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Nord Politiker streiten um Nistplätze für Dohlen
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Politiker streiten um Nistplätze für Dohlen
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10:11 19.03.2015
Schöner nisten: Hier finden die Dohlen wieder Platz zum Brüten.
Hannover

„Dohlen sind schlaue Vögel, heißt es. Wenn dem so ist, werden sie auch weiterhin irgendwo Nistplätze finden.“ Wolfgang Neubauer, der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken, kann die Sorge des BUND um den Dohlenbestand in seinem Stadtbezirk nicht nachvollziehen. Durch das Aufstellen von Nistkästen in der Schwarzen Heide und am Klärwerk will der BUND eine bedeutende Restpopulation der Vögel im Stadtbezirk Herrenhausen-Stöcken unterstützen. Für das Projekt hat die Organisation 840 Euro beim Bezirksrat beantragt, 20 Nistkästen könnten davon angeschafft werden. Normalerweise werden solche kleineren Zuwendungen von den Fraktionen ohne große Diskussion einstimmig abgenickt - nicht so die Dohlen-Hilfe.

„Ist es Ihr Vereinszweck, öffentliche Gelder für das Aufstellen von Vogelhäusern zu sammeln?“, ging der CDU-Vorsitzende Vogelschützerin Regine Tantau in der Sitzung harsch an. Die Vertreterin der AG Gebäudebrüter, eine Kooperation von BUND und Naturschutzbund (Nabu) Deutschland, hatte den Politikern ihr Anliegen vorgetragen. Die Dohle, früher in Stöcken und den umliegenden Stadtteilen weit verbreitet, sei dort in ihrem Bestand gefährdet. Ausgerechnet die Sanierungsmaßnahmen, die den Bezirk aus Sicht der Einwohner attraktiver und umweltfreundlicher machen, schaden den Gebäudebrütern. Schornsteine, in denen die Stöckener Dohlen bevorzugt wohnen, sind verschwunden oder werden mit einem Gitter zugesperrt. „Die Vögel verlieren peu à peu ihre Brutplätze“, erklärte BUND-Mitglied Regine Tantau den Antrag.

2012 ergab eine Zählung des Naturschutzbunds, dass in Herrenhausen, Stöcken und Leinhausen noch 25 Dohlen-Paare leben. Neben einer zweiten kleineren Kolonie nahe dem Messegelände sind es die letzten Brutpaare der Stadt. Aus Sicht der CDU-Fraktion ist die Dohlen-Hilfe falsch verstandener Umweltschutz. „Die Nistkästen dienen nicht der Herstellung naturnaher Zustände, sondern dem Aufrechthalten industrieller Zustände“, begründete Neubauer die Gegenstimmen seiner Fraktion. Die Vögel seien als Kulturfolger nach Stöcken gezogen. Dementsprechend sei es natürlich, dass sie weiterzögen, wenn diese Kultur im Zuge der Sanierung und Modernisierung verschwindet. „Wir wollen dafür nicht die knappen Gelder des Bezirksrats opfern,“ so Neubauer.

Die anderen Politiker zeigten wenig Verständnis für die harte Kritik an dem Dohlen-Siedlungsprojekt des BUND. „Der Erhalt der Artenvielfalt ist ein christliches Gebot. Unsere Gelder sind hier gut aufgehoben“, sagte ASH-Einzelvertreter Pierre Rodriguez. Mit 840 Euro bewegt sich die Zuwendung für die Nistkästen durchaus im üblichen Rahmen dessen, was das Gremium monatlich an Einrichtungen aus dem Stadtbezirk verteilt. Am Ende stimmte der Bezirksrat gegen die Stimmen der CDU-Fraktion für den BUND-Antrag. „Die Stadtnatur ist nun mal eine Zweitnatur, an die sich diese Vogelarten seit dem Mittelalter gewöhnt haben. Man kann sie nicht einfach herausschmeißen“, so Tantau. Sie hofft, dass die Dohlen bereits kommendes Jahr in den neuen Nistkästen brüten.

Kolonien sind bedroht

In Stöcken und Umgebung lebt die letzte bedeutende Dohlen-Population der Stadt. Beobachten kann man die kleinen Rabenvögel bei der Futtersuche auf den Rasenflächen zwischen den Nachkriegs-Wohnblocks. Die Dohlen picken auch gerne auf dem Grünstreifen an der Mecklenheidestraße oder auf den Wiesen rund um die Schwarze Heide. Dohlen, die in den Schornsteinen der Häuser am Leinhäuser Bahnhof nisten, gehen auf dem Herrenhäuser Markt oder in den benachbarten Leinewiesen auf Nahrungssuche.

Doch die Kolonien sind bedroht. Kartierungen des BUND belegen einen anhaltenden Abwärtstrend. BUND und Nabu engagieren sich deshalb seit Jahren für das Anbringen von Nistkästen vor verschlossenen Schornsteinen. Hausbesitzer und Wohnungsgesellschaften werden auf das Problem aufmerksam gemacht. Auch an sanierten Gebäuden werden Ersatzbrutplätze geschaffen. In vielen Fällen konnten Dohlen erfolgreich in Nistkästen umgesiedelt werden.

Weltweit betrachtet gilt die Dohle nicht als gefährdet. In Deutschland ist ihre Situation dagegen beunruhigend. In vielen Städten Niedersachsens wurden die Kolonien nach Auskunft des BUND vollständig „wegsaniert“. Auch auf dem Land haben die Vögel Schwierigkeiten, Nistplätze zu finden. Eigentlich bevorzugen sie sehr große Höhlen in Bäumen – doch die sind in der kultivierten Landschaft ebenfalls nur noch schwer zu finden.

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