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Nord Eine Gastwirtin bricht Männerherzen
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Eine Gastwirtin bricht Männerherzen
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07:53 15.01.2015
Mittendrin: Lehrer Holger Warnecke (li.) gibt seinen Hauptdarstellern Kiara Greulich und Henrik Börstling die letzten Tipps vor der Premiere.
Mittendrin: Lehrer Holger Warnecke (li.) gibt seinen Hauptdarstellern Kiara Greulich und Henrik Börstling die letzten Tipps vor der Premiere. Quelle: Sonja Weiße
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„Schön den Raum bedienen! Klar sein! Und Tempo! Tempo! Tempo!“ ruft Holger Warnecke. Der drahtige, dunkel gekleidete Mann tritt von der Bühne zurück. Erneut stellen sich Henrik Börstling und Kiara Greulich in Pose. Es sind die Endproben für „Mirandolina“ von Carlo Goldini. Regisseur und Schauspieler der Theater-AG an der Goetheschule stehen kurz vor der Premiere. Gerade üben die Schüler eine Liebesszene. Die umschwärmte Wirtin Mirandolina hat ihr Ziel erreicht: Auch der abweisende Frauenfeind, der Cavaliere, ist ihr verfallen. Er spielt für sie auf der Flöte, er singt inbrünstig „I will always love you“. Die anderen Gäste Mirandolinas können es kaum glauben: Hat der Cavaliere nicht kürzlich gesagt, das Weib sei eine Krankheit, vor der sich ein vernünftiger Mann hüten sollte?

Es ist ein herrliches Bild, mit welchen Grimassen die Konkurrenten um die Gunst der schönen Mirandolina das Werben des Cavaliere verfolgen. Kaum zu glauben, dass die Schüler zum ersten Mal als Schauspieler auf einer Bühne stehen. Auch Holger Warnecke, Regisseur und langjähriger Leiter der Theater-AG, ist sehr zufrieden mit seinen Akteuren. „Jetzt in den Endproben geht es nur noch darum, das Ganze abzuschmecken, wie ein gutes Gericht“, sagt er.

Hinter dem komödiantischen Spiel, das auf der Bühne so leicht wirkt, steckt viel harte Arbeit: 45 Probentage werden die jungen Schauspieler am Premierentag hinter sich haben, insgesamt etwa 300 Stunden, schätzt Warnecke. Vier der sechs Darsteller haben sogar eigens für die Aufführung ein Instrument gelernt, da sämtliche Schauspieler im Stück auch als Live-Band auftreten. Der Probenplan der Schlussphase liest sich besonders eindrucksvoll: In der gesamten letzten Woche vor der Premiere sind Zeiten bis 20 Uhr angesetzt, am Wochenende ganztägig ab 10 Uhr. Einigen Schülern erscheint so viel Einsatz auch schlicht zu viel. „Als sie den Probenplan gesehen haben, sind viele aus meinem Jahrgang wieder abgesprungen“, erzählt Kiara Greulich.

Die Darstellerin der Hauptfigur Mirandolina geht in die zwölfte Klasse und legt in diesem Jahr das Abitur ab. Für Kiara war das kein Grund, auf die Theater-AG zu verzichten: „Ich sehe mir seit Jahren die Vorführungen an und fand sie supertoll und faszinierend. Ich wollte schon immer mitspielen“, sagt die 17-Jährige. Doch von den zwölf Schülern, die in der AG für das neue Stück angetreten sind, hat nur die Hälfte durchgehalten. „Das ist ein neues Phänomen“, sagt Holger Warnecke. Die Jugendlichen stünden sehr stark unter Stress. Er sieht diese Anspannung deutlich in Zusammenhang mit der (kürzlich zurückgenommenen) Verkürzung der Gymnasialzeit. „Die Schüler schaffen gerade mal die Pflicht, und für die Kür bleibt dann keine Zeit.“

Doch deshalb seine Ansprüchen an eine gute Inszenierung zurückzuschrauben, kommt für Warnecke nicht in Betracht. „Ich könnte nicht dahinter zurücktreten, was ich kann“, sagt er nachdenklich. Dazu muss man wissen, dass der engagierte Gymnasiallehrer auch Fachleiter für Darstellendes Spiel ist sowie Lehrbeauftragter für Darstellendes Spiel an der Universität Hannover und Mitglied des Theaterbeirates der Stadt Hannover. Entsprechend ambitioniert sind auch seine Projekte, die Stücke der Theater-AG wurden zum Beispiel bereits beim Theaterfestival im Ballhof und auf einem internationalen Jugendfestival in Casablanca gezeigt.

Und diesen Anspruch merkt man eben auch diesem Stück an. Nicht nur dem Spiel der Darsteller, auch den schrillen Kostümen (Janine Coldewey), der selbst geschriebenen Musik (Julius Martinek) und dem poppigen Bühnenbild samt Steg in den Zuschauerraum (Holger Warnecke). Insgesamt wirkt die über 250 Jahre alte Geschichte kein bisschen angestaubt. Auch Cavaliere-Darsteller Henrik Börstling meint: „Wie es in dem Stück um Frauengeschichten geht - das hat ganz moderne Züge. Und es gibt viel Tempo, viel Durcheinander, viel Witz. Ich glaube, in diesem Stück ist für jeden was dabei.“

Festprogramm zur Schulgründung vor 60 Jahren

Die Theater-AG der Goetheschule zeigt ihre Neuinszenierung des Stücks „Mirandolina“ erstmals am morgigen Freitag, 16. Januar, um 19.30 Uhr in der Aula des Gymnasiums. Weitere Vorstellungen gibt die Truppe an diesem Sonnabend sowie am 22., 23., und 24. Januar, jeweils um 19.30 Uhr. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Karten gibt es an der Abendkasse ab 18.30 Uhr. Reservierungen sind möglich unter Telefon 16?84?76?20 oder (01?73) 8?57?72?14. Die Premiere ist die Auftaktveranstaltung zu den Jubiläumsfeierlichkeiten anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der Goetheschule. Unter dem Motto „60 Jahre neugierig“ finden folgende Veranstaltungen statt: das Musical „Singin’ in the Rain“, Premiere 13. März, 19 Uhr / Großes Fest im „Großen Garten“, 11. Juni, 10 Uhr / Jubiläumsveranstaltung „60 Jahre Goetheschule“, 12. Juni, 18 Uhr / Abitur- und Schulball im Kuppelsaal, 3. Juli, 19 Uhr.

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