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Nord Vahrenheider fühlen sich stigmatisiert
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Vahrenheider fühlen sich stigmatisiert
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10:05 17.06.2013
Von Andreas Schinkel
„Dabei wohnen hier nur Eigentümer“: Im Sozialbericht weist die Stadt den „Vahrenheider Markt“ als besonders prekäres Quartier aus. Quelle: Symbolfoto
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Vahrenheide

 „Dabei ist der Platz von Eigentumswohnungen und Gewerbebetrieben umgeben. Er hat nicht im Entferntesten den Charakter einer Problemlage“, sagt Uwe Mischnick vom Verwaltungsbeirat der Eigentümergemeinschaft. Das negative Image, das der Sozialbericht befördere, wirke sich bereits auf die Preise beim Wohnungsverkauf aus. „In der Liste prekärer Quartiere hat der Vahrenheider Markt nichts zu suchen“, betont Mischnick. In einem Schreiben an die Stadt fordert er eine Korrektur des Berichts – und droht mit juristischen Schritten.

Alle fünf Jahre verfasst die Stadt Hannover ihren Sozialbericht anhand von Daten aus dem Einwohnermelderegister. Heraus kommt eine Art Sozialatlas der Stadt, der unter anderem zeigt, in welchen Vierteln überdurchschnittlich viele Hartz-IV-Empfänger und Arbeitslose wohnen. In diesem Jahr haben die Forscher ihre Analysen sehr kleinteilig vertieft. 17 Mikrobezirksquartiere, die wenige Straßen umfassen, sehen sie als besonders prekär an, darunter vier Orte allein in Vahrenheide.

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In dem Stadtteil ist die Aufregung groß. „Das Viertel hat ohnehin kein gutes Image, deshalb sind die Empfindlichkeiten groß“, sagt Bezirksbürgermeister Harry Grunenberg (SPD). Dabei gebe es in Vahrenheide viele Einfamilienhäuser mit gutbürgerlicher Einwohnerschaft. „Ähnlich wie der Sahlkamp wird Vahrenheide über einen einzigen negativen Kamm geschoren“, sagt er. Dass ausgerechnet der Vahrenheider Markt in der Liste sozialer Brennpunkte auftaucht, sei „unglücklich“. Dort gebe es rund 150 Eigentumswohnungen, in denen die Eigentümer meist selbst lebten.

Kopfschütteln löst bei Grunenberg auch aus, dass der Sozialbericht „Klingenthal (Süd)“ als problematisches Quartier bezeichnet. „Der einstige Sozialbau ist doch längst abgerissen. Jetzt stehen dort Reihenhäuser“, sagt der Bezirksbürgermeister. Mit den Orten Sachsenhof und Freiberger Hof treffe die Stadt hingegen ins Schwarze. „Dort leben viele hilfebedürftige Menschen“, sagt Grunenberg.

Die Stadt argumentiert, dass sie unter dem Begriff „Vahrenheider Markt“ nicht nur den Platz, sondern ein wesentlich größeres Gebiet versteht. „Teile von Leipziger Straße, Dresdner und Chemnitzer Straße gehören unter anderem zu dem Quartier“, sagt Elke Sauermann, die den Bericht mit verfasst hat. Mehr als 1600 Einwohner zählt der Mikrobezirk, insgesamt betrachtet ergeben sich deutliche Unterschiede zu anderen Quartieren. Dort leben überdurchschnittlich viele  Arbeitslose und Empfänger von Transferleistungen (Hartz IV). Man wollte aus Gründen der Lesbarkeit des Berichts dem Quartier einen griffigen Namen geben und habe sich für „Vahrenheider Markt“ entschieden, sagt Sauermann. Eine Notwendigkeit, die Benennung zu ändern, sieht die Stadt bisher nicht.

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Tobias Morchner 07.06.2013
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