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Zurück in den Garten

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17:47 02.03.2020
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Hannover

Max mag nur noch lilafarbene Kartoffeln. Am besten schmecken sie dem Vierjährigen in Mamas Kartoffelsalat. Davon gab es am Wochenende reichlich, auf dem ersten Erntefest im „Garten der Zukunft“ in Hainholz. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat dort einen verwilderten Kleingarten in ein blühendes, alternatives Gartenprojekt verwandelt. Und der „Garten der Zukunft“ bereichert nicht bloß die Speisekammern der beteiligten Hobbygärtner.

„Ursprünglich bin ich meiner Tochter Kira zuliebe gekommen. Die ist sehr interessiert an Umweltthemen“, erzählt Anja Alsweh. Sie stellt eine Schale Kartoffelsalat auf einem gut bestückten Buffettisch. Der ist vor dem malerisch maroden Schreberhäuschen in der Kolonie „Abendfrieden“ aufgebaut. Die Teenagerin Kira sammelt derweil Haselnüsse von einem großen Baum und knackt sie anschließend, ganz altertümlich, mit einem Stein.

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„Wir haben dann Max mitgenommen, und der war auch sofort begeistert“, erzählt Anja Alsweh weiter. Von ihrem „lila Kartoffelsalat“, in den sie Äpfel mischt, ist schon nach kurzer Zeit nichts mehr übrig. Alsweh zeigt ihrer eigenen Mutter die Reste ihrer Salatkreation. „Guck mal Mama, wie wenig noch übrig ist.“ Gut, dass Max bereits nach neuen „Violetta“ in einem der Beete buddelt. „Wir wohnen im Reihenhaus. Da haben wir zwar auch einen Garten, aber der ist nicht zum Anbauen geeignet“, erklärt seine Mutter. Von dem „Garten der Zukunft“ der Deutschen Umwelthilfe hat sie durch einen Aushang im Kindergarten erfahren. Inzwischen hilft die ganze Familie mindestens einmal die Woche leidenschaftlich bei der Gartenarbeit. Mit dem „Garten der Zukunft“ hat die Deutsche Umwelthilfe in Hainholz ein Gartenprojekt geschaffen, dass Stadtbewohnern ermöglicht zu gärtnern, ohne sich gleich an eine eigene Scholle zu binden.

Der im April eröffnete Garten ist bereits der zweite mit diesem Konzept in Hannover. In Badenstedt hat die DUH bereits einen Gemeinschaftsgarten in Kooperation mit einer Grundschule angelegt. In Kürze soll ein dritter Garten in einem noch nicht bestimmten Neubaugebiet entstehen. In Zukunft soll das hannoversche Modellprojekt in anderen Bundesländern nachgeahmt werden.

In Hainholz kümmern sich derzeit etwa 14 Hobbygärtner regelmäßig um Anbau und Pflege auf der tausend Quadratmeter großen Doppelparzelle. Vom Kindergartenkind Max bis zum rüstigen Rentner sind alle Altersklassen vertreten. Sozialwissenschaftsstudent Benjamin Pleep erfuhr durch eine Freundin von dem Garten. „Zu Hause wurde ich immer zur Gartenarbeit verdonnert und hatte keine Lust dazu“, erinnert er sich amüsiert an seine Kindheit auf dem Lande. „In der Stadt merke ich plötzlich, was ich an der Gartenarbeit habe“, so der Student. Inzwischen hat er sich mit Fachliteratur eingedeckt und kommt regelmäßig her. „Man lernt schnell. Und eh man sich versieht, beschäftigt man sich mit Fruchtfolgen und so etwas“, erzählt er begeistert. Zwei Mal pro Woche trifft sich die offene Gruppe zum gemeinsamen Arbeiten. Darüber hinaus können die Teilnehmer jederzeit den üppig bewachsenen Garten genießen, als wäre es ihr eigener. An einem Aushang ist abzulesen, welche Arbeiten als Nächstes anstehen.

Die Gärten der Zukunft greifen die Ideen der angesagten Urban-Gardening-Bewegung auf. Die kleinen Beete werden möglichst nachhaltig und umweltbewusst bewirtschaftet. Anhand einer hochgewachsenen Maispflanze, um die sich Bohnen ranken, erklärt DUH-Mitarbeiterin Lisa Hübotter eine in Vergessenheit geratene Anbaumethode. „Die Bohne versorgt den Boden um den Mais mit Stickstoff. Das Beet düngt sich sozusagen selbst“, so Hübotter. Zwischen dem Mais wachsen außerdem Kürbisse. „Wir bauen möglichst effektiv an, um den kleinen Platz ausnutzen.“ Schon die Maya hätten sich diese nachhaltige Anbaumethode zunutze gemacht, bevor sie in Vergessenheit geriet. „Wir wollen hier auch erreichen, dass sich die Menschen beim Anbau großer Monokulturen fragen, warum dort nicht effektiver angebaut wird“, sagt Hübotter. In Zukunft will die DUH in dem Garten Seminare anbieten. Etwa zum Bau einer „Kräuterschnecke“ oder zu gesunder Ernährung.

„Der Garten wird sehr gut angenommen. Als Nächstes steht die Sanierung des Hauses an“, sagt Projektleiterin Dagmar Israel. „Wir wollen es noch schöner gestalten.“ Die 16-jährige Kira gerät beim Stockbrotbacken am Steingrill ins Schwärmen. „Es macht mir hier Spaß, weil ich zusehen kann, wie es vorangeht.“ Von der mitunter anstrengenden Gartenarbeit lässt sich die Schülerin nicht abschrecken. „Der Garten gibt einem zurück, was man an Arbeit hineinsteckt.“ Dann lässt sie sich mit den anderen die leckeren Früchte der Arbeit schmecken.

Der Garten befindet sich in der Kleingartenkolonie „Abendfrieden“ im Stadtteil Hainholz. Besucher gehen den „Rübekamp“ in Richtung Norden. Der Garten liegt hinter dem Vereinsgelände des Nordstädter Turn-Vereins im Asternweg 40. Die Teilnahme an dem Gartenprojekt ist kostenlos. Weitere Informationen zu diesem und den anderen „Gärten der Zukunft“ gibt es unter www.duh.de/4625.html im Internet.

Jörn Kießler 18.09.2014
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