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Nord Tafeln erinnern an einen Ort des Schreckens
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Tafeln erinnern an einen Ort des Schreckens
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20:46 01.10.2014
Von Bärbel Hilbig
Horst Meyer (re.) und Karlheinz Mönkeberg (li. von der Tafel) stellen die Informationen zum KZ Stöcken vor. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Spaziergänger finden jetzt am Wissenschaftspark Marienwerder umfangreiche Informationen zur Geschichte des Geländes im Dritten Reich. Rund 4400 Zwangsarbeiter wurden zwischen 1940 und 1945 in der benachbarten Akkumulatorenfabrik AG (AFA) ausgebeutet. Mitte 1943 errichtete die SS außerdem auf dem Firmengelände eine Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme. Die Häftlinge wurden ebenfalls zur lebensgefährlichen Arbeit unter schwersten Bedingungen für die AFA gezwungen. Kurz vor Kriegsende trieb die SS rund 1500 KZ-Häftlinge auf einen Todesmarsch nach Bergen-Belsen, die Hälfte der entkräfteten Menschen kam dort nicht mehr an.

Am vergangenen Sonntag enthüllten Horst Meyer vom Verein Gegen das Vergessen und Karlheinz Mönkeberg, stellvertretender Bezirksbürgermeister Herrenhausen-Stöcken, an der Ecke von Garbsener Landstraße und Hollerithallee eine Informationstafel zum KZ und zum Zwangsarbeiterlager Stöcken. Rund 50 Bürger hatten sich dort versammelt. „Es ist ganz wichtig, dass wir das Wissen über die Geschehnisse weitergeben, damit sie nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Mönkeberg.

Ein Lageplan auf der neuen Tafel am Landschaftspark gibt einen Überblick über das ehemalige Gelände der Akkumulatorenfabrik/Varta mit KZ und Zwangsarbeiterlager. Zudem sind dort die Standorte weiterer Informationstafeln aufgelistet. Außerdem informiert sie über die Nutzung des Geländes während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Die AFA fertigte Batterien für U-Boote und Torpedos, also kriegswichtige Ausrüstung für den nationalsozialistischen Staat. „Das ehemalige KZ-Gelände kann leider noch nicht betreten werden, weil es stark durch die dort entsorgte Bleischlacke belastet ist“, sagte Meyer vom Verein Gegen das Vergessen. Die Fundamente seien aber weiterhin erhalten - und das Gebiet als historischen Ort von besonderem Interesse. „Wir wollen die Familie Quandt als ehemalige Eigentümer dafür gewinnen, das Gelände zugänglich zu machen“, berichtete Meyer.

In den vergangenen Jahrzehnten hatten die Quandts und die Firma Varta eine Aufarbeitung der Firmengeschichte schroff zurückgewiesen. Auch darauf wird jetzt hingewiesen. Der Verein Gegen das Vergessen hatte gemeinsam mit der Stadt insgesamt vier Informationstafeln für das Gelände entwickelt. Sie sind Teil des Projektes Erinnerungskultur der Stadt.

Ebenfalls an der Kreuzung Garbsener Landstraße steht seit 1987 das KZ-Mahnmal, das der Künstler Hans-Jürgen Breuste gestaltet hat. Seit Sonntag erläutert eine neue Hinweistafel dort das Kunstwerk aus gebogenen Eisenstangen, Blei, Granit und Backstein. „Das ist wirklich gut, weil Passanten die Skulptur sonst nicht verstehen“, betonte Mönkeberg. „Wir haben immer versucht, das Mahnmal auf dem Varta-Gelände aufzustellen. Die Eigentümer haben sich strikt geweigert.“ Im Sommer 1944 arbeiteten 6500 Menschen für die Fabrik, davon 1500 KZ-Häftlinge und 3700 Zwangsarbeiter.

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