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13:47 23.01.2014
Von Kristian Teetz
Foto: Am Freitag hat die Region ein Storchennest in Stöcken aufstellen lassen.
Am Freitag hat die Region ein Storchennest in Stöcken aufstellen lassen. Quelle: Florian Petrow
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Stöcken

 Zunächst war die Begeisterung im Frühsommer dieses Jahres groß, die Enttäuschung danach ebenso. Erfreute Anwohner der Alten Stöckener Straße hatten sich beim Stadt-Anzeiger gemeldet und berichtet, dass Jungstörche in ihrer Nachbarschaft auf dem Schornstein eines Mehrfamilienhauses ihr Nest bauen. Dann die Ernüchterung: Aus Sicherheitsgründen musste die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen als Eigentümerin des Hauses das Nest zerstören. Am vergangenen Freitag nun hat die Region auf einer Pferdeweide in der Nähe des ehemaligen Nests einen Holzstamm mit Mastkorb aufgestellt und hofft, dass die Störche nach dem Winter in den Stadtteil zurückkehren.

Laut dem Naturschutzbeauftragten der Region für Störche, Reinhard Löhmer, stehen die Chancen gut für eine Rückkehr der Vögel. „Wenn sie den Winter im Süden überleben, ist es sehr wahrscheinlich. Störche sind zwar nicht partnertreu, gelten aber als ausgesprochen ortstreu.“ Masthilfen wie die in Stöcken würden gern von den Störchen bezogen. Aber auch wenn das Stöckener Weißstorchpaar nicht wiederkommt oder einen anderen Ort aufsucht, wird das neue Nest voraussichtlich nicht leer bleiben. „Wir beobachten seit einigen Jahren einen dynamischen Anstieg der Storchenpopulation in der Region“, sagte Löhmer. Ende der achtziger Jahre seien nur noch acht Paare in Hannover und Umland gezählt worden. „Heute sind es 40.“ Im Stadtgebiet allerdings leben nur zwei Störche in Wülfel - und demnächst vielleicht zwei in Stöcken.

Stöcken hat ein neues Storchnest bekommen.

„Dass es in Stöcken Störche gab, liegt mindestens 100 Jahre zurück“, sagte Löhmer. Dass sich die beiden Jungvögel dort angesiedelt hatten, liegt laut dem Experten am Hochwasser des vergangenen Jahres. „Hier in der Masch waren zahlreiche tote Mäuse und Maulwürfe zu finden, die vor dem Wasser geflohen sind.“ Störche seien auch Aasfresser. „Aber auch Fische konnten sich die Störche aus den Mulden holen, die nach dem Hochwasser zurückgeblieben sind.“

Zehn Meter hoch ragt das neue Zuhause der Störche in den Stöckener Himmel. In zwei Meter Tiefe ist der Stamm im Boden verankert. Rings um den Mastkorb wurden Zweige geflochten. „Das dient als Basis für den weiteren Nestbau“, sagt Reinhard Löhmer. Zudem werde die Firma Heinemeier, die den Mast errichtet hat, in den kommenden Tagen noch mithilfe eines Hubwagens Rollrasen im Korb auslegen. „Das machen wir, damit die Störche nicht auf blankem Holz landen“, erklärt der Storchenbeauftragte.

Wann die Tiere von ihrer Reise in warme Regionen dieser Erde zurückkehren, hängt von ihrer Reiseroute ab. Man habe im vergangenen Jahr nicht feststellen können, ob es sich bei den beiden um westziehende oder ostziehende Störche handelt. Störche fliegen um das Mittelmeer herum, um in ihr Winterquartier in Afrika zu gelangen. Die „Oststörche“ ziehen über den Bosporus und die Sinaihalbinsel nach Ost- und Südafrika. Die „Weststörche“ fliegen an Gibraltar vorbei in den Senegal oder Tschad. Die ersten westziehenden Störche kommen bereits um den 20. Februar zurück. Wer die andere Route nimmt, lässt sich ein wenig mehr Zeit und wird erst Ende März, Anfang April zurückerwartet.

Reinhard Löhmer hofft, dass sich die Tiere auf der Pferdeweide wohlfühlen werden. Die Region hat sich den Bau des Mastkorbs 1500 Euro kosten lassen, die Stadt hat das ihr gehörende Grundstück zur Verfügung gestellt. Wenn die beiden Stöckener Störche oder zwei ihrer Artgenossen das Nest annehmen und mit dem Ausbau beginnen, für den sie bis zu eineinhalb bis zwei Meter lange Zweige verarbeiten, geht es dann im kommenden Frühjahr ganz schnell. „Innerhalb von zwei Wochen sind die Störche so weit, dass sie brüten können“, sagte Löhmer.

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