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Nord Protestanten unter einem Dach
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Protestanten unter einem Dach
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11:55 14.03.2015
Treffpunkt für Gläubige: Der Rohbau der neuen Vahrenwalder Kirchengemeinde steht. Derzeit läuft der Innenausbau. Quelle: Marcel Schwarzenberger
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Vahrenwald

Die alte Orgel wurde nach Spanien verkauft, das Gemeindezentrum mit dem Kirchsaal abgerissen: Passiert so etwas in Hannover, liegt das oft im Sparzwang der evangelischen Landeskirche begründet und bedeutet meist auch das Aus für die betroffene Gemeinde. Nicht so bei der Vahrenwalder Kirchengemeinde. Die gab ihr großes Domizil zugunsten eines kleineren Neubaus auf. Und dort bezieht sie gewissermaßen eine Wohngemeinschaft mit der hannoverschen Filiale der Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG). Nachdem der Einzug wegen Verzögerungen im Bau mehrfach verschoben wurde, steht der Einweihungstermin jetzt fest - am 26. April wird gefeiert.

Der Neubau hat inzwischen auch einen Namen: Evangelischer Treffpunkt. Und der ist Programm, denn mit der Vahrenwalder Kirchengemeinde und der LKG nutzen zwei evangelische Institutionen gemeinsam die Räumlichkeiten und den neuen Sakralraum. „Nur unsere Büros sind getrennt“, sagt der Vahrenwalder Pastor Eckhard Gruber. Seine Gemeinde umfasst rund 3300 Mitglieder. Die Gruppen, die Projekte von Ehrenamtlichen und die meisten Aktivitäten sollen weiterlaufen. Allerdings musste die Gemeinde aus Platzgründen ihre Kleiderkammer für Bedürftige aufgeben. Das alte Gemeindehaus, 1950 von den Vahrenwaldern in Eigenregie erbaut, umfasste noch rund 1300 Quadratmeter Nutzfläche. Der Neubau ist mit etwa 800 Quadratmetern deutlich kleiner. Kosten für die Bauunterhaltung, aber auch für Strom und Wärme sollen mit dem Neubau gespart werden. Der erhebt sich inzwischen an der Vahrenwalder Straße. Dort glänzt bald ein in die graue Klinkerfassade eingelassenes Kreuz.

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Gut 2,4 Millionen Euro kostet das Vorhaben. Die Landeskirche und der Stadtkirchenverband übernehmen gemeinsam ein Drittel. Ein weiteres Drittel brachte die Vahrenwalder Gemeinde durch den Verkauf von zwei Grundstücken an die benachbarte Seniorenresidenz Vahrenwald auf. Die Nachbarn haben das alte Pfarrhaus übernommen und nutzen es als Wohnraum. Auch die Fläche mit dem Gemeindehaus ging an die Einrichtung. Die soll später erweitert werden. Ein Teil des alten Gemeindehauses wurde bereits abgerissen. Den verbliebenen Raum nutzt die Gemeinde noch als Büro und für die Gottesdienste. Pastor Gruber zog wiederum in ein Haus mit Dienstwohnungen um, das der Gemeinde erhalten bleibt. Eine neue Orgel werde man nicht anschaffen, sagt Gruber. „Wir haben einen Flügel und ein Keyboard für unsere Gottesdienste.“ Die alten Glocken indes, die im 13. Jahrhundert gegossen wurden, finden auch im Neubau wieder Verwendung.

Das letzte Drittel der Baukosten trägt die Landeskirchliche Gemeinschaft. Die hatte bereits 2013 ihr Haus an der Edenstraße 39 verkauft, das früher der Markusgemeinde gehörte. Davon zeugt noch immer die Figur eines Löwen - Symbol für den Evangelisten Markus - an der Fassade. An der Edenstraße will ein Privatinvestor demnächst Wohnungen bauen. Die LKG, eine freie Bewegung von Christen innerhalb der evangelischen Landeskirche, entstand vor gut 100 Jahren. „Sie entwickelte sich aus Bibelkreisen“, erklärt Peter Oetjen, Vorstand des LKG-Vereins Hannover. Dieser umfasst etwa 130 Mitglieder aus Stadt und Region. Viele seien zusätzlich mit ihren Heimatgemeinden verbunden, sagt Oetjen.

Die LKG hatte bereits nach neuen Räumen Ausschau gehalten, als der Vahrenwalder Pastor bereits Jahre vor dem Start der Bauarbeiten wegen der Gründung einer Hausgemeinschaft vorsprach. Beide Institutionen pflegen schon lange regen Austausch. „Wir bringen viele Angebote mit“, sagt Oetjen. Dazu zählen unter anderem eine intensive Jugendarbeit, eine offene Hausaufgabenhilfe, aber auch internationales Flair. LKG-Prediger Michel Youssif stammt aus Ägypten und hat eine Gruppe für Menschen mit arabischen Wurzeln gegründet. Anfang Februar zog die LKG aus ihrem Haus in der List aus und nutzt derzeit die provisorischen Räume der Vahrenwalder Gemeinde mit.

Von Marcel Schwarzenberger

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