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Nord Rollstuhlfahrer besichtigen das Kraftwerk
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Rollstuhlfahrer besichtigen das Kraftwerk
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13:15 03.11.2011
Der Sprecher des Unternehmens Carlo Kallen zeigt einen Teil der Verbrennungsanlagen im Stöckener Gemeinschaftskraftwerk. Quelle: Link
Stöcken

Zum ersten Mal hat eine Gruppe von Rollstuhlfahrern das Gemeinschaftskraftwerk Hannover (GKH) in Stöcken besucht. Auf Anfrage der Selbsthilfegruppe Multiple Sklerose Erkrankter (MSE) aus der Südstadt organisierte der Enercity-Besucherservice eine Tour für Gehbehinderte durch das größte Elektrizitätswerk der Stadt. Obwohl einige Bereiche des Kraftwerks nur über Treppen zu erreichen sind, konnten die Rollstuhlfahrer viele Teile der Anlage besichtigen.

„Das ist das erste Mal, dass wir das Kraftwerk mit Rollstuhlfahrern besuchen“, sagte Tourleiter Matthias Faflik. In mehr als 20 Jahren habe er schon hunderte Gruppen durch die Anlage geführt, bisher hätten sich aber noch keine Gehbehinderten mit einem Besuchswunsch an ihn gewandt. „Dabei war es gar nicht so schwer, eine Route zu finden, bei der es keine Treppen gibt. Wir haben viele Fahrstühle“, erläuterte Faflik. Pro Jahr leitet er rund 120 Führungen. Etwa die Hälfte der Besuchergruppen seien Schulklassen, die andere Hälfte Vereine und sonstige Institutionen. „Ich habe Stammkunden unter den Lehrern, die mich teilweise seit 15 Jahren kennen“, berichtete der Diplom-Ingenieur.

Wie alle anderen Führungen auch begann der Rundgang der MSE-Selbsthilfegruppe mit einer Erfrischung im Aufenthaltsraum des Gemeinschaftskraftwerks. Dort erzählte Faflik einiges zur Geschichte und Bauweise des Kraftwerks, außerdem erklärte er anhand eines Modells, wie die Anlage Wärme und Strom produziert. Danach zeigte der Experte die wichtigsten Teile des Kraftwerks, etwa die Hochdruckdampfkessel oder den Kontrollraum.

Einige Bereiche wie der Kühlturm oder die Kohlemühlen, wo die angelieferte Steinkohle staubfein für die Verbrennung zermahlen wird, waren für die Rollstuhlfahrer allerdings nicht zugänglich. Am Ende hatten die Besucher aber nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. „Es war hochinteressant“, fand Christel Lüken. Das Mitglied der Selbsthilfegruppe hatte sich schon im Vorfeld über das Kraftwerk informiert. „Dass man so viel sehen kann, habe ich mir aber nicht vorgestellt“, sagte sie und lobte den Besucherservice. Auch Stefanie Amme war nach der Führung beeindruckt: „Es war sehr interessant und spannend.“

Die Selbsthilfegruppe Multipler Sklerose Erkrankter ist im Servicehaus „Gisela Richter“ in der Südstadt ansässig. „Wir haben etwa 40 Mitglieder, davon sind 15 von der Krankheit betroffen“, erläuterte Gruppensprecher Christian Moßig, der ebenfalls an der Nervenkrankheit leidet. Die Gemeinschaft veranstaltet regelmäßig Ausflüge zu interessanten Orten in der Region. Moßig überraschte bei dem Besuch ins Kraftwerk vor allem die schadstofffreie Luft. „Fast keiner der aufgesuchten Räume war umweltbelastet“, wunderte er sich. Dabei verbrennt das Kraftwerk laut Faflik 100 Tonnen Steinkohle pro Stunde, um in der gleichen Zeit bis zu 425 Megawatt Wärme und 230 Megawatt Strom zu produzieren. Die Rauchgasreinigung sei jedoch sehr effektiv. „Die Elektrofilter halten 99,8 Prozent des Staubs zurück“, erläuterte Faflik.

Das Gemeinschaftskraftwerk Stöcken wurde 1987 fertiggestellt. Es gehört zu 15,3 Prozent der VW-Kraftwerksgesellschaft und zu 84,7 Prozent den Stadtwerken Hannover. Bis 2010 gehörte auch Continental zur Kraftwerksgesellschaft, bis die Firma wegen der Teilschließung des Stöckener Werks ausstieg. „In diesem Kraftwerk wird etwa die Hälfte des Stroms für Hannover produziert“, sagte Enercity-Sprecher Carlo Kallen. Das Kraftwerk wird mit Steinkohle betrieben. 90 Prozent dieser Kohle kommen mit dem Schiff, der Rest per Bahn. 120 Mitarbeiter halten das Kraftwerk dauerhaft in Betrieb. Nur etwa alle zehn Jahre wird die Anlage zur sogenannten großen Revision für etwa drei Wochen komplett heruntergefahren, berichtete Kallen. Dann würden jedes Mal bis zu zehn Kilometer Rohre ausgetauscht. Dazu kommt es aber erst wieder 2018.

Nicht ganz so lange müssen interessierte Besuchergruppen auf eine Führung im GKH Stöcken warten. Für das laufenden Jahr hat Faflik allerdings keine Termine mehr offen. Unter der Rufnummer 43 02 607 können aber Führungen für das Jahr 2012 vereinbart werden.

Christian Link

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