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Nord Zwei Welten in einem Kino
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Zwei Welten in einem Kino
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00:15 20.10.2013
Gerald Stiller zwischen altem Filmrollenprojektor (links) und dem neuen Digitalprojektor (über seinem Kopf) im Vorführraum. Quelle: Marcel Schwarzenberger
Nordstadt

Die Digitalisierung der Medienwelt bringt auch Veteranen des Off-Kinos ins Schwitzen. Das „Off“ steht für unkonventionell. Das Kino im Sprengel ist solch ein Kulturbetrieb, der mit Hollywood nachweislich seit 25 Jahren nichts am Hut hat. So lange gibt es dieses Programmkino auf den Nordstädter Sprengelgelände schon. Und obwohl es so schien, dass dort auf ewig die guten alten 35-Millimeter-Filmrollen laufen könnten, so holte der Technikwandel auch das Sprengel-Kinokollektiv ein. Seit kurzem arbeitet das Team auch mit der modernen DCP-Technik. Ohne dieses aus den USA kommenden Format geht in der digitalen Kinowelt kaum etwas.

20.000 Euro für die Anschaffung neuer Technik

Dieser Entwicklung sind nun auch die Kino-Enthusiasten vom Sprengelkino gefolgt. Nicht ohne Bedauern. „Die Körnigkeit einer Filmrolle bietet eine völlig andere Ästhetik“, sagte Gerald Stiller vom Kollektiv bei einer Sondervorführung für den Bezirksrat Nord vorige Woche. Das Gremium hatte einen Zuschuss beigesteuert; wie auch Nordmedia und die Hannover-Stiftung. Gut 20.000 Euro kostete der Einstieg in die digitale Welt. Ein Server samt Kontrollstation und ein digitaler Filmprojektor sind nun im Technikraum des Kinos installiert. Beinahe filigran nehmen sich die neuen Elemente gegenüber den riesigen 35-Millimeter-Projektoren aus den 1960er Jahren aus. Sie sollen auch künftig bleiben. Noch immer drehen Regisseure zuweilen lieber auf Film als nur digital. Und auch ältere Streifen und Klassiker aus der Spielfilm- und Dokumentarszene sollen weitere im Kino laufen. „Wir behalten die alten Geräte; dafür haben wir uns bewusst entschieden“, betonte Stiller.

„Die Zukunft des Programmkinos ist damit gut abgesichert“

So ganz neu ist digitales Filmmaterial im Sprengel allerdings nicht. Schon seit einigen Jahren werden mit einem älteren Beamer auch DVD oder BluyRay abgespielt. Allerdings mit einer Qualität, die heutigen Sehgewohnheiten widerspricht. Vor allem aber kam dem Kinokollektiv nach und nach der Zugang zu den neueren DCP-gerechten Filmen abhanden. Das Kürzel steht für Digital Cinema Package, einem Standard-Abspielformat für digitales Kino. Filmverleiher setzen es weltweit ein und immer mehr Filmfestivals verlangen diesen Standard – diesem Wandel können sich auch Filmemacher nicht entziehen. Sie liefern ihre Filme auf externen Festplatten im modernen Format. Jedes Kino, das diese Technik nicht einsetzen kann, verliert den Zugriff auf neue Streifen. „Wir haben also jetzt ein größeres Potenzial“, sagte Stiller. Die meisten Filme bekommt das Sprengelkino von Filmverleihfirmen. Ohne DCP-Technik würde diese Quelle nach und nach versiegen. Die Zukunft des Programmkinos ist damit gut abgesichert. „90 Prozent der Filme, die wir zeigen wollen, bekommen wir auch“, sagte Stiller. Nicht mehr die Technik, sondern überwiegend Verhandlungen über Leihgebühren entscheiden also künftig, ob ein Film den Weg in die Nordstadt findet. Und auch bei der Finanzausstattung erhofft sich das Kollektiv eine Besserung. Bislang finanziert sich das Kino vor allem über Eintrittsgeld, vereinzelte Spenden oder Preisgeld aus Wettbewerben wie dem niedersächsischen Filmprogrammpreis. „Wir brauchen eine bessere Basis“, sagte Stiller. Derzeit verhandele der Trägerverein, die Film & Video Cooperative, mit der Stadt über eine dauerhafte Förderung.

„Unkonventionelle und sperrige Filme“

Das Sprengelkino soll also dauerhaft zwei Welten miteinander versöhnen: die 35-Millimeter-Fangemeinde und das digitale Kino. Popkornkino darf der Besucher allerdings auch künftig nicht im Sprengel erwarten. Franz Isfort, Kino-Mitarbeiter der ersten Stunde, berichtete, wie vor Jahren die Hannoversche Allgemeine Zeitung das Programm umschrieb: „unkonventionelle und sperrige Filme“. Und das stimme nach wie vor. „Wir laden Filmemacher ein und präsentieren Filme in größeren Zusammenhängen.“ Politische Filme, brandaktuelle Reportagen, Einblicke in Kulturszenen und anspruchsvolle Spielfilme werden laufen. Im Grunde wie seit 1988, als nach der Besetzung des Sprengel-Geländes durch Punks und Linke das Kino in einem improvisierten Kinosaal seinen Anfang nahm. Seit 1991 existiert das Kino in seinen heutigen Räumen. Und zeigt auch lokales Geschehen: Am Sonnabend, 19. Oktober, wird ab 20.30 Uhr mit mehreren Filmen des jüngst verstorbenen Nordstädter Originals Rolf Diederich alias Glöckchen gedacht. Auch Regisseur Peter Hoffmann ist dann dabei.

Marcel Schwarzenberger

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