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Nordstadt Fässer aus der Nordstadt schippern nach Jamaika
Hannover Aus den Stadtteilen Nordstadt Fässer aus der Nordstadt schippern nach Jamaika
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00:15 26.06.2016
Foto: Zwei Fässer mit selbst gebranntem Gin und Wodka schickt Joerma Biernath auf die Reise nach Übersee.
Zwei Fässer mit selbst gebranntem Gin und Wodka schickt Joerma Biernath auf die Reise nach Übersee. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Der Frachter nimmt Waren in Frankreich und Madeira auf und segelt bis nach Jamaika. „Die Fässer bleiben drei Monate auf dem Schiff und werden die gesamte Zeit der Seebrise ausgesetzt“, sagt Biernath. Am Ende der Reise holt er die Fässer im Hafen von Oldenburg wieder ab. Der Inhalt wird dann, so hofft Biernath, ein ganz besonderes Aroma haben. Am vergangenen Sonntag hat der Brennmeister seine Fässer nach Elsfleth transportiert und auf das Schiff gehievt.

In seiner Hinterhofdestillerie brennt der gelernte Stauden-Gärtner schon seit einigen Jahren hochwertigen Gin und Wodka. „Hannover Gin - Spirit of Niedersachsen“ nennt er sein Produkt, denn es besteht aus regionalen Zutaten. Viele Kräuter baut Biernath selbst an, auf dem Dach seiner Brennerei. „Zum Teil habe ich auch Beete im Stadtgebiet“, sagt er.

Biernath will Kakao in Hannover herstellen

Der Gedanke, Gin und Wodka auf Seereise zu schicken, sei ihm bei einer anderen Idee gekommen. „Ich möchte in Hannover auch Kakao herstellen. Dazu brauche ich Kakaobohnen aus Jamaika“, sagt er. Wenn aber schon ein Schiff in die Karibik schippert, um Fracht zu laden, dann könne es gleich Fässer aus der heimischen Schnapsproduktion mitnehmen. Kontakt habe er mit dem Kapitän des Frachtseglers „Aventuur“ aufgenommen. Der war offenbar sogleich angetan von der Idee. „Meine Fässer werden die erste Ladung des Schiffes sein“, sagt Biernath. Ein Shanty-Chor hat im Hafen von Elsfleth gesungen, es ist die erste Reise des kürzlich umgebauten Frachtseglers.

Fässer mit Hochprozentigem Wind und Wetter auszusetzen ist unter Schnapsbrennern nicht unüblich. Whisky-Destillerien in Schottland bauen ihre Lagerhallen nahe der Brandung und sind stolz darauf, dass ihr Produkt eine leichte Note von Meersalz und Algen bekommt.

Seereise nicht ohne Risiko

Dennoch ist die Seereise der Fässer nicht ohne Risiko für den Destillerie-Inhaber in der Nordstadt. „Die Fässer könnten beschädigt werden, der Inhalt könnte auslaufen“, sagt er. Oder die Meeresbrise bekommt dem Schnaps nicht, sodass am Ende alles furchtbar schmeckt. „Aber das Risiko gehe ich ein“, sagt Biernath.

Wenn alles glattgeht, werden sich Kenner um den veredelten Gin und Wodka reißen. Wie viel eine Flasche kosten wird, weiß Biernath noch nicht. Listen für Interessenten habe er schon verschickt.

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