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Nord Stadt bittet Punks und Kleingärtner zum Gespräch
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Stadt bittet Punks und Kleingärtner zum Gespräch
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13:50 16.10.2014
Von Bärbel Hilbig
Astrid Schepers (Mitte) vermittelt zwischen Kleingärtnern (vorne) und Punks.
Astrid Schepers (Mitte) vermittelt zwischen Kleingärtnern (vorne) und Punks. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Punks und Kleingärtner, die in der Voltmerstraße Nachbarn werden sollen, haben sich zum ersten Mal getroffen. Die Stadt hatte vergangene Woche auf das Gelände eingeladen, das sie den neun Bauwagenbewohnern vermieten will. Manche Anlieger schreckt die Aussicht auf junge Leute mit Nieten und Irokesenschnitt im eigenen Umfeld nun nicht mehr. Andere bleiben skeptisch.

Rentner Peter Walter betont, er sei nach wie vor gegen den Umzug der Gruppe, die bisher beengt und unter schlechten hygienischen Bedingungen am Burgweg lebt. Der 79-Jährige verbringt viel Zeit in seinem liebevoll ausgestalteten Garten und ärgert sich wie fast alle Anrainer, nicht frühzeitig von der Stadt informiert worden zu sein. Doch immerhin kam Walter mit fünf zum Treffen erschienenen Bauwäglern direkt ins Gespräch und räumte später ein: „Man könnte sie zur Not akzeptieren.“ Dennoch sorgt der Senior sich weiterhin, nicht alle aus der Gruppe könnten solche „Vorzeige-Punks“ sein. Auch die vorher gefürchteten Hunde der Punker punkteten bei manchen Nachbarn und ließen sich bereitwillig streicheln.

Etliche Grundstücke im Umfeld des künftigen Bauwagenplatzes gehören der Unternehmerfamilie Fleck, deren Firma bereits seit 1935 in Hainholz ansässig ist. „Wir fühlen uns richtig überrumpelt. Wir haben uns gefreut, dass unser Problemstadtteil jetzt aufgewertet wird - und auf einmal haben wir die Punker vor der Nase“, sagt Senior Hans-Hermann Fleck, ehemals Geschäftsführer der Gebrüder Fleck GmbH für Spezial­tiefbau. Die Familie hat Büros, Gebäude und Lageflächen zum Teil an andere Firmen vermietet. Eine abgestimmte Meinung der gesamten Unternehmerfamilie gebe es bisher nicht, sagt Hans-Hermann Fleck. Sein Cousin wohnt direkt mit Sicht auf das Gelände, das die Stadt den Punks vermieten will.

„Ich verstehe, dass Menschen sich anders anziehen und damit abgrenzen. Sie sollen auch unterstützt werden“, betont der Unternehmer im Ruhestand. Allerdings gefällt ihm der Zustand des Bauwagenareals im Burgweg ohne Sanitäranlagen und Müllentsorgung ganz und gar nicht. „Die Stadt hat dort nicht für vernünftige Verhältnisse gesorgt. Wir wollen keinen Maschendrahtzaun mit Plane, die der Wind zerfetzt“, sagt Fleck. Ihm schweben ein zwei Meter hoher solider Zaun oder eine Hecke als Blickschutz vor. Bisher ist ein 1,80 Meter hoher Zaun geplant. „Diese Einfriedung muss auf jeden Fall vor dem Umzug stehen“, betont Bezirksbürgermeisterin Edeltraut Geschke. Sie und Stadtbezirksmanagerin Astrid Schepers hätten allen Beteiligten angeboten, bei Problemen sofort als Vermittler vor Ort zu sein. Angelika Jagemann, Chefin der CDU-Bezirksratsfraktion, kritisiert, dass die Anlieger nicht früher einbezogen wurden. „Wir sind nicht gegen die Punks. Aber es ist das Mindeste, die Nachbarn einzubinden.“

Eine Anliegerin, die im Sommer mit ihrer Familie „jede schöne Minute“ im Kleingarten verbringt, sieht den neuen Nachbarn nach dem Treffen entspannter entgegen. Sauberkeit, ein Zaun, damit die Hunde der Punks nicht streunen, und ein niedriger Geräuschpegel seien ihr wichtig. Es müsse Konsequenzen geben, falls die verabredeten Auflagen nicht eingehalten würden. „Es ist gut, dass wir uns kennengelernt haben. Ich kann nachvollziehen, dass die Leute vernünftig wohnen wollen“, sagt die Frau.

Die Punks hoffen unterdessen, bald umziehen zu können. So schnell wie möglich, sagt einer aus der Gruppe. „Es wird nasser und kälter. Im Winter haben wir gar kein Wasser am Burgweg.“

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