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Nord Störfall-Broschüre verunsichert Anwohner
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Störfall-Broschüre verunsichert Anwohner
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14:49 25.03.2011
Laut Gewerbeaufsicht sind die Abgase der Kunstharz-Fabrik harmlos.
Laut Gewerbeaufsicht sind die Abgase der Kunstharz-Fabrik harmlos. Quelle: Christian Link
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Mit einer Broschüre über das richtige Verhalten bei Störfällen wollte die Chemiefabrik Hüttenes-Albertus in Vinnhorst für mehr Sicherheit sorgen. Bei einigen Nachbarn im Stadtteil sorgte das Informationsheft aber eher für Verunsicherung. Viele Anwohner reagierten mit Misstrauen auf die Verhaltensempfehlungen, sie vermuteten eine erhöhte Gefahr für Störfälle. Der Werksleiter von Hüttenes-Albertus, Jörn Küper, beruhigt: „Wir erfüllen alle gesetzlichen Auflagen.“

Diese haben sich für Hüttenes-Albertus seit 2009 deutlich verschärft. Denn das Unternehmen baute eine neue Anlage und konzentrierte seine Produktion von Kunstharz in Hannover. In Nordhafen stellt es pro Jahr nun 55 000 Tonnen davon her; zuvor waren es 30 000. Seitdem fällt der Betrieb unter die sogenannte Störfallverordnung im Rahmen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, die den Unternehmen zahlreiche Pflichten auferlegt. Die Verordnung gilt für Firmen, die große Mengen an gefährlichen Stoffe verwenden. Das ist seit der Produktionserweiterung bei Hüttenes-Albertus der Fall. „Wir unterliegen seitdem stärkeren Kontrollen der Behörden als andere Unternehmen“, sagt Küper. Sein Betrieb arbeite eng mit dem Gewerbeaufsichtsamt zusammen.

Zu den neuen gesetzlichen Auflagen gehört auch die Information all jener, die von einem Störfall betroffen sein könnten. Das wollte Hüttenes-Albertus mit der umstrittenen Broschüre erreichen. Laut Küper wurde das Heft in einem Umkreis von 1,5 Kilometern um das Werk herum verteilt. Allerdings erreichte das Informationsschreiben wohl nicht alle Anwohner.

Peter Kewitsch aus Vinnhorst hörte nur zufällig von der Broschüre. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass die Verteilung der Broschüren mit Sorgfalt geplant wurde“, kritisiert er. Außerdem bemängelt er ganz allgemein die Informationspolitik von Hüttenes-Albertus und den anderen Betrieben in Nordhafen. Vor allem intensive Gerüche werfen bei ihm viele Fragen auf: „Wo kommt der Gestank her und was stinkt dort?“

„Manchmal wird ein übler Chemiegestank freigesetzt“, bestätigt auch eine Anwohnerin aus Vinnhorst. „Ich vermute, dass das schädlich ist“, sagt sie. In Ledeburg treten die Geruchsbelästigungen ebenfalls auf. „Es ist ein unangenehmer Geruch, den ich nicht genau beschreiben kann. Es riecht einfach nach Chemie“, sagt Dieter Eckloff, der Vorsitzende des Kleingärtnervereins Tannenkamp-Mecklenheide. Das hätten auch viele Vereinsmitglieder festgestellt. Es könne aber niemand sagen, wo es herkommt.

Das Gewerbeaufsichtsamt ist den Gerüchen nachgegangen, hat aber keine Gefahren für die Anwohner festgestellt. „Je nach Wetterlage kann es zu Geruchsentwicklungen kommen. Gesundheitsschädlich sind diese nicht, sie können aber als belästigend wahrgenommen werden“, erklärt ein Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamt. Die geltenden Grenzwerte würden eingehalten.

„Jede Firma hat ihre eigenen spezifischen Gerüche, die durch die Produktionsprozesse bedingt sind“, sagt Uwe Knoch, Werksleiter von Silgan White Cap. Dadurch entstehe eine „Gemengelage“ an Gerüchen, für die alle Unternehmen verantwortlich seien.

Zumindest für seinen Betrieb schließt er aus, dass gefährliche Stoffe freigesetzt werden. Dazu werde ein sogenannter Thermoreaktor eingesetzt, der bei Temperaturen um 900 Grad Celsius die Abluft verbrennt. „So kann die Abluft schadstofffrei an die Umwelt abgegeben werden“, erklärt Knoch. Silgan White Cap stellt Deckel und Verschlüsse für die Lebensmittelindustrie her. Kunden seien unter anderem Nestlé und Hipp, berichtet der Werksleiter. Auch das Werk Hüttenes-Albertus, das Gießereien mit Bindemitteln und Trennstoffen beliefert, nutzt einen Thermoreaktor.

Die Informationsbroschüre von Hüttenes-Albertus kann unter der Telefonnummer 9 79 70 angefordert werden. Sie informiert über die Sicherheitsvorkehrungen des Werkes und enthält ein Notfallblatt für das Verhalten im Alarmfall.

Christian Link