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Nord Radler sollen runter vom Gehweg
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Radler sollen runter vom Gehweg
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10:59 18.11.2010
Von Kristian Teetz
Gastronomen fordern einen Radweg am Engelboster Damm in Hannover, damit die Radler runter vom Gehweg kommen.
Auf der Straße fühlen sich viele Radfahrer nicht sicher. Quelle: Teetz
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Die Situation auf dem E-Damm ist verfahren. Ein Radweg fehlt, aber weil sich viele Radler unsicher und als Bremser für den Autoverkehr missbraucht fühlen, weichen sie auf den Bürgersteig aus. Dort stehen zumindest im Sommer viele Tische von Restaurants, Cafés und Kneipen.

Als sich Oberbürgermeister Stephan Weil im April dieses Jahres die Nordstadt bei einem Stadtteilspaziergang genauer betrachtete, wurde ihm die Situation schlagartig bewusst. „Auch ich musste während meines Rundgangs einem Radfahrer ausweichen“, sagte er anschließend gegenüber dieser Zeitung. Er kündigte Konsequenzen an: „Das müssen wir nochmal überdenken, darüber habe ich auch schon die Bauverwaltung informiert.“

Heiko Heybey hat verschiedene Vorschläge, wie die Situation entschärft werden könnte: „Die beste Lösung wäre natürlich, einen Radweg anzulegen und ihn mit weißer Abgrenzung, roter Farbe und einem Fahrradsymbol zu kennzeichnen.“ Das sei aber aus rechtlichen Gründen nicht möglich, denn der E-Damm sei einfach zehn Zentimeter zu schmal.

„Es muss irgendeine unbürokratische Lösung geben, an deren Ende so etwas Ähnliches wie ein Radweg steht – und wenn er nur ein paar Zentimeter schmaler ist als die vorgegebene Breite“, meint Heybey. Außerdem wäre es hilfreich, deutlich zu kennzeichnen, dass auf dem E-Damm Tempo 30 vorgeschrieben ist: „Die Schilder sind schwer zu sehen.“ Ein Auto, das mit 30 Kilometern pro Stunde fahre, bedränge einen Radfahrer weniger als ein Auto, das mit Tempo 40 unterwegs sei.

Auch der Polizei ist das Problem schon lange bekannt. „Wir kontrollieren dort in unregelmäßigen Abständen, ob Radler auf dem Gehweg fahren“, sagt Polizeisprecherin Ulrike Junga. Die Beamten würden vor allem dann tätig, wenn sich die Beschwerden häuften. Zahlen darüber, wie viele Radfahrer pro Kontrolle erwischt werden, kann sie nicht nennen.

Auf der Lister Meile, auf der die Polizei seit geraumer Zeit regelmäßig kontrolliert, sprechen die Beamten 120 Verwarnungen pro Monat aus. Akuten Handlungsbedarf sieht die Polizei in der Nordstadt allerdings nicht. „Wir verzeichnen keine nennenswerten Unfälle“, sagt Junga.

Das sieht Heiko Heybey anders. „Es gab hier zwar noch keine Schwerverletzten. Aber egal, welchen Gastronomen man fragt: Jeder kann etwas über Unfälle zwischen Radfahrern und Servicekräften erzählen.“ Er wolle aber klarstellen, dass er nichts gegen Kinder oder ältere Menschen habe, die aus Sicherheitsgründen auf dem Gehweg radeln: „Die verhalten sich ja auch in den allermeisten Fällen rücksichtsvoll.“

Ein runder Tisch soll nun helfen, die Probleme zu lösen. An ihm sollen nach Aussage von Stadtsprecher Dennis Dix unter anderem die Stadt, die Polizei, der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) und Heiko Heybey als Vertreter der Geschäftsleute sitzen.