Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nord Muslimische Gemeinde kauft Gewerbehof
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Muslimische Gemeinde kauft Gewerbehof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:29 07.03.2015
Von Bärbel Hilbig
Das ehemalige Agfa-Areal am Weidendamm 28 und 30 (l.)
wechselt den Besitzer. Quelle: Krajinovic
Nordstadt

Eine bunte Mischung an Mietern hat sich im ehemaligen Agfa-Gebäude am Weidendamm zusammengefunden: Werbeagentur, Tonstudio, Tischler, Künstlerverein, Dienstleister aus dem Baugewerbe, Gebäudereinigung und Büroservice. Sonntags schallt Gospelgesang über den Hinterhof, denn The Redeemen Christian Church of God hat hier einen Platz gefunden. Eine weitere christliche Gemeinde residiert im Vorderhaus. Und im Keller hat die Lokalmatadoren-Band Die Blumen ihre Probenräume.

Doch seit einigen Wochen rumort es unter den Gewerbetreibenden, Künstlern und Gläubigen. Bereits Ende 2014 hat die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) den roten Backsteinbau am Weidendamm 28 und 30 samt Hinterhof erworben. Die hannoversche Gemeinde ist seit 1982 mit ihrer Moschee Ayasofya am Weidendamm 9 ansässig und will sich erweitern.

Gerüchte verunsichern die Mieter

Offiziell sind die Mieter im Gewerbehof noch nicht informiert, deshalb schießen Gerüchte ins Kraut. Ein Unternehmer aus dem Hinterhaus hat an der beliebten Currywurstbude, die auf halbem Weg zwischen Moschee und Weidendamm 28/30 liegt, von dem Immobilienverkauf gehört. Steuerberaterin Heike Westerhausen ärgert sich, dass der bisherige Gebäudeeigentümer seine Mieter noch nicht ins Bild gesetzt hat. „Die Gerüchteküche brodelt, und viele machen sich Sorgen.“ Westerhausen hat von einer Bekannten gehört, eine Koranschule ziehe in den Hinterhof.

Besonders die Künstler vom gemeinnützigen Verein Krass Unartig sind verunsichert. Zwei Frauen aus dem Vereinsvorstand suchten deshalb kürzlich beim Bezirksrat Nord Unterstützung. „Wir sind eigentlich nicht so ... so intolerant. Aber einige Mieter haben bei einer kurzfristigen Kündigung Angst um ihre Existenz“, sagt Andrea Schwarz. Rechtsanwalt Serkan Sürat sieht den Eigentümerwechsel dagegen entspannt. „Der Mietvertrag für mein Büro gilt ja weiterhin. Allerdings kann der Besitzer Gewerberäume relativ leicht kündigen, wenn er eines Tages Eigenbedarf hat.“ Sürat hofft, dass er damit in nächster Zeit nicht rechnen muss. „Ich bin erst vor einem Jahr eingezogen und fühle mich wohl hier. Die Lage ist gut, bis zum E-Damm brauche ich zwei Minuten.“

„Verträge werden teilweise verlängert“

Unglücklich über die Gerüchte zeigt sich Davut Toklu, Regionalverbandschef von Milli Görüs. „Wir haben um Gotteswillen nicht vor, die Leute vor die Tür zu setzen. Die Verträge werden fortgeführt, zum Teil auch verlängert. Das ist völlig klar“, betont er. Bisher hat der Verband das Objekt noch nicht übernommen. Toklu plant aber in Kürze eine Besprechung mit den Mietern. Die Gemeinde habe nicht die Absicht, das gesamte Gelände sofort in Anspruch zu nehmen. „Wir werden leer stehende Räume im oberen Bereich bevorzugen, denn wir wollen das Klima nicht belasten.“

Der Regionalverband, dessen Gebiet sich auf Gemeinden in Goslar, Salzgitter, Peine und Stadthagen erstreckt, will am Weidendamm seine Verwaltung unterbringen, die bisher in gemieteten Räumen in der Scheffelstraße sitzt. Außerdem braucht er Schulungsräume für kleine Gruppen. „Wir wollen Kurse für Funktionäre der Ortsvereine veranstalten, zum Beispiel für die 15 Bildungsbeauftragten aus den Gemeinden, die sich um Kinder und Jugendliche kümmern“, erläutert Toklu. Wichtig sei dies besonders, damit die Jugendlichen nicht in extremistische Gruppen abdriften. Religionsunterricht für Kinder selbst ist im Gewerbehof dagegen nicht geplant.

Langfristig würde Regionalverbands­chef Toklu gerne in Zusammenarbeit mit dem Land eine Art private Akademie aufbauen. „Wir haben vor, Schüler auf ein Theologiestudium an der Uni Osnabrück vorzubereiten.“ Das ist allerdings tatsächlich ein Zukunftsprojekt.

Die Künstler von Krass Unartig, die sich einer Mischung aus Sozialarbeit und schriller Kleinkunst widmen, sorgen sich noch, ob sie mit ihrer Lebensweise bei den neuen Vermietern anecken. „Wir kümmern uns um Jugendliche, die nicht so geradeaus laufen“, beschreibt es Andrea Schwarz. Mit Kreativ- und Gruppenerlebnissen sollen diese Kinder neue Erfahrungen erlernen. Außerdem gibt der Verein am Weidendamm Autodidakten eine Bühne für Lesungen und Musik – und organisiert das große Weihnachtsfest für Obdachlose im HCC. „Es hat fast drei Jahre gedauert, bis unser Stammpublikum in die Nordstadt gekommen ist“, sagt Schwarz. An der Rampe im Hof ist im Sommer ein Fest geplant. „Stört das nicht, wenn wir dann Alkohol trinken und Schweinefleisch grillen?“, fragt sich Schwarz.

Toklu, der sich bisher noch gar kein Bild von all den neuen Mietern machen konnte, gibt sich gelassen. „Wir haben nichts gegen Andersdenkende und Anderslebende.“     

Ortsverein von Milli Görüs sitzt seit 1982 am Weidendamm

Die muslimische Gemeinde Milli Görüs gehört zu den ältesten und größten Moscheegemeinden Hannovers. Gegründet hat sich der Ortsverein 1973, seit 1982 sind die Muslime am Weidendamm 9 ansässig. Die Gemeinde hat rund 500 Mitglieder, zum Freitagsgebet kommen manchmal deutlich mehr Gläubige. Auf dem Gelände der Moschee gibt es auch Unterrichtsräume für Kinder.

Die Sechs- bis 14-Jährigen bekommen in der Woche Nachhilfe, am Wochenende läuft islamischer Religionsunterricht. In ihrer Jugendarbeit bietet die Gemeinde Projekte, die auf Beruf und Studium vorbereiten. Auf dem Moscheegelände hat die Gemeinde Räume an einen Supermarkt und ein Restaurant vermietet. Diese bieten Produkte an, die den islamischen Regeln entsprechen.

Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) wurde lange vom Verfassungsschutz beobachtet, das niedersächsische Innenministerium schätzt Organisation und Mitglieder inzwischen aber überwiegend als moderat ein. Auch vorher wurde konstatiert, dass die IGMG Gewalt kategorisch ablehnt.     

Die moderne Wohnanlage des Spar- und Bauvereins in der Melanchthonstraße in Vahrenwald ist bereits bezogen. Jetzt plant die Genossenschaft den Abriss von 29 Reihenhäusern im Heinrich-Köhler-Hof und anschließend eine neue Bebauung.

Christian Link 07.03.2015
Nord Schulbiologiezentrum Hannover - Sonntags im Schulgarten

Am Sonntag führt das Schulbiologiezentrum seine Veranstaltungsreihe Sonntagvormittag im Schulbiologiezentrum im Botanischen Schulgarten Burg fort. 

Jörn Kießler 04.03.2015

Die Stadtverwaltung stellt weitere Projekte für das Sanierungsgebiet Hainholz vor. Drei Spielplätze werden bis 2018 erneuert. Die GBH modernisiert dieses Jahr ein Wohngebäude.

Bärbel Hilbig 02.03.2015