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Nord Vahrenwalder Kinder werden Filmproduzenten
Hannover Aus den Stadtteilen Nord Vahrenwalder Kinder werden Filmproduzenten
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01:10 18.08.2011
Kinder aus Vahrenwald schlüpften beim Filmseminar des Tolstoi-Hilfs- und Kulturwerks in die Rollen von Schauspielern und Kameramännern.
Kinder aus Vahrenwald schlüpften beim Filmseminar des Tolstoi-Hilfs- und Kulturwerks in die Rollen von Schauspielern und Kameramännern. Quelle: Ebert
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Vahrenwald

„Habt ihr in Russland überhaupt schon Farbfernsehen? Ihr trinkt bestimmt den ganzen Tag nur Wodka“, sagt das deutsche Mädchen zu ihrer russischen Austauschschülerin. Die flieht daraufhin deprimiert zur Toilette. „Jetzt heult sie bestimmt!“, machen sich die deutschen Mädchen lustig.

So sieht ein Ausschnitt aus dem Film aus, den fünf Kinder beim Filmseminar des Tolstoi-Hilfs- und Kulturwerks unter dem Motto „Ein Ferientag in Vahrenwald“ in der vergangenen Woche im Freizeitheim Vahrenwald gedreht haben. Mit deutsch-russischen Klischees haben sich die zwölf- bis 15-jährigen Kinder von Montag bis Freitag auseinandergesetzt. Die Teilnehmer verband vor allem eins: Sie alle haben ein oder zwei russische Elternteile, können beide Sprachen sprechen, und jeder von ihnen kam schon einmal in der Schule mit typischen Vorurteilen in Berührung.

Einen witzigen Film über ein ernstes Thema wollten sie drehen. „Die Kinder haben beim Filmseminar die Möglichkeit, sich selbst zu sehen. So können sie ihre eigenen Erlebnisse mit Vorurteilen reflektieren“, sagt Mediendesignerin Renate Zafronskaia. Sie ist eine der drei Profis, die die Vorsitzende des Tolstoi-Werkes, Tatiana Czepurnyi, für das Projekt engagiert hat. Neben ihr betreuten Aleksej Ostrumov, Regisseur und Kameramann, sowie Audiotechniker Viktor Stebner das junge Filmteam.

Drehbuch schreiben, vor der Kamera stehen oder Filmmusik spielen: Beim fünftägigen Seminar konnten die Kinder alle Arbeiten einer Filmcrew übernehmen. Dazu lernten sie in den ersten drei Tagen theoretische und praktische Details, die ein gutes Filmteam kennen muss: Wie baut man Spannung in einem Film auf? Was ist wichtig beim Schauspielen? Wie funktioniert ein Voice-Over, also die Überlagerung einer Tonspur durch eine andere?

Von Montag bis Mittwoch produzierten die fünf Jungen und Mädchen die Szenen: Dazu ließen sie sich zuerst von ihren Ideen inspirieren und notierten stichpunktartig, worum es in dem geplanten Film gehen soll. Anschließend zogen sie auf den benachbarten Spielplatz und improvisierten – aufgeteilt in zwei Kameraleute und drei Schauspieler. Nach dem ersten Dreh besprachen die kleinen Profis dann ihre Szenen, um schließlich fertige Dialoge aufzuschreiben und erneut zu drehen. Damit die jungen Filmstars ohne Anspannung vor der Kamera agieren konnten, zeigten die Betreuer ihnen vorher kleine Übungen, um locker zu werden.

„Hier kann ich endlich mal richtig schauspielern, es ist viel besser als in der Schule, weil wir eigene Charaktere erfinden und die Technik selbst bedienen können“, sagt die 13-jährige Tanja. So habe sie gelernt, in welcher Position sie die Kamera halten müsse, damit verschiedene Effekte entstehen. Auch der zwölfjährige Dennis war zufrieden: „Mich hat es schon immer interessiert, wie es in einer Filmcrew abläuft – jetzt weiß ich es.“

Donnerstag und Freitag dienten als Technik-Tage: Es wurde fleißig geschnitten, Musik aufgenommen und die Lieder unter einzelne Szenen gelegt. Fertig war der Film: Am Sonnabend luden die Kinder ihre Eltern ein, um bei einer Präsentation stolz ihr unterhaltsames Wochenwerk vorzuführen. Julia, Dennis, Danil, Tanja und Anna waren sich einig: An solch einer Aktion haben sie nicht zum letzten Mal teilgenommen.

Melissa Ebert

Heike Schmidt 17.08.2011
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