Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Nord Stöckener Kirche wird unter Protest entwidmet
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Stöckener Kirche wird unter Protest entwidmet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 28.01.2019
Der letzte Gottesdienst: St. Christophorus in Stöcken wird durch das Bistum Hildesheim entwidmet und nach Auflösung des Inventars abgerissen.
Stöcken

Aufgereiht vor dem Eingang der St. Christophorus Kirche in Stöcken strecken sie ihre gelben Schilder in die Höhe. „Bischof schließt letzte Kirche in Stöcken“, steht auf den sieben Plakaten geschrieben. Wer kein Schild hält, trägt ein rot schimmerndes Teelicht und setzt so ein stilles Zeichen des Protests gegen die Entwidmung der Kirche, die erst vor einer Woche ihren 60. Geburtstag feierte.

„Wir sind definitiv nicht mit der Schließung einverstanden“, sagt Thomas Poloczek, Gemeindeleiter der St. Christophorus Gemeinde, der heute als Privatperson ein gelbes Protestplakat in die Höhe hält. Während die über dreißig Gemeindemitglieder ihren Unmut gegen die bereits 2009 vom Bistum Hildesheim beschlossene Profanierung kundtun, hört sich Weihbischof Dr. Nikolaus Schwerdtfeger nur wenige Meter entfernt die Belange der Stöckener an. Milde lächelnd bemüht sich der Bischof, die Kirchenmitglieder zu besänftigen. Mit wenig Erfolg.

Nicht alle Gemeindemitglieder sind mit der Entscheidung des Bistums einverstanden und protestieren vor der Kirche. Quelle: Villegas

„Warum gerade dieser Standort gewählt wurde, kann nicht einmal der Bischof beantworten“, sagt Astrid Wegmann, die selbst im Kirchenvorstand sitzt. Die abnehmenden Mitgliedszahlen sieht Wegmann nicht als ausreichende Begründung des Bistum Hildesheims, sich für die Schließung der letzten christlichen Gemeinde in Stöcken zu entscheiden. Mit ihrem Unverständnis ist sie nicht alleine. „Wir haben der Klassifizierung nicht zugestimmt“, kritisiert Pfarrgemeinderatsvorsitzender Ulrich Müller das Vorgehen des Bistums bei der Auswahl der Kirchenschließung. „Die Kirche mag klein sein, aber sie ist lebendig.“

Während etwa 150 Personen Bischof Schwerdtfeger in die Kirche folgen, bleiben die Protestierenden vor der Kirche, trinken Glühwein und essen Würstchen. „Wir haben uns bereits sehr emotional beim Festgottesdienst in der letzten Woche verabschiedet“, sagt Poloczek. Statt des Abschieds steht für ihn im Vordergrund, ein letztes Zeichen für die Kirche an der Moosbergstraße zu setzen.

„Heute ist uns schwer ums Herz, denn es ist Zeit, Abschied zu nehmen“, predigt Bischof Schwerdtfeger, der dem Protest vor der Kirche mit Verständnis begegnet. „Es wäre kein Grund zur Freude, würde sich niemand für die Kirche engagieren. Der Protest ist ein Zeichen des Glaubens.“ Ändern tut sein Lob allerdings nichts. Nach dem etwa einstündigen Gottesdienst wird das ewige Licht, ein Symbol der Gegenwart Gottes, gelöscht. Reliquien, Blumengestecke und Kerzen werden fortgetragen. Zurück bleibt ein leerer Altar.

Tränen fließen während der Profanierung vor und hinter den Türen der Kirche. „Es ist wirklich schlimm für mich“, sagt Uta-Maria Niländer, die 1952 in Stöcken geboren wurde und die Anfänge der Kirche im Jahr 1959 begleiten konnte. „Ich habe lange Zeit direkt neben der Kirche gewohnt, die für mich zum Zuhause wurde. Mit ihr wird mir ein Stück Heimat genommen.“ Ersetzt wird ihr zweites Zuhause durch Wohnungen des Heimatwerkes, darunter auch Sozialwohnungen. Wohin sich die Gemeindemitglieder nach dem im April geplanten Abriss aufteilen, bleibt unklar. „Nicht alle von uns werden in die nahe gelegene St. Adelbert Kirche wechseln“, erklärt Gemeindemitglied Bianca Henke mit geröteten Augen. „Unsere Wege trennen sich nach diesem Abend. Ob und wo wir wieder zueinander finden, wissen wir nicht.“

Von Nina Hoffmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Mehr als ein Jahr lang musste die Herrenhäuser Kindertagesstätte auf eine Baugenehmigung warten. Nach einem Zeitungsbericht ging alles plötzlich schnell. In wenigen Wochen sollen fast 25 Kinder einen Betreuungsplatz im neu ausgebauten Obergeschoss antreten können. Die Eltern atmen auf.

23.01.2019

Nach 60 Jahren heißt es Abschied nehmen: Mit ihrem Festgottesdienst zum Jubiläum, feiert die St. Christophorus Gemeinde die vergangene sechs Jahrzehnte.

20.01.2019

Sind die alten Enercity-Gebäude an der Glocksee erst mal abgerissen, müssen 400 Lkw-Ladungen Bauschutt vom Gelände geschafft werden. Eine Anwohnerin des angrenzenden Wohngebiets befürchtet enorme Belastungen.

17.01.2019