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Nord Süße Erinnerungen
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00:15 27.10.2013
Bei der Arbeit: Mitarbeiter in der Pralinenverpackung. Quelle: Werkszeitschrift 1971
Nordstadt

Es war ein markanter Duft, der früher durch die Nordstadt zog: Aus der Sprengel-Fabrik an der Schaufelder Straße roch es einladend nach Schokolade. Süßigkeiten, Pralinenpackungen mit der Aufschrift „India“ und auch die beliebten Erfrischungsstäbchen fanden von hier aus ihren Weg zu den Käufern. Mit der Schokoladenherstellung ist es seit mehr als 30 Jahren vorbei. Doch ehemalige „Sprengelaner“ treffen sich auch heute noch und erzählen aus dem Innenleben der Fabrik.

Ehemalige Sprengel-Mitarbeiter treffen sich noch immer regelmäßig und erinnern sich gern an vergangene Zeiten. Auf das Unternehmen und ihren damaligen Chef Bernhard Sprengel lassen sie bis heute nichts kommen.

Auf das Unternehmen lassen sie bis heute nichts kommen. „Als Arbeitgeber war die Firma Sprengel eine der ersten Adressen in Hannover“, sagt Matthias Knappe, der die Rösterei für die Kakaobohnen geleitet hat. Bei den Sozialeinrichtungen geraten die Ehemaligen bis heute ins Schwärmen, erwähnen den Betriebskindergarten, Sprachkurse, ein breit gefächertes Sportprogramm bis hin zum Segelfliegen sowie das firmeneigene Erholungsheim im Harz. Legendär waren außerdem die Betriebsausflüge, bei denen die gesamte Belegschaft mit 20 Bussen unterwegs war.

„Unser Chef, der Doktor Bernhard Sprengel, verfolgte eine Philosophie“, sagt Helmut Blaser. „Führen und fördern“ hieß das Motto, bei dem sich die Beschäftigten wie in einer großen Familie fühlen sollten. Viele revanchierten sich mit Einsatz. Blaser zum Beispiel hielt als Isolierer das weitläufige Rohrsystem der Schokoladenfabrik instand und war, wenn er gebraucht wurde, auch an den Wochenenden zur Stelle.

Denn trotz aller sozialen Vorzüge wurde bei Sprengel natürlich fleißig gearbeitet. Zusammen mit einem weiteren Werk in Vinnhorst beschäftigte die Firma in den sechziger Jahren bis zu 1.600 Mitarbeiter; während der Saison in den Monaten vor Weihnachten und Ostern kamen etwa 1.400 Aushilfen, meist Frauen, hinzu. Gearbeitet wurde in Früh- und Spätschicht. Um die Schokolade flüssig zu halten, herrschten in manchen Räumen bis zu 35 Grad. „Im Keller verliefen unter der Decke die Rohre mit der heißen Schokomasse, die sich von dort in die Formen ergoss“, erinnert sich Albert Wehrmaker aus der Eintafelei.

Bei einem Betriebsfest lernte der Schokoladenmacher Gert Sohns 1968 seine Frau Simeri kennen. Zusammen mit zahlreichen anderen „Gastarbeiterinnen“ hatte die junge Griechin damals begonnen, bei Sprengel zu arbeiten. Sie arbeitete in der Abteilung, in der Pralinen mit Schokolade überzogen wurde. Viele andere Frauen standen an den Bändern der Verpackung und legten die Pralinen an den richtigen Platz in der Schachtel. Das Leeren der Säcke mit Kakao, Zucker und Mandeln blieb hingegen schwere Männerarbeit.

„Einen Streik gab es nie“

Die Arbeitnehmervertretung von Sprengel setzte sich aus 21 Mitgliedern zusammen, von denen fünf für diese Aufgabe freigestellt waren. Dazu gehörte auch Karl-Heinz Brede. Weil der Firmenchef Bernhard Sprengel viel Zeit in seine Kunstsammlung investierte, verhandelte Brede im Alltag eher mit den Geschäftsführern des Unternehmens. An große Probleme kann er sich nicht erinnern. „Die Firma zahlte knapp über Tarif, und einen Streik gab es bei uns nie“, berichtet der ehemalige Betriebsrat.

Das Ende der Schokoladenfabrik

Doch 1973 verkaufte Sprengel die Firma an das Unternehmen Nabisco. Der US-amerikanische Konzern setzte auf Billigware – ohne Erfolg, denn Sprengel erlitt damit herbe Verluste. Unter Hans Imhoff, Großaktionär des Süßwarenherstellers Stollwerck, setzte sich die Talfahrt fort. „Charly, kannst Du nicht doch noch was machen?“ wurde Karl-Heinz Brede von manch einem Mitarbeiter gefragt, als schließlich über den Sozialplan verhandelt wurde. „Viele Härten gab es damals und viele Tränen“, sagt Brede. 1980 endete dann die Geschichte der Schokoladenfabrik an der Schaufelder Straße.

Das alte Wir-Gefühl bleibt bestehen

Das alte Wir-Gefühl aber ist geblieben. Bis heute existieren mehrere Gruppen ehemaliger Sprengelaner. Gert Sohns organisiert alle paar Monate Treffen, an denen immer rund 20 ehemalige Mitarbeiter der Fabrik teilnehmen. Die reine Männerrunde zieht dann ihre eigens angefertigten Polohemden im typischen Sprengel-Rot an. Auf der Brust prangt als Firmenlogo der Bienenkorb – ein altes Symbol für den Fleiß, den auch die Mitarbeiter von Sprengel lange Zeit bewiesen haben.

Gerda Valentin

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