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Nord Stilvolles neues Domizil für Künstler
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Stilvolles neues Domizil für Künstler
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15:16 20.12.2014
Endlich Platz für Ausstellungen: Franz Betz, Werkbund-Nord-Vorsitzender, ist froh über die neuen Räume. Quelle: Godeck
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Hannover

Die Bäume kahl, der Himmel grau, und überhaupt wenig Leben - der Georgengarten kommt in diesen Tagen arg trostlos daher. Für Franz Betz kein Grund, sich davon irgendwie anstecken zu lassen. Sichtlich zufrieden blickt er durchs Fenster in die Weiten der Grünanlage und sagt Sätze wie: „Hier sind wir viel sichtbarer“, oder: „Nun haben wir viel mehr Tageslicht.“

Betz ist Lichtbildhauer und seit einem Jahr Vorsitzender des Deutschen Werkbundes Nord. Was er meint, ist nicht der karge Stadtpark, sondern das neue Domizil seines Vereins und dessen Lage: Eine schicke Villa – direkt an der Nienburger Straße gelegen – mit bester Anbindung dank Stadtbahn sowie in unmittelbarer Nähe zu Universität und Herrenhäuser Gärten. „Öffentlichkeit und gute Erreichbarkeit sind für uns sehr wichtig“, sagt Künstler Betz.

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Doch nicht nur die Lage, auch die neuen Räumlichkeiten selbst sieht das Kulturnetzwerk als echten Gewinn an. Die imposante weiße Villa von anno 1895 scheint nicht nur von außen ideal zum Werkbund zu passen, für den Ästhetik ein Leitmotiv darstellt. Neben einem Lagerraum im Keller bietet die neue Zentrale in der Nordstadt einen stilvollen Büroraum mit Parkettboden, Stuck an der Decke und einem eleganten Kronleuchter. Und vor allem können die Kulturschaffenden um Franz Betz und Co. in ihrem neuen Domizil nun Ausstellungen, Vorträge und Empfänge ausrichten. Platz dafür bieten das große Foyer sowie ein alter Amtsgerichtssaal.

Umzug aus der List

In ihrer alten Geschäftsstelle war das anders. Neun Jahre lang befand sich diese am Holzgraben in der List, genauer in einem Kellergeschoss. „Wir waren dort im Souterrain untergebracht“, berichtet Betz. Dadurch sei nur wenig Tageslicht in die Räume gedrungen, so der Mann mit der neonfarbenen Hornbrille. Für Ausstellungen fehlte der Platz. Weil der dortige Vermieter Eigenbedarf geltend machte, musste sich das Kulturnetzwerk eine neue Bleibe suchen. „Durch die gute Vernetzung fiel uns das nicht schwer“, sagt der 51-jährige Werkbund-Vorsitzende. Vor gut zwei Monaten schließlich ist der Umzug über die Bühne gegangen.

Lichtbildhauer Betz hat eine genaue Vorstellung davon, was die neue Werkbund-Zentrale sein soll: „Hier soll ein kreatives Zentrum entstehen.“ Ein erster Beitrag dazu lässt sich derzeit im Foyer der Villa bestaunen: Noch bis 21. Dezember läuft dort die Kalligraphie-Ausstellung des bekannten Künstlers Prof. Hans Burkhardt. Die Besucherresonanz sei äußerst positiv, berichtet Betz. „Wir haben einen guten Start hingelegt.“ Gut möglich, dass die nächsten Veranstaltungen ähnlich ablaufen - Ambiente und Lage sprechen dafür.

Verein mit viel Tradition

Der Deutsche Werkbund e. V. als Zusammenschluss von Künstlern, Architekten und Stadtplanern blickt auf eine lange Tradition zurück. Gegründet im Jahr 1907 wirkte der Verein um die zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts wesentlich an der Entstehung des Bauhauses unter seinem prominenten Mitglied Walter Gropius mit. Von den Nazis zerschlagen, konstituierte sich der Werkbund nach dem Krieg mit föderalen Strukturen neu.

1946 entstand der Deutsche Werkbund Nord für die norddeutschen Bundesländer sowie Sachsen-Anhalt. Der Werkbund Nord ist keine typische Berufsvereinigung, sondern ein programmatischer Zusammenschluss von verschiedenen Akteuren wie Künstlern, Architekten, Stadtplanern oder auch Journalisten. Das Leitmotiv des Kulturnetzwerks: Ästhetik, Umwelt- sowie Gebrauchs- und Sozialtauglichkeit in Einklang bringen. Nachhaltigkeit und eine verantwortliche Gestaltung der Umwelt spielen dabei eine zentrale Rolle. Dem Werkbund Nord mit Sitz in Hannover gehören zurzeit 170 Mitglieder an, die in den Verein berufen wurden.

Die gemeinnützige Organisation finanziert sich vorwiegend über Mitgliedsbeiträge. Die Kommunikation findet über Ausstellungen, Vorträge oder auch Exkursionen statt. Konkret beteiligt sich der Werkbund Nord zurzeit am Zukunftsdialog „Mein Hannover 2030“.

Bärbel Hilbig 17.12.2014
Bärbel Hilbig 17.12.2014