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Nord Zwischen Brahms und Beatles
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Zwischen Brahms und Beatles
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07:20 21.12.2014
Konzert im Klassenzimmer: Karen Gomyo und Christian Poltéra machen Schülern ihren Beruf erfahrbar. Quelle: S. Steiner
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Hannover

Beatles, Piazolla und Brahms - wie gut das zusammenpasst, erfuhr die Klasse 9b der Goetheschule bei einem Besuch der Violinistin Karen Gomyo und des Cellisten Christian Poltéra. Die Amerikanerin und der Schweizer erzählten der Musikklasse anderthalb Stunden aus ihrem Leben als Profimusiker. Im Rahmen des Projekts „Rhapsody in School“ hatten die Schüler zuvor eine Probe des Brahms-Doppelkonzerts für Violine und Cello a-moll Opus 102 besucht und nach dem Treffen mit den beiden Solisten auch die Aufführung in der Oper. Das Ganze stellt den Auftakt zu einer festen Kooperation des Niedersächsischen Staatstheaters und der Goetheschule dar. Ins Leben gerufen wurde sie von Professor Klaus Peters, der sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für „Rhapsody in School“ engagiert, sowie der Leiterin Musik und Junge Oper, Tamara Schmidt.

Schüler sind neugierig und stellen Fragen

„Sind Sie vor Auftritten nervös?“, lautete eine der zahlreichen Fragen aus den Reihen der Schüler. „Ach, das kommt ganz darauf an, in welcher Verfassung ich bin, ob ich zum Beispiel gut geschlafen habe. Das Wichtigste ist eine gute Vorbereitung“, erklärte Karen Gomyo. „Man weiß nie, wie der Auftritt wird, es ist jedes Mal total neu.“ Christian Poltéra fügte hinzu: „Wir fangen immer wieder von null an, genauso wie Schauspieler oder Sportler. Es ist eine große Herausforderung für den Kopf, die aber auch sehr viel Spaß macht.“ Beide Musiker sind international renommiert und spielen mit namhaften Orchestern. Bei ihrem Besuch beantworteten sie die Fragen der wissbegierigen Schüler geduldig mit viel Humor - und sehr offen: „Ich habe einmal in einer kurzen Pause zwischen zwei Sätzen mein Cello gestimmt und nicht so schnell bemerkt, dass das Orchester schon mit dem nächsten Satz begonnen hatte“, verriet Poltéra, und Karen Gomyo ergänzte: „Mir ist das Schlimmste überhaupt passiert: Ich bin auf der Bühne in Ohnmacht gefallen.“

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Ausschnitte aus dem Repertoire

Die beiden vermittelten viel Wissenswertes zu dem Brahms-Konzert und spielten Ausschnitte aus ihrem Repertoire vor. Dabei zeigten sie anschaulich, was Brahms mit der Neuschöpfung der „großen Violine“ als Verbindung von Cello und Violine gemeint hat. „In diesem Konzert wird die gesamte Bandbreite beider Instrumente ausgeschöpft, vom tiefsten Ton des Cellos bis zum höchsten Ton der Geige - und das hört sich dann wie ein neues Instrument an“, erklärte Christian Poltéra, und beide griffen zu ihren Bögen und spielten los. Tosender Applaus auch für Gomyos Astor-Piazolla-Darbietung. Die Violinistin hat aber auch andere Neigungen: „Ich bin Beatles-Fan und liebe Jazzsängerinnen wie Ella Fitzgerald oder Billy Holiday. Gute Musik ist gute Musik, ganz egal aus welcher Richtung.“

Den beiden Profimusikern machte es sichtlich Spaß, ihr Wissen weiterzugeben. „Ich bin selbst im Alter von acht Jahren über so eine Schulveranstaltung zu meinem Instrument gekommen“, erläuterte Poltéra. Warum sie Musiker geworden seien, wenn das doch finanziell eine so unsichere Sache ist, wollte eine Schülerin wissen. „Es hält die Kreativität wach, wenn man nicht hundertprozentig abgesichert ist“, erklärte Karen Gomyo. Und das bedeute auch, in verschiedenen Formationen zu spielen, im großen Orchester, in Quartetten oder auch als Solist. „Wenn ihr Musiker werden wollt, müsst ihr Musik von ganzem Herzen lieben. Und ihr solltet Neuem gegenüber offen bleiben - Musik ist so vielseitig!“

Von Sonja Steiner

Bärbel Hilbig 17.12.2014