selbst organisierte Einkaufsgemeinschaft mit einem eigenen Mitgliederladen eröffnen. Hochwertige Lebensmittel aus der Region, frisches Obst und Gemüse, sollen dort zu günstigen Preisen verkauft werden. „Ich habe keine Lust mehr auf dieses höher, schneller, weiter“, sagt Zinnser.

Selbstorganisierte Mitgliederläden, wie es sie in Linden und der List schon seit Jahren gibt, kaufen ihre Waren direkt vom Erzeuger oder lassen sich von Großhändlern beliefern, die auch mit den Bioläden zusammenarbeiten. Auf diese Weise können die Vereine ihre Waren vergleichsweise günstig anbieten. „Wir wollen, dass möglichst viele Menschen sich Lebensmittel leisten können, die nicht krank machen“, sagt Daniel Ho, der sich ebenfalls für den Mitgliederladen stark macht. Die Transportkosten sind vergleichsweise niedrig, da die meisten Produkte aus der Region stammen. Zudem soll das geplante Geschäft in einer „C-Lage“ eröffnen, wie Zinnser sagt. Hohe Mieten müssen also nicht gezahlt werden. Denn auf Laufkundschaft sei der Mitgliederladen nicht angewiesen. „Die Mitglieder wissen, wo sie uns finden“, sagt Zinnser.

Trotz aller Vorteile fordern Mitgliederläden ihren Kunden etwas ab, das in der modernen Konsumwelt kaum noch existiert. Statt flexibler Öffnungszeiten mit einer größtmöglichen Warenpalette erwarten Einkaufsgemeinschaften von ihren Mitgliedern, dass sie bereit sind, sich zu binden. Wer bei Zinnser und Co. einkaufen will, muss ein eingetragenes Vereinsmitglied sein. Monatlich fällt ein Beitrag von zehn bis 20 Euro an. Die laufenden Kosten für die Ladenmiete, Strom, Wasser und Personal sollen durch den monatlichen Kostenbeitrag gedeckt werden. Zudem erwartet die geplante Einkaufsgemeinschaften von ihren Mitgliedern persönliche Beteiligung statt Anonymität: Kunden sollen sich nicht nur aus dem bestehenden Angebot bedienen, sie sind aufgerufen, das Warensortiment selbst aktiv mitzubestimmen und Vorschläge einzubringen.

In Linden-Mitte ist bereits Wirklichkeit, was in der Nordstadt erst noch entstehen soll. Vor 18 Jahren haben Kornelia Stock und Jörg Lindemann in einem Hinterhof in einer rot verklinkerten Garage die „Wendland Kooperative“ gegründet. Seit den neunziger Jahren werden hier Lebensmittel verkauft, die nach Bioland- oder Demeter-Standards produziert wurden. „Damals wollten wir eine preisgünstige Alternative zu den Bioläden schaffen“, sagt Kornelia Stock. Sie stießen dann auch auf den massiven Widerstand der Einzelhändler. „Manche Bioläden drohten ihren Lieferanten damit, uns zu kündigen, wenn sie mit uns zusammenarbeiteten.“ Die Fehde ist längst beigelegt. Heute existieren beide Einkaufsformen friedlich nebeneinander.

Kornelia Stock und Jörg Lindemann kennen fast alle ihre Kunden beim Namen. Von vielen wissen sie sogar die Mitgliedsnummer. Einige kaufen seit den Anfängen in den neunziger Jahren hier ein. Manche halten dem Laden die Treue, obwohl sie aus Linden in andere Stadtteile abgewandert sind. Das Interesse an dem Mitgliederladen in Linden-Mitte ist ungebrochen. Die Genossenschaft hat stets 700 bis 1000 Mitglieder, davon nutzen etwa die Hälfte den Laden, die anderen finden die Idee der Einkaufsgemeinschaft unterstützenswert.

Gute Resonanz bekam auch Hanna-Katrein Zinnser auf ihre Idee, in der Nordstadt einen Mitgliederladen zu eröffnen. Auf einem Flugblatt, das sie in einem Café auf dem E-Damm ausgehängt hatte, haben sich mittlerweile mehr als 80 Interessenten gemeldet. „Dabei haben wir noch gar nicht richtig angefangenen zu werben“, sagt Zinnser. Sie glaubt, dass Mitgliederläden funktionieren, gerade weil sie nicht konkurrenzfähig sein müssen. „Wer in einem Mitgliederladen einkauft, weiß, dass er sich für eine andere Art des Einkaufens entscheidet“, sagt Zinnser. „Vielleicht entwickeln Menschen gerade in einer Welt des Überflusses wieder eine Sehnsucht nach Überschaubarkeit und Bindung.“

Stefanie Nickel

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